Full text: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek

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sind kaum einzeln faßbar, da es sich 
um ein Gemeinschaftswerk han 
delt, dem jeder zuarbeitet; letztere 
lassen sich zwar eindeutig zuord 
nen, wenn auch nicht immer rest 
los ermitteln-, ein klein wenig nä 
her charakterisieren. Dies alles ist 
aber, bezogen auf die ganze Person, 
doch sehr wenig. Was diese Men 
schen, hier die Bibliothekare, ge 
dacht, gefühlt, erlitten haben, wel 
che Freuden sie anderen Men 
schen durch ihre Tätigkeit, durch 
ihr konkretes Handeln und Helfen 
gemacht haben, ja selbst ihre Wir 
kung, die sie durch die Auswahl der 
anzuschaffenden Titel hatten, all 
dies bleibt im Hintergrund, kann 
nicht erfaßt, beschrieben, geschil 
dert werden. Dies möge man beim 
Lesen der weiteren Ausführungen 
immer vor Augen haben. Kann 
doch die Aufzählung der Lebens 
und Berufsdaten, der literarischen 
Veröffentlichungen - soweit der 
berufliche und private Alltag dafür 
überhaupt Zeit und Muße zuließ -, 
nur wenig über den Menschen, der 
hinter dieser aufzählenden Be 
schreibung verborgen ist, aussa- 
gen. 
Wer war nun in der Zeit zwi 
schen 1863/1874 und 1957 als wis 
senschaftlicher Bibliothekar an der 
Murhardschen Bibliothek, sei es als 
Volontär, als Referendar, wissen 
schaftlicher Hilfsarbeiter, Biblio 
thekar, Bibliotheksrat oder Leiter/ 
Direktor der Bibliothek tätig? Bei 
der Erfassung der wissenschaftli 
chen Bibliothekare wurde ver 
sucht, Vollständigkeit zu errei 
chen. 6 1 Ob es gelungen ist, insbe 
sondere alle Volontäre zu erfassen, 
mag dahingestellt sein. Gleiches 
gilt auch für die Verweildauer der 
Personen an der Murhardschen Bi 
bliothek. Hier gibt es noch Lücken, 
die sich vielleicht bei noch intensi 
verem Studium der Akten schlie 
ßen lassen. In der hier zur Verfü 
gung stehenden Zeit war dies nicht 
zu leisten. Ähnliches gilt auch für 
die biographischen Daten. 
Eine weitere Schwierigkeit war 
die Frage, welche Veröffentlichun 
gen der einzelnen Bibliothekare 
aufgenommen werden sollen. Voll 
ständigkeit konnte hier bei einigen 
schon wegen der Fülle der Veröf 
fentlichungen nicht angestrebt 
werden. Bei anderen, die nur kurze 
Zeit an der Bibliothek tätig waren 
und danach ihren Wirkungskreis 
außerhalb Hessens fanden, wurde 
deshalb nur die Literatur erfaßt, die 
spezifisch für Kassel (eventuell 
Hessen) von Bedeutung ist. Über 
alles muß das in der Pädagogik der 
letzten Jahre oft mißbrauchte Wort 
vom „Mut zur Lücke” stehen. 
Folgende wissenschaftlichen Bi 
bliothekare waren an der Murhard 
schen Bibliothek, in der Reihenfol 
ge ihres Dienstantritts, tätig: 
Bernhardt, Carl Christian Siegmund, 
Dr. phil, nach 8. Februar 1863 bis ? 
November 1872 
Auf eine Würdigung wird hier 
verzichtet. Die entsprechenden Le 
bensdaten und die Angaben über 
seine wissenschaftliche Tätigkeit 
können der in der Anmerkung 3 zi 
tierten Literatur entnommen wer 
den. 
Altmüller, Karl, Dr. phil. 
? 1872 bis 23. September 1880. 
Karl Friedrich Altmüllerwurde 
am 1. Januar 1833 als Sohn des Pfar 
rers Theodor Maximilian Altmüller 
und seiner zweiten Gattin Bernhar 
dine, geb. Beermann, in Hersfeld 
geboren. Sein Vater war wohl ab 
Dr. iur. Karl Altmüller (1833-1880) 
Foto GhB. LMB 
1840 Metropolitan in Melsungen, 
und nach dessen daselbst erfolgtem 
Tode 1850 zog die Witwe mit ihren 
Kindern nach Kassel. Karl Altmül 
ler besuchte hier das Friedrichs- 
Gymnasium und legte dort seine 
Reifeprüfung ab. Er studierte 
zuerst in Marburg Medizin, dann 
Rechtswissenschaft. In Berlin und 
München studierte er neben 
Rechtswissenschaft Philosophie 
und Literatur. Die in der Literatur 8 > 
erwähnte juristische Promotion in
	        

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