Full text: Zwei Jahrhunderte Haarkunst-Handwerk in Cassel




und jetzt wären nur noch 7 vorhanden. Die Eingabe schließt mit der 
Bitte, der Gilde die seit 1729 gezahlten recognitions«Ge!der unter diesen 
gänzlich veränderten Umständen zu erlassen, Bescheid: Erlassen, 1807 be« 
schwert sich die Baderzunft, daß die Peruquenmacher rasieren. Die Gilde 
behauptet schon immer das Recht besessen zu haben rasieren zu dürfen, 
hätten es aber wenig ausgeübt, durch die Mode wäre es jetzt aber anders 
gekommen. Sie führen den § 5 ihres Zunftbriefes an worin es heißt: 
»Wenn die Gesellen von ihren Herrn um deren Kunten Peruquen oder 
Haare zu accomodieren, zu rasieren, und sonst mit ihren Prinzipalen 
Arbeit ausgeschickt werden, und etwas davor bekommen, alles treulich 
(ab-) liefern.« Bescheid: Abgeschlagen. Während der französischen Fremde 
herrschaft hören wir nichts von der Zunft, nur einige Gesuche von Ge« 
seilen um Gewährung des Meisterrechts, die in französischer Sprache ge« 
schrieben sind, sind vorhanden. Nur das Rechnungsbuch der Gilde weist 
eine Ausgabe von 7 Rthr. 16 Albus auf, als Beitrag zu den Ehren« 
bezeugungen, welche die Kinder dem König Jerome erwiesen haben. 
1817, Als Meisterstück wird jetzt verlangt: Eine Manns« und eine Damen« 
perrücke mit langen Haaren, Drei Gesellen sind nur noch vorhanden. Ein 
Meisterstück wird von der Zunft zurückgewiesen, der Prüfling hat die 
beiden Arbeiten in vier Tagen gemacht, diese Zeit sei zu kurz dafür. Der Ge« 
seile behauptet das wäre wohl möglich weil das Dreßieren die Lehrlinge ge* 
macht hätten. Dreßieren wäre keine Kunstarbeit womit sich ein Geselle beim 
Meisterstück mit aufhalten sollte. Wegen dieser Streitfrage werden sämtliche 
Meister durch den Magistrat einzeln vernommen, Bescheid: »Zum Meisterstück 
gehöre auch das Dreßieren.« Nachdem nun der Geselle sein Meisterstück ord« 
nungsgemäß abgeliefert und zum Meister aufgenommen wird, hat er scheinbar 
den versammelten Meistern mächtig den Kopf gewaschen über die Schwierig« 
keiten, die sie ihm bereitet hatten, denn wir erfahren, daß er wegen 
ordnungswidrigen Benehmens dem Gildemeister gegenüber 24 Stunden 
Arrest erhält und angewiesen wird, sich zur Verbüßung dieser Strafe bei 
Vermeidung auf seine Kosten geholt zu werden, den 29. d, M. auf dem 
Altstädter Rathause einzufinden. Er erhebt auch gegen den Gildemeister 
Aubery Beschwerde, welcher bei dem Streit gesagt habe: »er bekümmere 
sich um ihn soviel als um seinen —« und dabei auf den Hintern ge« 
schlagen habe. Die Strafe wird jedoch, da er keinen Gesellen oder Lehr« 
ling hat, der die Kundschaft bedienen könnte, in eine Geldstrafe von 1 Thlr. 
umgewandelt. 1819 bittet die Gilde um Festsetzung der Meisterzahl auf 
acht, Bescheid; Abgeschlagen, 1830 bittet die Gilde um Abschrift des 
Gildebriefes da dieser während der französischen Fremdherrschaft abhanden 
gekommen ist. 1833, Ein Geselle Heister will eine Meisterwitwe heiraten 
und will dadurch in die Zunft aufgenommen werden. Die Zunft ist dem 
entgegen und schreibt: »Es läßt sich wohl die Behauptung aufstellen, daß
	        

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