Full text: Beuchelt & Co.

notwendig, eine Verminderung der Belegschaft auf weniger als die Hälfte der früheren 
Arbeiterzahl unvermeidlich, und bei den spärlich und ungleichmäßig eingehenden Auf 
trägen lastet auf der Geschäftsleitung die dauernde Ungewißheit, ob und wie lange 
die jeweilige Belegschaft gehalten werden kann. Zwar ist durch das seitens der 
Reichsbahn auf mehrere Jahre verteilte Beschaffungsprogramm für rollendes Material 
eine gleichmäßige Beschäftigung der Abteilung Waggonbau in Aussicht gestellt, wo 
durch, wenigstens in beschränktem Umfange, eine ungefähre Gleichmäßigkeit der 
Beschäftigung für diese Werkstätten gesichert ist, doch reicht sie leider bei weitem 
nicht aus, um die Fabrikanlagen auszunützen und darin so viel Arbeitern Beschäftigung 
zu geben, als es früher möglich war. 
Der Abteilung Brücken- und Eisenhochbau konnte in noch weit geringerem Um 
fange in den lebten Jahren die Arbeit zugeführt werden, wie sie der Größe der Werk 
stätten mit ihren Einrichtungen entsprechen würde. Verringerung des bisherigen Ab 
satzgebietes in Auswirkung der politischen Grenzziehung, die im wirtschaftlich schwachen 
Osten in besonderem Maße vorhandene schlechte allgemeine Wirtschaftslage und das 
Fehlen einer gerade für Hochbaukonstruktionen wichtigen Privatkundschaft sind die 
Hauptursachen für den ständigen geringen Auftragsbestand in unserer Abteilung 
Brückenbau. Eine Besserung unter diesen Umständen erscheint aussichtslos, wenn 
nicht in letzter Stunde der Osten und seine Industrie eine wirkliche Unterstützung durch 
Zuweisung von Arbeiten erfährt, wie er sie seiner industriellen und politischen Be 
deutung nach fordern kann. 
Trotz Beschäftigungsrückgangs und mancher ungünstiger Bedingungen, unter denen 
oftmals die wenige Arbeit hereingenommen werden muß — es sei hier nur erinnert 
an den kleinen Umfang mancher Objekte oder die oftmalige Verteilung größerer und 
mittlerer Arbeiten auf verschiedene Werke zwecks Berücksichtigung mehrerer Werk 
stätten bei Zuweisung der Arbeiten —, hat unsere Abteilung Brückenbau stets Schritt 
gehalten mit allen Fortschritten und Errungenschaften der modernen Stahlbautechnik 
und arbeitet so ständig mit an der Fortentwicklung der technischen Wissenschaft. 
So hat die Herstellung hochwertiger Stähle Konstruktionsbüro und Werkstatt vor 
ganz neue Aufgaben gestellt, und die Einführung des elektrischen Lichtbogenschweiß 
verfahrens führte auch bei uns dazu, die entsprechenden Einrichtungen hierfür zu 
beschaffen und unser Personal mit der Schweißtechnik bekannt zu machen. Mit unter 
den ersten Arbeiten dieser Art führten wir Binder- und Stützenkonstruktionen für 
eine Halle aus, wobei wir die in dieser Hinsicht auftretenden Vorzüge des Schweiß 
verfahrens kennen lernten. Diese Dachbinder waren nach unserer Kenntnis zu dieser 
Zeit die weitgespanntesten Binder, deren Knotenpunkte nicht genietet, sondern ge 
schweißt waren. 
Im Jahre 1928 stand die Beamten- und Arbeitnehmerschaft zum zweiten Male an 
der Bahre des Werksleiters. Bereits nach 15 Jahren folgte Direktor Paul Henke dem 
Gründer der Firma, unter dessen Führung er bereits 30 Jahre hatte dem Werk dienen 
können, in den Tod. Vier Jahre des Krieges und darauf die schwere Zeit der Geld 
entwertung und des Rückganges an Arbeit verlangten die ganze Kraft eines Mannes, 
und wenn heute die Firma Beuchelt & Co. bei gesteigerter Leistungsfähigkeit in alter 
Form besteht, so verdankt sie dies der vorbildlichen Pflichttreue und dem ungewöhn-
	        

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