Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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logabteilung der Landesbibliothek 
Kassel zog um den 1. April 1943 in 
das Murhardsche Bibliotheksge 
bäude ein. Die Direktion und das 
Sekretariat der Landesbibliothek 
folgten am 15. Juli 1943. Diese Be 
reiche wurden mit den Parallelab 
teilungen der Murhardschen Bi 
bliothek zu einem Verwaltungskör 
per zusammengefaßt. Seit dem 15. 
Juli 1943 fungierte gemäß der im Ja 
nuar 1943 getroffenen Absprache 
Dr. Schnurre als Stellvertreter. Dr. 
Schnurre zeichnete von diesem 
Zeitpunkt an für das Geschehen in 
der Arbeitsgemeinschaft verant 
wortlich. 
Im Murhardschen Bibliotheks 
gebäude sollte gemäß den Bedürf 
nissen der Bevölkerung in Kassel 
und im Regierungsbezirk Kassel im 
größtmöglichen Umfang der Be 
nutzungsverkehr aufrecht erhalten 
werden. Ab 1. April 1943 standen 
die Neuerwerbungen beider Biblio 
theken hier den Benutzern zur Ver 
fügung. Im Vorgriff auf die Arbeits 
gemeinschaft und spätere Zusam 
menlegung hatte die Landesbiblio 
thek bereits einen guten Teil der 
parallel gehaltenen Zeitschriften 
abbestellt. 
Die weiteren Absprachen im Ja 
nuar 1943 dienten dem zweckmäßi 
gen Aufbau des Buchbestandes 
und dem Ziel einer guten gemein 
samen Verwaltungsorganisation. 
So wurde z.B. angestrebt, die er 
worbene Literatur gleich zu katalo 
gisieren und zur Benutzung zur 
Verfügung zu stellen. Das bedeute 
te, daß man zunächst die Neuer 
scheinungen im abgesprochenen 
Umfang zügig erwarb und bearbei 
tete. Notwendigerweise mußte die 
ses dazu führen, daß ältere Buchbe 
stände weniger zahlreich erworben 
wurden. Es sollten in Zukunft nur 
noch wertvolle geschlossene Bi 
bliotheken - sie waren zunächst 
nicht zu katalogisieren und sollten 
auch geschlossen aufgestellt wer 
den - und besonders wichtige Wer 
ke aus dem Wiederaufbauetat be 
schafft werden. 
Direktor Schnurre unterstand 
neben der Verwaltung auch die Be- 
nutzungs- und Katalogabteilung. 
Direktor Theele war für die Wie 
deraufbauabteilung und den Er 
werbsbereich zuständig. Wöchent 
lich gab es Kaufsitzungen für 
Neuerwerbungen und ältere Erwer 
bungen im Werte von über 1000 
RM. Die Bezahlung der ab 1. Januar 
1943 erworbenen Bücher geschah 
im wesentlichen aus dem Etat des 
Bezirksverbandes (Ausgaben 1943/ 
44 insgesamt rd. 397.000 RM für 
17592 bibliographische Bände). 
Diese wurden nach dem Numerus 
currens in den Größen 2°, 4° und 8° 
inventarisiert und im Magazin auf 
gestellt. Die Zugangsbücher waren 
damit gleichzeitig Standortkatalo 
ge. Der Standortkatalog der Mur- 
hardbibliothek, gebildet aus den 
Laufzetteln, wurde abgebrochen. 
Der alphabetische Katalog der grö 
ßeren Bibliothek wurde ein neuer 
Zettelkatalog im internationalen 
Bibliotheksformat. Der alte alpha 
betische Katalog der Murhardbi- 
bliothek in Kapselform wurde still 
gelegt und sollte später auf das in 
ternationale Bibliotheksformat 
umgeschrieben werden. Der syste 
matische Katalog der Murhardbi- 
bliothek wurde als gemeinsamer 
systematischer Katalog fortgeführt. 
Für den Aufbau eines ergänzenden 
Schlagwortkataloges war in der Ti 
telaufnahme eine Katalogkarte 
mehr herzustellen und dort für ei 
ne spätere Bearbeitung aufzube 
wahren. Die Zeitschriften, Fortset- 
zungs- und Serienwerke wurden in 
einem besonderen Zugangsbuch 
unter der Gruppensignatur Z nach 
ebenfalls drei Formaten eingetra 
gen, signiert und aufgestellt. Alle 
älteren Bestände der Landesbiblio 
thek wie der Murhardschen Biblio 
thek wurden unter ihrer bis dahin 
geführten Signatur aufbewahrt. 
Für die Gruppe der „wertvollen 
Sammelerwerbungen” sollte eine 
grobsystematische Übergangsauf 
stellung gefunden werden, wobei 
größere Bibliotheken sogar weiter 
hin zusammenstehen sollten. 
Das gesamte Personal der Mur 
hardschen Bibliothek der Stadt 
Kassel hatte seine Bereitschaft er 
klärt, in den Dienst der Verwaltung 
des Bezirksverbandes Hessen zu 
treten. Zumindest Direktor Dr. 
Schnurre war der inneren Einstel 
lung nach gegen die Vereinigung, 
hatte jedoch keine Chance mehr, 
sich dagegen zum Zeitpunkt zu 
wehren. Seine Stellvertreterin im 
Amt Dr. Dorothea Sautter schreibt 
am 16. Januar 1943: „Gestern ist die 
Urkunde unterzeichnet worden, 
nach welcher die Murhardsche Bi
	        

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