Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

140 
Das vorliegende Codicill enthält acht 
Zusätze oder Supplementär Artikel zu un 
serer Testaments Acte vom 5. Juni 1845, die 
theils als Ergänzung derselben, theils als Er 
läuterung unserer Letztenwillensmeinung 
angesehen und beachtet werden sollen. 
Artikel I. 
Um der städtischen Verwaltung unserer 
Stiftung einen möglichst einfachen, regel 
mäßigen und prompten Geschäftsgang zu 
sichern, wird der Stadtrath zu Cassel entwe 
der aus seiner Mitte oder auch außerhalb 
des Kreises des zeitigen Personals der städ 
tischen Behörde unter den Ortsbürgern ei 
nen, sowohl mit der gehörigen Geschäfts- 
kenntniß und Einsicht als mit Lust zu ge 
meinnütziger Thätigkeit ausgerüsteten 
Mann erwählen, der unter seiner (des Stadt 
raths) Oberaufsicht speciell jener Verwal 
tung vorzustehen ermächtigt wird. 
Diesem Vorstande oder Dirigenten der 
Administration unserer Stiftung wird als 
dann die Besorgung und Leitung der auf 
dieselbe bezüglichen Angelegenheiten an 
zuvertrauen sein. Zu dessen Hauptgeschäf 
ten wird die Verwaltung des Stiftungsver 
mögens und die Verwendung der daraus 
fließenden Einkünfte nach den in unserem 
Testamente als der Stiftungs-Urkunde ent 
haltenen Vorschriften gehören. 
Bei der Verwaltung der Fonds unserer 
Stiftung sind im Allgemeinen die Regeln zu 
befolgen, welche bei der Verwaltung des 
Vermögens der hiesigen milden Stiftungen, 
der Wittwenkassen, der Sparkassen und an 
derer gemeinnütziger Institute beobachtet 
werden. Bei der Ausleihung von Kapitalien 
ist stets mehr auf möglichst große Sicher 
heit als hohen Zinsenertrag zu sehen. - Bei 
Darleihen auf Häuser und Grundstücke 
müssen die zu verschreibenden Hypothe 
ken zum Mindesten das Doppelte des zeiti 
gen Kaufpreises derselben betragen. Zur 
Prüfung der erforderlichen Sicherheit sol 
cher hypothekarischen Verbriefungen ist je 
desmal zuvor der die Functionen eines städ 
tischen Rechts-Consulenten oder Syndikus 
versehende Rechtsgelehrte zu Rathe zu zie 
hen. 
Der obengedachte, vom Stadtrathe er 
wählte und bestellte Vorsteher der Admini 
stration der Fonds unserer Stiftung erläßt 
die Zahlungs-Verfügungen an den Stadt 
kämmerer als Schatzmeister unserer Stif 
tung. Ihm liegt zugleich ob, darüber zu wa 
chen, daß alle in unserem Testamente ge 
troffenen Anordnungen genau beobachtet
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.