Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

147 
geeignet erscheinen, sind in eine zu errich 
tende und in einem eigenen Lokale aufzu 
stellende Doubletensammlung aufzuneh 
men. Diese Doubleten werden alsdann zum 
Austausch gegen Doubleten in anderen Bi 
bliotheken oder gegen Bücher, die sich bei 
Antiquaren vorräthig finden, deren Erwerb 
für die Stadtbibliothek nützlich erscheint, 
dienen können. 
Artikel VII 
Im Schlußparagraphen (§ 28) unseres Te 
staments ist von Uns der Wunsch ausge 
drückt worden, daß der Inhalt desselben, 
nach unserm Ableben öffentlich bekannt 
gemacht werden möge. Wir hegten nämlich 
die Hoffnung, daß dadurch vermögende 
Personen an andern Orten veranlaßt wer 
den könnten, uns in der Gründung analoger 
Stiftungen nachzufolgen. Es ist jedoch von 
uns nicht gemeint, vorschreiben zu wollen, 
daß unsere ganze Testamentsakte in exten 
so durch den Druck veröffentlicht werde, 
indem die Mittheilung der Quintessenz ih 
res Inhalts an das größere Publikum zur Er 
reichrung des oben angedeuteten Zwecks 
schon hinreichen dürfte. Auch wird eine 
kurz gefaßte öffentliche Mittheilung in der 
hiesigen Zeitung und in einem Frankfurter 
Tageblatte, etwa in der Form eines Corre- 
spondenz-Artikels aus Cassel schon genü 
gen, während in einem literarischen Journal 
ausführlichere Kunde darüber ertheilt wer 
den mag. 
Wir lassen hier ein Schema folgen für die 
Art und Weise, wie wir nach unserm Tode 
die Nachricht von der Gründung unserer 
Stiftung und deren Bestimmung etwa zur 
Publizität gebracht sehen wünschen. Diese 
unsere Darstellung wird zugleich der Admi 
nistration unserer Stiftung und den Execu- 
toren unseres Testaments zum Fingerzeig 
dienen können, um zu erkennen, von wel 
chem leitenden Gedanken wir bei unserer 
Schöpfung ausgegangen sind, und welche 
Ideen wir durch dieselbe zu realisiren hof 
fen. Die fragliche Publikation unseres Te 
staments durch den Druck würde auf Mit 
theilungen der Hauptbestimmungen des 
selben sich beschränkend, etwa folgender 
maßen formuliert werden können. 
„Zwei unserer vermögenden Mitbürger, 
die Brüder Friedrich und Karl Murhard, hie 
sige Rentiers, beide auch als Schriftsteller in 
der gelehrten Welt rühmlichst bekannt, ha 
ben mittelst Testament vom Jahre 1845 ihre 
Geburtsstadt Kassel zur Universalerbin ih 
res Vermögens unter gewissen von ihnen 
festgesetzten Bedingungen ernannt. 
Ihre gesammte Hinterlassenschaft soll ei 
nen, gedachter Commune für alle künftige 
Zeiten als Eigenthum zugehörigen unveräu 
ßerlichen Fonds unter der Benennung „Mur- 
hardsche Stiftung” bilden. Der Kapitalstock 
dieses Fonds soll nie angegriffen, die Zinsen 
desselben aber sollen nur auf die von den 
Erblassern in ihrer Testamentsurkunde nä 
her bestimmten Art und Weise verwendet 
werden. Die Verwaltung des Vermögens 
besagter Stiftung soll von städtischen 
Beamten, unter Aufsicht des jeweiligen 
Bürgermeisters, des Stadtraths und des Bür 
gerausschusses geschehen. 
Als Hauptzweck der Stiftung ist bezeich 
net : Die Errichtung und Unterhaltung einer 
großen öffentlichen, der Stadt Kassel für al 
le Zukunft angehörigen Bibliothek; darum 
sollen die Jahreszinsen des ursprünglichen 
Stiftungs-Capitals hauptsächlich, ja fast aus 
schließlich, zur allmähligen Erwerbung ei 
nes reichen Bücherschatzes verwendet wer 
den. 
