Full text: Zwei Jahrhunderte Haarkunst-Handwerk in Cassel

ihr Unwesen, Die Strafbefehle machen keinen Eindruck, da die Strafe 
nie vollzogen wird. Die Gilde schlägt vor, alle Pfuscher auf die Land* 
Städte zu verteilen. Das Gutachten sagt die Gilde sei im Recht, weil 
ihr der Magistrat nicht mit dem nötigen Ernst beigestanden habe gegen 
die Pfuscher,- es empfiehlt die Pfuscher vorzuladen und ihnen mit Geld* 
und Gefängnisstrafen das Handwerk zu legen. Das Verlangen der Gilde, 
die Pfuscher auf die Landstädte zu verteilen, wäre unerlaubter Zwang 
und verstoße gegen die Landesgesetze, keine Gilde hätte bis jetzt so 
etwas verlangt. Bescheid: Die Pfuscher sollen vorgeladen und die Gilde 
geschützt werden, ihrem Zunftbrief gemäß, 1792 bittet die Gilde wieder 
um Erlassung der 12 Rthr Steuer, die anderen Landgilden zahlten auch 
nichts. Bescheid: Abgeschlagen. Ferner ergeht an die Gilde der Bescheid: 
Die Zahl 25 ist dergestalt geändert worden, daß Meisterssöhne und die* 
jenigen welche Meisterwitwen und *Töchter heiraten ausgeschlossen sind, 
also in die Gilde aufgenommen werden müssen. 1793. Eingabe der Gilde* 
meister Jacobi und Wittidi, durch die neue Verfügung hätte die Gilde in 
kurzer Zeit 60 Mitglieder bekommen, und bittet, erst solle die Zunft auf 
25 stehen, ehe Neuaufnahmen erfolgen sollen. Weil ein Geselle, ohne 
erst 1/2 Jahr von Cassel fortgewesen, bei einem anderen Meister Arbeit 
nimmt, setzt die Gilde durch, daß er eingesperrt wurde. Der Meister 
Albus beschwert sich hierüber, er führt an, der Gesell sei sehr fleißig, er 
habe manchen Sonntag 25 Personen, darunter 18 —19 Frauenzimmer, 
frisiert, auch brauche er ihn im Theater sehr nötig, es wäre nur Brotneid 
der Zunft gegen ihn. Die Zunft begründet ihre Maßregelung der sich auch 
die Gesellen, durch 19 Unterschriften vertreten, anschließen. Es ergeht 
der Bescheid, daß der renitente Gesell aus der Stadt entfernt werde. Es 
erfolgt hierauf der Antrag der Gilde, alle Gesellen sollen erst 1 Jahr 
fortgehen ehe sie hier neue Stellung annehmen dürfen, 1795, Bescheid: Alle 
Gesellen sollen erst ein Jahr auswärts gehen, »In jedem Falle wenn er 
seinen Abschied nimmt oder erhält.« 1795. Erneute Eingabe um Er- 
lassung der 12 Rthr. Kopfsteuer. »Ihro Hochfürstliche Durchlaucht können 
Sich unmöglich von unserer traurigen Lage ein hinlänglich lebhaftes Bild 
entwerfen. Gerührt würden Höchstdieselben von unsern zerrissenen Kleidern, 
Ihr Antlitz wenden, wenn Sie hörten das Geschrey der Kinder um Brod, 
daß ist ein Empfinden, daß man Gott anflehen muß gegen Verzweiflung.« 
Der Magistrat bestätigt, daß sich die Gilde in sehr bedürftigen Umständen 
befindet, zumal sie noch um 15 Meister überzählig sei, Bescheid; »Abge* 
schlagen, wenn sie nicht zahlen wolle, so solle die Gilde wie es früher 
gewesen, gänzlich ressieren.« 1796. Erneute Eingabe um Erlassung der 
Steuer, da keine der hiesigen Gilden solche Abgaben habe, sie bitten 
wenigstens auf 3—4 Jahre zu erlassen. Bescheid: Abgeschlagen. Die 
Witwe Claar will einen Gesellen aus der Werkstatt des Mitmeisters Jacobi 
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