Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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Louis Spohr (1784-1859) war von 1821-1857 
Hoßcapellmeister in Kassel 
Stahlstich GhB.LMB 
Ausstellungsstücke geschenkt wur 
den, so die Totenmaske Spohrs, ein 
Bild, darstellend „die Überweisung 
des Urgroßvaterdiploms an Spohr 
seitens der Vätergesellschaft”, ge 
schenkt von den Herren Brüdern 
Mons, und verschiedene Ge 
brauchsgegenstände aus dem 
Nachlasse Spohrs, geschenkt von 
dem Schriftsteller L. Wolff (19). Die 
Spohrsammlung wurde 1934 der 
Landesbibliothek Kassel überge 
ben; sie ging, soweit erhalten, als 
Dauerleihgabe an das Spohrmu- 
seum. 
Zusätzlich kündigten vermögen 
de Bürger, so die Fräulein von der 
Embde und der Apotheker Dr. 
Gläßner, umfangreiche testamen 
tarische Zuwendungen an. Die Da 
men von der Embde hatten bereits 
vorher die Originalgipsabgüsse des 
Künstlers Werner Henschel der Bi 
bliothek vermacht, die später den 
Grundstock des Werner-Henschel- 
Museums, ab 1934 Teil der Städti 
schen Kunstsammlungen Kassel 
bilden sollten. 
Am 14. Januar 1891 wandte sich 
Stadtbibliothekar Uhlworm unter 
anderem an Landgraf Alexander 
Friedrich von Hessen-Kassel - 
wenn letztlich auch ohne Erfolg - 
mit dem Ersuchen, im Hausbesitz 
befindliche museale Bestände in 
das in der Bibliothek im Aufbau be 
findliche „Hessische Museum” ein 
zubringen. In dem Zusammenhang 
regte er eine „Landgraf-Alexander- 
Friedrich-Stiftung” an. 
Die Entwicklung eskalierte mit 
Anfall der von Apotheker Dr. phil. 
Johann Georg Gläßner der Stadt 
Kassel, vermutlich tatsächlich der 
Murhardschen Bibliothek hinter- 
lassenen Sammlungen als „Gläß- 
Werner Henschel (1782-1850) 
Lithographie nach einer Zeichnung von Glinzer 1831 
von G. Koch, GhB.LMB 
nersche Stiftung” im September 
1891. Neben 20.000 Mark vermach 
te Gläßner u. a. eine sehr wertvolle 
Münzsammlung, viel Porzellan, 
Schmuck und altes Handwerksge 
rät. Uhlworm erhielt mit Datum 17. 
September 1891 den Auftrag, die 
musealen Gegenstände in sicheres 
Gewahrsam zu nehmen. Obwohl er 
als vorübergehenden Unterbrin 
gungsort auf den Keller des Bose- 
Museums hingewiesen wurde, 
überführte er die Sammlung in die 
Bibliothek, um sie zu ordnen. Dort 
zeigte er besonders wertvolle Teile 
in der geschichtlichen Abteilung. 
Aus Angst vor Diebstahl wurde 
vorübergehend eine Nachtwache 
bestellt. In der Öffentlichkeit wie 
gegenüber der Stiftungsverwaltung 
bezeichnete er im Widerspruch 
zum Testamentstext des Dr. Gläß 
ner den Anfall der Sammlungen als 
eine Zuwendung an die Bibliothek. 
In der Bibliothek hingen an dersel 
ben Wand das Bild Friedrich Mur- 
hards wie die Photographie Gläß- 
ners, des „neueren, um Cassel so 
verdienten denkwürdigen Stifter” 
(20). 
In Eingaben an die Verwaltung 
bemühte Uhlworm sich um An 
mietung eines günstig gelegenen 
Gebäudes, in dem die Murhard- 
sche Bibliothek, das Stadtarchiv 
und die Gläßnersche Stiftung ge 
meinsam untergebracht werden 
konnten. In dieser Situation muß 
ten Stiftungsverwalter und Testa 
mentswächter Einhalt gebieten, 
sollte nicht das Murhardsche Testa 
ment eine Farce werden. Stiftungs 
verwalter Klöffler teilte ihm mit
	        

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