Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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Erklärung in der gesunden Auffassung der Zauberdoktoren über die 
Wirkung, die der Geist auf den Leib ausübt. Ein richtig funktionieren 
des Nervensystem, das man als Kräftekreislauf erster Ordnung betrach 
ten muß, reguliert den zweiten Kreislauf der Kräfte, den Blutkreislauf. 
Und dieser wieder beseitigt alle verbrauchten Stoffe durch Atmen und 
besonders durch Ausdunstung der Haut. Das Nervensystem muß in 
erster Linie in Ordnung sein. Sein Aufbau wird im Schlafe, in der 
Ruhe des Körpers vorgenommen. Es ist festgestellt, daß im Schlafe die 
meisten schlechten Stoffe aus dem Körper beseitigt werden. Den Schlaf 
kann man mit einer Innenarbeit vergleichen, deshalb wünschten die 
Zauberdoktoren den Schlaf herbei. In diesem Urtrieb lag reine Nächsten 
liebe, aber keine Betrugsabsicht, die ich erst als Ausbeutung des spä 
teren künstlichen Schlafes erkenne. In dieser Ausbeutung des 
in künstlichen Schlaf, oder dessen schwächeren 
Stufen von Tag esbewußtse inschwäch ung Versetzten, 
trennt sich Nächstenliebe und Egoismus oder Götzen 
dienst. Das möge sich der Leser fest einprägen. Die göttliche 
Magie oder Geistwissenschaft, wie sie Christus zeigt, ist menschenfreund 
lich, die schwarze Magie, das Logenwesen der Geheimniskrämer ist 
menschenfeindlich. Es sind die Mächte der Finsternis, der dunklen 
Unterwelt, aber alles im Dieseits in Wirklichkeit durch Menschen ver 
treten. Diese dunklen Ehrenmänner bewertet Christus richtig als Leute, 
die ihr Licht unter den Scheffel stellen. Ihr Wissen ist Geschäfts 
geheimnis. So war es auch bei den Zauberdoktoren. Ihre Kenntnisse 
stammten aus guten Heilerfolgen, die ihre Vorfahren erzielt hatten. Da 
der Schlaf günstig wirkte, so lag nichts näher, als den Kranken wohl 
wollend zum Schlafen anzuhalten. Das gütige Zureden stimmte den 
Kranken so um, daß er volles Vertrauen in das Tun des Kranken 
pflegers setzte. Er unterwarf sich (im hypnotischen Sinne) wohlgebor 
gen dem Pfleger und befolgte merklich dessen Rat und Willen. Also 
war nun das Ziel der Beiden eins. Es konnte nicht ausbleiben, daß der 
Krankenpfleger von seinem gütigen Zureden feststellte, daß das Ein 
schlafen beschleunigt wurde. Berechnen wir nun noch die Wirkung, 
die ein liebevolles Streichen des Kranken hervorrief, so können wir uns* 
denken, daß der Krankenpfleger immer mehr bemüht war, den Kranken 
einschläfern zu können. Diese schlaferzeugende Kunst vereinte der 
Pfleger mit weiteren Kunstgriffen, die er bei der Beobachtung des 
Schlafenden sammelte. Nur der ruhige Schlaf wurde gewünscht. Im 
Fieberwahn geriet der Kranke in Bewegung und Aufregung. Das zu ver 
hindern gab ihm weiteren Anlaß, den schlafenden Kranken durch gütiges 
Zureden und Streichen zu beruhigen. Finden wir doch selbst, daß unsere 
Kopfschmerzen durch Aufstützen auf die flache Hand gedämpft werden, 
so fand er denselben Erfolg in erhöhtem Maße bei dem Kranken, wenn 
er durch Auflegen seiner Hand auf den Kopf des anderen die Angst 
gefühle dämpfte. Wenn man glaubt, daß ein Eisbeutel heute dieselben 
Dienste tue, so kann ich dem nicht zustimmen. Ohne Zweifel wird die 
gefährliche Wärme herabgemindert, aber damit ist die kranke Stelle 
nicht so günstig beeindruckt als mit der gesunden Bestrahlung, die 
durch unsere Nervenausstrahlung hervorgerufen wird. Die Bestrahlungs 
theorie von Leute ist dem Körper fraglos fremder, als die Bestrahlung 
von Mensch zu Mensch. Auch in der Pflanzenwelt finden wir, daß das 
Beisammensein gleichartiger Pflanzen, besonders der Zwiebeln, dem 
Wachstum günstig ist, während ungleiche Bestrahlung wie Hederich und 
Getreide dem stärkeren Hederich das Vorrecht einräumt. Die Aus 
strahlung sämtlicher Lebewesen ist Tatsache. Sie kann im Heilver 
fahren gut angewendet werden und wurde bei den Urvölkern mehr denn 
heute angewandt, da ihnen diese am nächsten, also immer zur Hand
	        

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