Full text: Zwei Jahrhunderte Haarkunst-Handwerk in Cassel



wohl im Peruquenmachen alß Frisieren, welches jetziger Zeit das mehrste 
abwerfen muß in dem wenig neue Peruquen verfertigt werden entziehet.« 
Die Schrift schließt mit der Bitte um Verschärfung des 7, und 8. Artikels 
des Zunftbriefes. Bescheid: Den Supplicanten soll man die nötige Hilfe 
angedeyhen lassen, und befehlen daß den frembden sich eigenmächtig 
etablierten das Handwerk niedergelegt werde. Im Mai 1770 folgt eine 
weitere Eingabe der Gilde von sämtlichen Meistern unterzeichnet. Sie 
fassen ihre Wünsche in 3 Punkten zusammen, 1, Führen sie lebhafte 
Klage gegen den leichtfertigen Lebenswandel der Gesellen. Bei VorhaU 
haltungen drohen diese gleich mit dem Austritt, wenn entlassen gehen 
sie zu einem anderen Meister und nehmen die Kundschaft mit. Nach 
dem Zunftbrief sollen sie aber erst */4 Jahr außerhalb Cassels arbeiten. 
Sie verlangen daß dies aufrecht erhalten bleibe und auf 1/2 Jahr ausgedehnt 
werden soll, 2, Weil trotz der schlechten Zeiten die Zahl der Meister 
auf 41 gestiegen, die Anzahl künftig festzusetzen, 20 Meister seien genug. 
Sie führen zum Beispiel die Baderzunft an, wo die Anzahl auf 8 beschränkt 
sei, zumal viele Standespersonen ihre eigenen Friseurs haben, 3, Es 
werden zu viele Lehrlinge gehalten, sie lernen dadurch nichts, die Anzahl 
soll beschränkt werden auf einen Lehrling, erst wenn dieser 3 Jahre rum 
hat, soll der Meister einen neuen nehmen. Der Minister von Baumbach 
schreibt darunter: »Das Verlangen wäre nicht unbillig« und verlangt vom 
Oberschultheißen ein Gutachten binnen 14 Tagen. Scheinbar arbeitete 
St, Bürokratius früher genau so langsam wie heute, denn im August 
bittet die Gilde um Antwort auf die Eingabe. Der Minister setzt für 
das Gutachten nodimals 8 Tage Frist, Im September hat die Gilde 
noch immer keinen Bescheid, Der Minister fordert den Oberschultheißen 
auf um Erstattung des Gutachtens binnen 8 Tagen, bei 5 Rthr. Strafe. 
Endlich im Oktober erstattet der Magistrat sein Gutachten »daß der 
Supplicanten Suchen überall zu fügen sey«. Der Lehnhof ist der Ansicht, 
daß bei so geringer Anzahl der Meister, weniger Geld einkommt und 
abzuschlagen sei, nur dem Ersuchen wegen der Gesellen wäre sich zu 
fügen, um die Gesellen gegen ihre Meister in den Schranken zu halten. 
Ein weiteres Gutachten besagt: »Bei dem metier eines Peruquenmachers 
und des Haar^Frisierers kommt es zurmahlen in einer Residentz wo ein 
Hofstaat ist, mit auf die moden an. Wie sehr nun diese changiret ist 
bekannt und lehret die Erfahrung, daß die Jung^Meister sich mehr als die 
Alten darauf befleißigen. Sollte also vielleicht in 10—-20 Jahren kein 
neuer Meister gemacht werden so dürfte es sich leicht zu tragen, daß die 
alten Meister ganz aus der Mode gerathen und deshalb personen vom 
Stande wieder ihre Peruquen auswärts machen zu lassen genöthigt seyn 
würden.« Ferner steht in dem Gutachten, daß bei so geringer Anzahl 
Meister, mancher wohl das Colleg oder die Parade versäumen würde.
	        

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