Zu Gründung des gedachten Instituts 
sind aber neben dem Kostenaufwand für 
Bücherankauf noch manche andere, zum 
Theil sehr bedeutende Ausgaben durchaus 
nothwendig, für deren Deckung daher ein 
neuer Fonds geschaffen werden mußte. 
Die Erblasser haben deshalb verordnet, 
daß zunächst nach ihrem Ableben sämmtli- 
che Jahreseinkünfte ihres hinterlassenen 
Vermögens eine Zeitlang kapitalisirt wer 
den sollen, um eigene besondere Fonds zu 
bilden, aus deren Zinsen dann alle jene Aus 
gaben zu bestreiten sind, ohne dem aus 
schließlich zur Anschaffung von Büchern 
für die städtische Bibliothek bestimmten 
Stiftungsfond zur Last zu fallen. Vor Allem 
soll durch vorläufige, eine Reihe von Jahren 
hindurch fortgesetzte Kapitalisirung 
sämmtlicher Einkünfte des Stiftungsvermö 
gens auf die Sammlung eines hinreichen 
den Kapitals zum Bau des Bibliotheksge 
bäudes Bedacht genommen werden. Ist die 
ses Baukapital angesammelt, dann hört na 
türlich die fernere Kapitalisirung für diesen 
Zweck auf; aber es kommt nun die Bildung 
eines anderweitigen Fonds zur Deckung pe- 
rennirender Ausgaben an die Reihe, wes 
halb mit Kapitalisirung der Intraden des pri 
mitiven Stiftungs-Vermögens noch einige 
Zeit hindurch fortgefahren werden soll. Es 
handelt sich nämlich um die Erschaffung ei 
nes Kapitalfonds, groß genug, um mit des 
sen Zinsen alle permanente laufende Aus 
gaben bestreiten zu können, welche die Stif 
tung neben ihrer Hauptausgabe für den Bü 
cherankauf zu machen nöthig hat, damit 
letztere ungeschmälert bleibe. Dahin gehö 
ren unter andern namentlich die Kosten der 
Stiftungsverwaltung, die Besoldung des 
Dienstpersonals der Bibliothek, die An 
schaffung und Unterhaltung des Inventars 
letzterer, und manche andere ständige Aus 
gaben mehr. Dieser auf die angegebene 
Weise zusammengebrachte und ebenge 
dachten Zwecken gewidmete Separatfond 
soll unter der nämlichen Administration 
stehen, wie das gesammte übrige Stiftung 
vermögen. 
Erst nachdem für dies Alles Fürsorge ge 
troffen worden ist, und neben dem aus dem 
Nachlasse der Testatoren gebildeten 
Grundkapital ein anderer Fond ins Dasein 
gerufen worden, genügend zur Bestreitung 
der oben gedachten Ausgaben der Stiftung, 
soll diese zur Erfüllung ihres Hauptzweckes 
ins Leben treten. Erst von diesem Zeitpunc- 
te an sollen die jährlichen Zinsen des ur 
sprünglichen Stiftungsstocks hinführo re 
gelmäßig und beinahe ausschließlich zur 
Erhaltung und Vermehrung der städtischen 
Büchersammlung verwendet werden. 
Theils um zu verhüten, daß jemals eine Ver 
ringerung des Stiftungsvermögens zu besor 
gen stehe, welche aus etwaigen Kapitalver 
lusten durch unvorhergesehene unglückli 
che Zufälle erwachsen könnte, wenn nicht 
im Voraus für deren Ausgleichung gesorgt 
wäre, theils um eine allmählige Vergröße 
rung desselben heranzuführen, damit die 
städtische Bibliothek sich im Stande befin 
de, mit den Fortschritten der Wissenschaf 
ten bei allen gebildeten Völkern stets glei 
chen Schritt halten zu können, soll ein Re
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.