Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

München im Jahre 1857 konnte von 
der Universität München nicht be 
stätigt werden. Nach dieser Aus 
kunft ist Karl Altmüller nur im 
Wintersemester 1855/56 als stud. 
jur. registriert. 9 ) 1858 bestand er die 
Referendarprüfung in Kassel. 1859 
und bis Februar 1860 war er Heraus 
geber der Wochenschrift „Wi 
gand’s Telegraph”. 10 ) Dann ging er 
für einige Zeit nach Leipzig zu ei 
nem Verwandten, um in dessen 
Handelsgeschäft einzutreten. Er 
sollte es eventuell später einmal 
übernehmen. Spätestens im Sep 
tember 1864 war er wieder in Kas 
sel, da er zu diesem Zeitpunkt Ma 
thilde Laura, geh. Arnold, heirate 
te. Am 2. Dezember 1865 wurde das 
einzige Kind, der Sohn Hans, ei 
gentlich Johann Peter Ludwig, in 
Kassel geboren. 
Karl Altmüller trat nun in den ju 
ristischen Vorbereitungsdienst 
beim Obergericht in Kassel, erhielt 
aber erst bei der „preußischen Ok 
kupation 1866 eine Anstellung”. n ) 
Er wurde 1868 Sekretär des Staats 
archivs und ging mit diesem am 25. 
April 1870 nach Marburg. Bereits 
am 22. März 1871 kehrte er nach 
Kassel zurück und wurde wahr 
scheinlich von Dr. Karl Bernhard! 
„zur Assistenz bei den Geschäften 
der hiesigen Landesbibliothek be 
rufen.” 12 ) Vermutlich im Dezember 
1872 übernahm er die Leitung der 
zu gründenden Murhardschen Bi 
bliothek, die bis dahin von Dr. Karl 
Bernhard! geleitet worden war und 
der Karl Altmüller als seinen Nach 
folger wünschte. Im Jahre 1873 pro 
movierte Karl Altmüller in Jena 
zum Dr. phil. 13 ) „Bereits im Jahre 
1873 wurde der damalige Bibliothe 
kar Dr. Altmüller auf Beschluß des 
Stadtraths zur Besichtigung der Bi 
bliotheken nach Cöln, München 
und Wolfenbüttel gesandt, damit er 
demnächst die dort gesammelten 
Erfahrungen beim Entwurf eines 
Bauprogramms verwerthe.” 14 ) Karl 
Altmüller kehrte von dieser Reise 
mit der Gewißheit zurück, daß das 
vorhandene Vermögen zu einer Bi 
bliotheksgründung, wie es die Brü 
der Murhard vorgeschrieben hat 
ten, noch nicht ausreichen würde 
und schlug vor, die Bibliothek be 
reits jetzt zu eröffnen und den vor 
gesehenen Bau um einige Jahre zu 
verschieben. Im Februar 1874 wur 
de die Murhardsche Bibliothek, 
entgegen der testamentarischen 
Verfügung, der Öffentlichkeit zu 
gänglich. 
Neben seiner bibliothekarischen 
Tätigkeit fand Karl Altmüller Zeit 
und Muße, sich literarisch zu betä 
tigen. Aber auch durch Vorträge 
und als Dramaturg des Kasseler 
Hoftheaters beeinflußte er das kul 
turelle Leben Kassels nachhaltig. 15 ) 
Nachdem er eine Reise unternom 
men hatte, die ihn nach Süd 
deutschland führte, 16 ) starb er ganz 
plötzlich am 23. September 1880 in 
Kassel. 
Den älteren Bürgern Nordhes 
sens dürfte er vor allem durch sein 
mehrfach vertontes Gedicht „In 
der Fremde” mit Anfang 
„Ich weiß ein teuer wertes Land, 
mein Herz ist zu ihm hingebannt, 
Ich kann es nimmermehr verges 
sen, 
Das liebe Land der blinden Hes 
sen. ” 
bekannt sein, das in früheren Jah 
ren so etwas wie das Lied der Hes 
sen gewesen sein muß. 
Eine ausführlichere Bibliogra 
phie als die in „Goedekes Grundriß 
zur Geschichte der deutschen 
Dichtung” 17 ), kann hier nicht gege 
ben werden, da der Nachlaß aus 
zeitlichen Gründen noch nicht ge 
sichtet werden konnte. Die bei 
Goedeke von Philipp Losch gege 
bene Zusammenstellung ist auf je 
den Fall ergänzungsbedürftig. Eine 
kleine Ergänzung mag hier schon 
angefügt sein, wobei „Wigand’s Te 
legraph” aus dem Jahre 1859 nicht 
ausgewertet werden konnte. 
Altmüller, Karl. Über Theaterkri 
tik. In: Wigand’s Telegraph, 
Cassel 1860, S. 49-56. 
- Ein verspäteter Brief aus Klein- 
Paris. Leipzig, den 9. August 
1860. In: ebd. Cassel 1860, S. 489- 
494. 
- Erstes und zweites Bücherver 
zeichnis der von Dr. Friedrich 
Oetker gestifteten städtischen 
Volksbibliothek zu Kassel. Mai 
1876 und August 1880. Kassel 
1876/80. (aus: Murhardschem 
Kapselkatalog. Vermutlich Ver 
lust.) 
- Unbekannte Gespräche Scho 
penhauers aus seinen letzten Le 
bensjahren. Gespräch mit dem 
Schriftsteller Karl Altmüller. 8. 
September 1860. In: Süddeut 
sche Monatshefte. 27. Jg. April 
1930. Heft 7. S. 453-456. 
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