Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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und befolgt werden. Namentlich hat er auch 
dafür Sorge zu tragen, daß das im § 26 unse 
rer Testaments Acte von 1845 genannte Col 
legium von Vertrauensmännern als perma 
nenten Testamentswächtern fortdauernd in 
Wirksamkeit verbleibe. 
Dem Stadtrathe ist er zur Rechenschaft 
über seine Amtsführung verpflichtet. Die 
Instructionen für seinen Geschäftsbetrieb 
empfängt er von dieser ihm Vorgesetzten 
Behörde. Bei Angelegenheiten von Wich 
tigkeit und in besonderen Fällen hat er von 
derselben die Weisungen und Entscheidun 
gen einzuholen. Alljährig erstattet er regel 
mäßig einen Generalbericht über seine Ge 
schäftsführung, über die Lage unserer von 
ihm administrirten Stiftung und den zeiti 
gen Zustand ihrer Fonds, entweder unmit 
telbar an den gesammten Stadtrath oder an 
ein von diesem aus seiner Mitte bestelltes 
besonderes Comite für die Angelegenhei 
ten gedachter Stiftung. 
Es liegt am Tage, daß die möglichst gute 
und passende Wahl eines thätigen und intel 
ligenten Mannes für diese Stelle, eines 
Mannes, der zugleich mit Liebe seinen Be 
ruf erfüllt, von ungemeiner Wichtigkeit ist; 
sowohl für die Erhaltung und Blüthe unse 
rer Stiftung, als für das Gedeihen der durch 
diese zu gründenden Institute. 
Wir wollen darum, daß demselben eine, 
seiner Mühewaltung angemessene Renu- 
meration aus den Revenuen unseres Stif 
tungsfonds, vom Stadtrathe bewilligt wer 
de. 
Die Geschäfte des Vorstehers der Ver 
waltung unserer Stiftung werden haupt 
sächlich in der Sorge für die Erhaltung des 
ursprünglichen Kapitalvermögens dersel 
ben und dessen Vergrößerung auf die in un- 
serm Testamente angedeutete Weise und in 
der Administration der Grundstücke unse 
rer Hinterlassenschaft bestehen. Diese Ge 
schäfte werden wenigstens anfänglich und 
bis zu dem Zeitpunkt, worin unsere Stiftung 
zur Erfüllung ihrer Zwecke factisch ins Le 
ben tritt und verwirklicht wird, nicht so be 
deutend und zeitraubend sein, um die ganze 
und volle Thätigkeit eines Mannes in An 
spruch nehmen zu können. Sie dürften sich 
daher auch für den Anfang mehr zu einer 
bloßen Nebenstelle des dazu Berufenen eig 
nen, wie solches bei den Directionen ande 
rer hiesigen pia corpora der Fall ist. Der dem 
speciellen Vorstande unserer Stiftung aus 
zuwerfende Gehalt wird jedenfalls in gehö 
rigem Verhältniß zur Größe der ihm über 
tragenen Arbeiten und Leistungen zu ste 
hen haben und späterhin mit deren Ver 
mehrung vergrößert werden können. 
Dem Stadtkämmerer, der die Stiftungs 
gelder unter seinem Verschluß bewahrt, de 
ren Einnahme und Ausgabe besorgt und 
ebenfalls dem Stadtrathe Rechenschaft 
schuldig ist, über seine Geschäftsführung in 
dieser Beziehung, mag eine Vergütung für 
seine Bemühung durch Beziehung be 
stimmter Procente von seiner Einnahme zu 
gestanden werden. 
Ebenso wird es als billig zu erachten sein, 
daß noch andere der städtischen Behörde 
angehörige Personen, die zu Geschäften 
oder Diensten in Sachen unserer Stiftung 
verwendet werden wie z.B. Schreiber und 
Expedienten aus den Intraden der letzteren 
belohnt werden. Die Anschaffung des 
Schreibmaterials zu diesem Behuf wird 
gleichfalls dem städtischen Aerarium aus 
den Stiftungsgeldern zu ersetzen sein. 
