Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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zweckmäßige Ernährung der Kranken einwirken. Sie konnten den Ge 
brechlichen und Erkrankten die Wohltaten verschaffen, die nur der 
Aufenthalt an leicht erreichbaren und häufig besuchten Lager- und 
Speiseplätzen zu bieten vermochte. Die Alten waren die gegebenen 
Kranken- und Totenpfleger. Wenn Eildermann gleich zu Anfang den 
Arzt und Zauberdoktor erwähnt, so ist das ein Beweis, wie wenig er 
dem Wesen der Religion auf den Grund gehen will. Die Zauberei ist 
gar nicht so leicht erlernt und noch viel weniger gleich erdacht worden. 
Lange Beobachtungen und Folgerungen waren nötig, um diese Wissen 
schaften, die heute noch als blaues Wunder bestaunt werden, zusam 
menzutragen. Wir fragen uns, wie kommen diese klugen Leute auf For 
meln, die den Nichteingeweihten betörten oder bezauberten? Bei der 
scharfen Beobachtung der Kranken, besonders im Schlafe, erkannte man 
die günstige Wirkung eines ruhigen Schlafes, aber auch die böse Wir 
kung im Schlafe des phantasierenden Fieberkranken. Aus dem eigenen 
Traumleben wußten die Alten schon die Wirkung günstiger und un 
günstiger Träume zu beurteilen. Sogar ein gesunder Mensch fühlt sich 
nach einem aufregenden Traume beim Erwachen ermüdet und abgespannt, 
während man nach einem freudigen Traume diese Stimmung in das 
Tagesbewußtsein mit hinüber nimmt. Dieses Doppelerleben im Tages 
bewußtsein und im Traumleben oder Unterbewußtsein mußte den Kran 
kenpfleger zum Nachdenken in der öfteren Einsamkeit veranlassen. 
Heute noch ist das Traumleben ein großes Rätsel. Die Erfahrung hat 
gelehrt, daß man die Ursachen von schweren Träumen in den meisten 
Fällen in körperlichen Störungen zu suchen hat. Aber es kann nicht 
geleugnet werden, daß man auch vorausschauende sogenannte Wahr 
träume oder prophetische Träume beobachtet hat. Wir sehen, daß wir 
schon mit unseren Gedanken mitten im Gebiet der Geistwissenschaft 
sind. Wer die Geistwissenschaft als Hirngespinst bezeichnet, ist in 
den meisten Fällen Mitglied der Geheimwissensohaft. Ein ehrlicher 
Mensch kann diese Wissenschaft, die den Menschen mit dem All ver 
bindet, nicht leugnen. Wer aber ängstlich besorgt ist, daß die „breite 
Masse“ auf diesem Wege den Eingang zur Geheimwissenschaft finden 
könnte, der muß das Unterbewußtsein des menschlichen Geistes laut 
verneinen. Der Schlüssel zur Verdummungslehre ist die 
Suggestion und die Hypnose. Mit keinem Worte erwähnt 
Eildermann diese gefährlichen Zaubermittel der schwarzen Magie. Auf 
Seite 145 „Urkommunismus und Urreligion“ unter „Heilkundige der Ur- 
horde“ wird gesagt: „Forschen wir den Methoden und Mitteln der Kran 
kenheilung in der Urzeit nach, so müssen wir gestehen, daß viele der 
selben noch heutigen Tages im Heilwesen Anwendung finden. Eine ver 
hältnismäßig hohe Entwicklung des ürzeitlichen Heilverfahrens kann 
uns nicht unwahrscheinlich sein, wenn wir den überraschend hohen 
Stand der ärztlichen Kunst bei den Naturvölkern der Gegenwart be 
denken. Diese Auffassung bestätigt sich uns, wenn wir sehen, daß die 
Elemente des Heilwesens im Kultus der späteren Zeiten, wenn auch in 
abgeschwächter Form sich wiederfinden und diesen, einem Sauerteig 
gleich, durchdringen. Dem Gebrauch des Wassers zum Baden und 
Waschen entspricht seine Anwendung im späteren Kultus (Taufe, Hände 
in Unschuld waschen usw.). Die Bereitung der Zaubermedizin ist ein 
wichtiges Stück der Vorbildung für den Priesterberuf. Selbst im Kriege 
muß eine Medizin den Sieg erringen helfen. Die Doktoren der Ur- 
völker üben ferner das Einreiben mit zauberkräftigen Substanzen. Zu 
erwähnen ist ferner das Kneten (Massieren) und Anblasen (Einblasen 
des lebendigen Odems).“ 
Fragen wir, warum die Heilkunst der Urvölker im Zeitalter der 
medizinischen Wissenschaft noch bewundert wird, so finden wir die
	        

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