Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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Bibliothek gelagert waren. Das mit 
einem Notdach Mitte 1944 ausge- 
stattete Bibliotheksgebäude wurde 
neben der Landesbibliothek Kassel 
seit Herbst 1944 von vier Firmen, 
darunter die Buchhandlung Victor 
und das Modehaus Kassel, genutzt. 
Letztere Firma erklärte sich bereit, 
die von ihr belegten Ausleih- und 
Katalogzimmer an die Murhard- 
sche Bibliothek abzutreten. Die Bi 
bliothek bezog im Juni 1945 diese 
beiden Räume und eröffnete dabei 
gleichzeitig die Ausleihe, zunächst 
ohne Genehmigung der Besat 
zungsmacht. Die nach Haina in die 
dortige Klosterkirche ausgelager 
ten rd. 80.000 Bände Buchgut wur 
den bereits August 1945 mit ameri 
kanischer Unterstützung zurückge 
holt. Die auf das Rittergut Mals 
berg, Kreis Waldeck, verbrachten 
Werke kamen im Juni 1946 zurück. 
Nur durch intensive Nutzung des 
Kellers wie des Katalograumes als 
Buchmagazin gelang die provisori 
sche Aufstellung. 1945 wurden be 
reits 8789 Ausleihvorgänge gezählt. 
Der Ausleihraum beherbergte 
die gesamte Verwaltung, die Aus 
leihe und die Kataloge. Zugleich 
diente er bis Februar 1948 als Lese 
saal. „Beim Klappern der Schreib 
maschinen, bei dem geräuschvol 
len Ausleihbetrieb mußte wissen 
schaftliche Auskunft erteilt wer 
den, und gerade auf die wissen 
schaftliche Beratung des Publi 
kums im Katalogzimmer hat die 
Murhardsche Bibliothek von jeher 
größten Wert gelegt. Oft drängten 
sich über 30 Menschen in dem ei 
nen Raum, ein unhaltbarer Zu 
stand !” (33). 
Für den Direktor wurde durch 
Regale und eine Glaswand ein Ar 
beitsplatz abgetrennt. Für die wis 
senschaftlich sich ausbildende oder 
arbeitende Bevölkerung war die 
Murhardsche Bibliothek der Stadt 
Kassel die einzige am Ort zur Ver 
fügung stehende Bibliothek, bis am 
2.Dezember 1948 die Landesbiblio 
thek Kassel im Ständehaus wieder 
geöffnet wurde. 
Die Statistik der Murhardschen 
Bibliothek nennt als Gesamtbesu 
cherzahl für 1946 die Zahl 44.021, 
1947 39.400 und 1948 sogar 50.984. 
Lesesaal, Katalogzimmer und Aus 
leihe waren für das Publikum meist 
von Montag-Freitag 9-13 und 16-19 
Uhr, Samstag 9-13 Uhr geöffnet. 
Die Benutzungsordnung vom 18. 
Januar 1954 ist die Fortschreibung 
der Benutzungsordnung von 1905. 
Die Leih- und Benutzungsgebüh 
ren von 1922 in den angehobenen 
Sätzen von 1932 wurden darin be 
stätigt. 
Die Raumenge führte im April 
1947 zur Kündigung des Modehau 
ses. Juli 1947 zog die Landesbiblio 
thek Kassel aus dem Murhard 
schen Bibliotheksgebäude in das 
Ständehaus. Endlich sollte die 
Murhardsche Bibliothek im Rah 
men alter, bewährter Organisa 
tionsabläufe und ohne Raumenge 
ihren Benutzern wieder dienen 
können. Für Direktor Schnurre 
und viele Benutzer war es in der ge 
gebenen Situation unbegreiflich, 
daß die Militärregierung im Mai 
1947 das ganze Bibliotheksgebäude 
zum Zwecke der Errichtung eines 
Amerikahauses mit Bibliothek für 
4.000 Bände beschlagnahmte. Be 
reits 1946 hatte die Militärregierung 
zwei von der Landesbibliothek Kas 
sel gemietete Räume übernom- 
EERNSPRECHER N*. 43HB 
TELEGR.-ADR.: BRAUER <S MONN/CH 
BREMEN 
BANK- KONTEN: 
DEUTSCHE BANK BREMEN 
BREMER KREDITBANK A.G. 
BREMEN 
POSTSCHECK. KONTO 
HAMBURG 55782 
An die 
Stadtbücherei Kassel 
vorm, s Murhard'sche Bibliothek 
der Stadt Kassel 
Köln.Str. 36 J 
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