Auch den im § 26 unseres Testaments ge 
dachten Exekutoren desselben, die zu be 
ständigen Hütern einer treuen Vollziehung 
der darin enthaltenen Vorschriften und zu 
Vertretern der Interessen unserer Stiftung 
in vorkommenden Fällen bestimmt sind, 
kann eine Gratification aus dem Einkom 
men des Stiftungsfonds zu Theil werden, 
falls sie eine solche in Anspruch nehmen 
wollen. Was wir von dem Collegium dieser 
unserer Testamentsexecutoren verlangen, 
ist eigentlich nichts weiter, als die Handha 
bung einer Art fortdauernder Controle der 
städtischen Administration unserer Stif 
tung, damit diese stets nach den Vorschrif 
ten und Bestimmungen unserer Letztenwil- 
lens-Akte zu Werke gehn. Wir haben aber 
das Zutrauen zu der städtischen Behörde, 
daß dieselbe schon ohne eine solche Con 
trole für die Erfüllung unseres letzten Wil 
lens und das Beste unserer Stiftung als Ei 
genthums der Gemeinde Sorge tragen wer 
de. Auch ist es keineswegs unsere Absicht, 
daß das oben erwähnte Collegium von be- 
sondern, außerhalb der Stadtbehörde ste 
henden Vertrauensmännern bei der 
Uebung seiner Controle so weit gehe, sich 
mit dem Detail der Stiftungsverwaltung zu 
befassen, über welche dem Oberbürgermei 
ster der Stadt mit Beirath des Stadtraths die 
Oberaufsicht zusteht. Vielmehr möge jenes 
Collegium seine Wirksamkeit hauptsäch 
lich darauf beschränken, über die Erhaltung 
des Stiftungs-Vermögens im Ganzen und die 
Verwendung von dessen Einkommen in 
Gemäßheit unseres Testaments im Allge 
meinen zu wachen. Es wird sonach die Thä 
tigkeit dieser Testaments-Vollstrecker mehr 
den Character eines Ehrenamts, dem sie 
sich von Zeit zu Zeit aus Motiven der Ge 
meinnützigkeit widmen, als den eines von 
ihnen eines pekuniären Vortheils halber 
übernommenen Geschäfts an sich tragen. 
Hinreichende Geldmittel zur Bestrei 
tung der in diesem Artikel I des gegenwärti 
gen Codicills aufgeführten Ausgaben kön 
nen, ohne im mindesten den Grundstock 
unserer Stiftung zu berühren, mittelst der 
im § 7 unseres Testaments vom 5ten Juni 
1845 angeordneten Creirung von Separat 
fonds geschaffen werden. Damit nicht das 
in Gemäßheit des § 6 jener Urkunde zum 
Zweck der künftigen Errichtung des Biblio 
theksgebäudes zuerst angesammelte Kapi 
tal bis zu dem Eintritt des Zeitpunctes für 
den vorzunehmenden Bibliotheksbau 
müßig liegen bleibe, werden mittlerweile ei 
ne Zeitlang auch die Zinsen dieses Kapitals 
zur Beschleunigung der Bildung gedachter 
Separat-Fonds benutzt werden können. 
Um übrigens kein Mittel unbeachtet zu 
lassen, welches geeignet scheint, unserer 
Stiftung Garantien für deren unserem Letz 
ten Willen gemäßen Aufrechthaltung für al 
le Zukunft zu verschaffen, haben wir noch 
zuletzt hier einen Wunsch hinzuzufügen. 
Da es nämlich vorfallen könnte, daß viel 
leicht das im § 26 unseres Testaments ge 
dachte Collegium der Testamentsvollzieher 
nicht jederzeit seine Bestimmung erfüllte 
und der hiesigen Provinzialregierung ohne 
hin gesetzlich die Obhut über die pia Corpo 
ra und gemeinnützigen Stiftungen in ihrem 
Bezirke zusteht, so wünschen wir, daß eine 
Abschrift unseres Testaments und dieses 
Codicills der genannten Staatsbehörde mit-
	        

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