Full text: Zwei Jahrhunderte Haarkunst-Handwerk in Cassel

Hers Feld ist nur einer der schon in Cassel zur Zunft gehört. In 
Schmalkalden sind drei Peruquenmacher, sie wollen lieber unzünftig 
bleiben. Die aus Rinteln richten einen geharnischten Protest von vielen 
Seiten gegen den Beitritt, nach Cassel. Die Marburger befürchten, daß 
die Casseler ihnen zuviel abverlangten, und hätten viel lieber eine eigene 
Zunft, Der Bescheid lautet, die Errichtung einer eigenen Zunft wird nicht 
gestattet und der Beitritt nach Cassel freigestellt, 
1744 wird die Innung aufgefordert Angaben zu machen weshalb sie 
dem Peruquenmacher Meister Bergmann den Haarvorrat und das Hand- 
werkszeug weggenommen hat. Der Bürgermeister, welcher zugleich Ober- 
Zunftmeister war, schreibt dazu: »Er hätte es sich selber zugezogen weil 
er seit Jahr und Tag hier arbeitet und nicht in der Zunft sei.« Der 
Meister Bergmann bekommt auf seine Beschwerde den Bescheid: »Der 
Peruquenmacher Bergmann soll sich also der Ordnung und dem Zunft- 
brief gemäß bezeugen.« Im Jahre 1751 starb Landgraf Friedrich I, und 
die Gilde bittet den Nachfolger Landgraf Wilhelm VIII. um Erneuerung 
des Zunftbriefes, welcher nach Anfrage beim Lehnhof, ob auch die Steuer 
immer bezahlt sei, der berichtet, daß »alles zur Zufriedenheit abgetragen 
sey«, im Juli 1751 erfolgte, 1762, Eine Eingabe um Erlassung der Steuer 
wird abgeschlagen. Während des siebenjährigen Krieges hören wir nichts 
von der Gilde, Cassel wurde, weil Hessen zu Preußen hielt, von den 
Franzosen besetzt und arg mitgenommen, Wilhelm VIII, war gestorben 
und Landgraf Friedrich II. suchte die Wunden dieses Krieges so schnell 
als möglich zu heilen, 1765 erließ er eine Preis=Taxe für sämtliche Hand- 
werke. Darin wurden für unser Handwerk festgesetzt: 1. Eine Griffaille- 
Peruque mit langen Haaren, nach der neuesten Mode 2 Rthr. 16 Albus, 
2, Eine dito Abbee*Peruque 2 Rthr. 16 Albus, 3, Eine dito mit zwei 
Knoten 5 Rthr. 4. Eine gute Abbee dito von Ziegenhaaren 2 Rthr. 
16 Albus. 5, Eine gute Beutelperuque von Ziegenhaaren 2 Rthl, 6, Eine 
Mannspersohn täglich zu accomodiren mit Pomade und Puder monathlich 
1 Rthr, 10 Albus 8 Heller. 7, Ohne Pomade und Puder 1 Rthr, 8. Eine S 
Mannspersohn einmal zu accomodieren mit Pomade und Puder 2 Albus 
8 Heller, 9, Ein Frauenzimmer zu accomodieren 4 Albus, <Ein Reichs* 
tahler gleich 3,60 Mk,, ein Albus gleich 12^2 Pfg, nach heutigem Geld.) 
Der Krieg hatte vernichtend gewirkt, 1765, Beschwerdeschrift der Gilde — 
»Da nunmehro unsere Profession allhier vor allen andern auf dem schlech- 
testen und elendesten Fuße steht und wir des gewiß kündig sind, daß 
sowohl Cammerdieners als Friseurs und sonstige Bedienten nach verrich- 
teter Accomodation ihrer Herrschaften außer deren Dienste in hiesiger 
Stadt Frisieren, ingleichen auch die hier eingeschlichenen französischen 
Peruquieres unserem gnädigsten Landes*Fürsten nichts von dieser Pro- 
fession entrichten und uns doch das mehreste von unserer Nahrung so 
6
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.