Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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Schnurre, Thilo, Dr. phil. 
1. Oktober 1912 bis 1. Oktober 1952. 
Thilo Schnurre wurde am 24. 
Mai 1884 in Osten, Provinz Hanno 
ver, als Sohn des späteren Amtsge 
richtsrats Albert Schnurre und sei 
ner Ehegattin Ottilie, geb. Meier, 
geboren. 39 ) 1887 kam er mit der Fa 
milie nach Netra und 1888 nach 
Gelnhausen. Thilo Schnurre be 
suchte das Gymnasium in Büdin 
gen und legte dort Ostern 1904 sei 
ne Reifeprüfung ab. Er studierte 
Geschichte, deutsche Sprache und 
Literatur und Religionswissen 
schaften in Marburg und in Frei 
burg im Breisgau. Im Mai/Juni 1910 
bestand er sein Staatsexamen, und 
am 19. August 1912 promovierte er 
in Marburg zum Dr. phil. 
Am 1. Oktober 1912 trat er als Vo 
lontär seinen Dienst bei der Mur- 
Dr. phil. Thilo Schnurre (1884-1959). Aufnah 
me 1954 zum 70. Geburtstag 
Foto Privatbesitz 
hardschen Bibliothek an und blieb 
seiner Bibliothek, mehr als jeder 
andere, über 40 Jahre treu. Am 1. 
Juli 1913 wurde Thilo Schnurre wis 
senschaftlicher Hilfsarbeiter und 
am 1. April 1918 Bibliothekar. 
1. April 1927 erhielt er die Berufsbe 
zeichnung Bibliotheksrat. Am 25. 
Dezember 1926 heiratete Thilo 
Schnurre Karoline Peine aus Liebe- 
nau. Thilo Schnurre starb am 14. 
Juni 1959 kurz nach seinem 75. Ge 
burtstag in Kassel. 
Als der Bibliotheksdirektor 
Georg Steinhausen 1933 starb, 
konnte Thilo Schnurre davon aus 
gehen, daß er als Nachfolger auser 
sehen sei. Die politischen Umstän 
de ergaben, daß Dr. Hermann Haar 
mann aus Gründen, die damals ver 
mutlich nur sehr wenige wußten 
oder wissen wollten, dieses Amt er 
hielt, wenn auch wohl „lediglich 
ehrenhalber”, wie in einem Brief an 
Thilo Schnurre mitgeteilt wurde. 
Als Haarmann 1938 plötzlich ver 
starb, wurde Thilo Schnurre kom 
missarisch mit der Leitung betraut, 
die er faktisch auch unter Haar 
mann hatte. Am 1. April 1939 wurde 
er auch offiziell zum Direktor der 
Bibliothek ernannt. Am 1. Oktober 
1952 wurde er offiziell in den Ruhe 
stand versetzt, blieb aber seiner Bi 
bliothek weiterhin verbunden und 
wurde im Herbst 1953 mit einer gro 
ßen Feier verabschiedet. Im Au 
gust 1957 erhielt er das Bundesver 
dienstkreuz und im Mai 1959 die 
Carl-Schomburg-Medaille für be 
sondere Verdienste um die Stadt 
Kassel verliehen. 
Thilo Schnurre hat entscheidend 
die Murhardsche Bibliothek und 
deren Katalogwesen geprägt. 40 ) Er 
vermittelte die Arbeitsatmosphäre, 
von der alle Bibliothekare, die mit 
ihm zusammengearbeitet haben, 
heute noch ins Schwärmen gera 
ten. Der Benutzer war die wichtig 
ste Person. Daß diese zum Teil mit 
skurrilen Fragen und Wünschen 
kamen, hat er in einem Aufsatz aus 
dem Jahre 1941 beschrieben. Thilo 
Schnurre hat sich wiederholt neben 
seiner Bibliothek literarisch betä 
tigt. In einer Laudatio zu seinem 
75. Geburtstag in der „Kasseler 
Post” wird von über 100 „Skizzen, 
Aufsätzen und Abhandlungen” in 
Zeitschriften und Zeitungen ge 
sprochen. Nur ein kleiner Teil 
konnte ermittelt werden. Seine Lie 
be galt neben der Bibliothek den 
Vögeln, wie auch die Titel verraten. 
Schnurre, Thilo. Die württember- 
gischen Abgeordneten in der 
konstituierenden deutschen Na 
tionalversammlung zu Frankfurt 
am Main. Mit einem Anhang: 
Niebour. Biographisches über 
diesen Abgeordneten. Stuttgart 
1912. Darstellungen aus der würt- 
tembergischen Geschichte. 
Hrsg, von der württembergi- 
schen Kommission für Landes 
geschichte. Bd. 9. Marburg, Phil. 
Diss. vom 19. August 1912. 
- Ludwig Uhland. Ein schlichtes 
Gedenkwort. In: Kreis-Blatt. 
Amtlicher Anzeiger für die Stadt 
und den Kreis Gelnhausen. Bei 
lage zu Nr. 137. Vom 14. Novem 
ber 1912. (Nachdruck aus: Tür 
mer)
	        

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