Full text: Brief von Hans Michel Schletterer an Louis Spohr

er Pflicht nicht enbunden, obwohl ich von Monat zu Monat darauf
hoffte. So verging mir in der peinlichsten Unruhe ein volles Jahr.
Ich hatte alle Zeit, die ich meinem mühseligen Berufe abspannen
konnte, meiner Kunst gewidmet; wie wenig entsprachen jedoch alle
Ergebniße meines Fleises dem, was ich unter günstigeren Umstän-
den hätte thun und leisten können. Ich hatte alle Ruhe und allen
Muth verloren; der Drang nach höherer Ausbildung war zu mächtig
in mir, als daß ich ihn hätte bezwinge können, und doch konnte ich
ihn unter den gegenwärtigen Verhältnißen nicht befriedigen. Da ent-
schloß ich mich noch einmal meine Aeltern, noch einmal die Königl. Re-
gierung um Erfüllung meines heißesten Wunsches zu bitten, mich
wenn auch nur auf kurze Zeit meiner Kunst einzig widmen zu dür-
fen. Erstere willigten nemlich ein und versprachen alles für mich
aufopfern zu wollen, was nöthig wäre um meine Studien zu unter-
stüzen. Letztere ertheilte mir zweijährige Entlassung vom Schul-
dienste. Ich halte mich nun für den glücklichsten Menschen; und
mein erstes Geschäft ist es, Sie, Geehrter Herr, davon zu be-
nachrichtigen, daß, im falle Sie noch die früher mir bewiese-
nen gütigen Gesinnungen gegen mich hegen; ich bis Ende Septem-
ber oder Anfangs Oktober oder wenn Sie es überhaupt wünschen
in Kassel eintreffen wollte, um als Schüler bei Ihnen einzu-
treten.
Sollte ich nun wirklich das Glück haben, dieses thun zu können, so

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