Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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Der Sohn Kurfürst Wilhelms II., Friedrich 
Wilhem I., war seit 1831 Mitregent und von 
1847 bis 1866 der letzte Kurfürst von Hessen. 
Er ließ, wie 1806 sein Großvater Wilhelm 1., 
Kurfürst von Hessen 1803-1821, Friedrich 
Murhard 1844 wegen eines gegen den Staat ge 
richteten Artikels verhaften. 
Bildausschnitt aus einem Litho. GhB.LMB 
Testamentes verständlich, wonach 
die Murhardsche Bibliothek stets 
selbständig sein solle. Die Einver 
leibung Kurhessens in das König 
reich Preußen 1866, die Umstruktu 
rierung der staatlichen Landesbi 
bliothek Kassel zur ständischen 
Landesbibliothek Kassel 1868 wa 
ren nicht vorherzusehen. Die im 
Testament gemachten Koopera 
tionsaussagen mit der Landesbi 
bliothek konnten andererseits, aus 
politischen Rücksichten, nicht be 
wußter ausgesprochen werden. 
Die Stiftung trat mit dem Tode 
des längstlebenden Bruders Karl 
Murhard am 8. Februar 1863 in Kas 
sel nach Annahme der Stiftung 
durch die Stadt Kassel in Kraft. 
Um das Testament in seinen 
vielfältigen Aussagen bekannter zu 
machen, ist es in diesem Werk un 
ter Abprüfung mit einer beglaubig 
ten Kopie aus dem Jahre 1854 er 
neut abgedruckt. 
II. Die Murhardsche Stiftung 1863 
bis 1988 
Das Stadtratsmitglied Engelhard 
Friedrich Grimmei (1796-1866) 
übernahm in enger Zusammenar 
beit mit dem Letztlebenden der 
1845 benannten Testamentswäch 
ter, Dr. Karl Bernhardi, den Mur- 
hardschen Nachlaß im Auftrag des 
Oberbürgermeisters der Residenz, 
Heinrich Wilhelm Hartwig ( | L 
März 1863). Oberbürgermeister 
Heinrich Hartwig und sein Nach 
folger, Oberbürgermeister Fried 
rich August Wilhelm Nebelthau (f 
31. Juli 1875), dürften die ersten 
Schritte der neuen Stiftung beson 
ders aufmerksam verfolgt haben, 
waren beide doch von den Brüdern 
Murhard 1845 bereits als Testa 
mentswächternachfolger benannt 
worden. Am 17. Februar 1863 wurde 
Friedrich Grimmel zum „Spezial 
administrator” der Murhardschen 
Stiftung bestellt. 
Die Vermögensübernahme war 
schwierig. Bernhardi, der offen 
sichtlich auch Nachlaßverwalter 
war, mietete dazu bis Michaelis 
1863 (29. 9.) eine der beiden Erdge 
schoßwohnungen im Landhaus der 
Murhards, der Besitzung Nr. 98 an 
der Wilhelmshöher Allee in Wehl 
heiden (später Nr. 50, dann Nr. 62 
der Wilhelmshöher Allee). Aus der 
Vermögensmasse war zunächst das 
Berthold Murhardsche Familien- 
benefizium herauszutrennen. Er 
wähnt wird die Auszahlung an Ver 
wandte aufgrund eines früher er 
folgten gemeinschaftlichen Erb 
schaftsanfalls. Karl Murhard hatte 
schließlich 1.000 Taler einem Leut 
nant Wittich als Legat sowie seiner 
Haushälterin Elisabeth Berger bis 
zum Ableben eine jährliche Unter 
stützung von anfangs 120 Talern zu 
Lasten der Stiftungskasse ver 
macht. 
Durch den Erbschaftsantritt ge 
langte die Stadt in das Eigentum 
folgender Grundstücke: 
1. Besitzung Nr. 98 an der Wil 
helmshöher Allee, bestehend aus 
Haus, Blumen-, Obst- und Grasgar 
ten, nebst den hinter dem Grasgar 
ten gelegenen, bis auf die Querallee 
stoßenden Ländereien, zusammen 
ein Areal von ca. 10 Ackern 
2. Garten im Seilerweg, 11/4 Acker 
7 Ruten groß 
3. Ideelle Hälfte eines 3/4 Acker 17 
Ruten großen Landstückes, auf die 
Struthbach und Holländische Stra 
ße stoßend 
4. Wiese auf den Schwanenwiesen 
vor dem Leipziger Tor, 21/4 Acker 1 
Rute groß 
5. Wiese bei der Ölmühle vor dem 
Leipziger Tor, 3 3/4 Acker 22 Ruten 
groß 
6. Wiese im Höllenwerder vor dem 
Leipziger Tor, 13/4 Acker 19 Ruten 
groß
	        

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