Full text: Beuchelt & Co.

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Mitarbeiter der Oberingenieur Paul Henke bestimmt. Als Sohn eines im Werk tätig 
gewesenen Beamten von Jugend auf für das Werk interessiert und in demselben 
praktisch ausgebildet, hatte er besonders in der Abteilung Brückenbau alle Arbeits 
gebiete erfolgreich bearbeitet und schon während der langen Krankheit von Georg 
Beuchelt diesen vertreten. Da bei der Vielseitigkeit der Firma die Arbeit für einen 
einzelnen zu umfangreich wurde, trat am 1. 1. 1924 Dr.-Ing. Hermann Fischmann 
als Direktor mit in die Leitung ein. 
Es kam der Krieg. Der größte Teil der Belegschaft wurde zur Fahne einberufen, 
und mit Frauen und Gefangenen wurde der Betrieb, so gut es ging, fortgeführt. In 
der Hauptsache verblieb das Werk bei der ihm eigenen Herstellung von Eisen 
konstruktionen und Waggons. Es wurden Kriegsbrücken gebaut und zerstörte Brücken 
wiederhergestellt. Die Abteilung Wagenbau lieferte insbesondere Güterwagen. Da 
neben wurden aber auch Munitionswagen und sonstiges Heeresgerät gefertigt. Als 
nach dem Kriege das völlig heruntergewirtschaftete rollende Material wiederher 
gestellt werden mußte, übernahm die Firma auch in großem Umfange die Instand 
setzung von Personen- und Güterwagen. 
Die Nachkriegszeit brachte für die Firma ebenso wie für alle anderen eine schwere 
Krise. Durch die politische Grenzziehung war ein großer Teil des bisherigen Absatz 
gebietes fortgefallen. Ebenso entfiel die Möglichkeit ausreichenden Bezuges von 
Walzeisen aus Oberschlesien. Die Einführung des StafTeltarifes, und zwar seine Aus 
dehnung auf die Verfrachtung von Fertigfabrikaten, also auch Eisenkonstruktionen, 
ermöglichte den westlichen Firmen ein weiteres Vordringen nach dem Osten, ohne 
daß umgekehrt den östlichen Firmen infolge der hohen Vorfracht, die für sie auf 
dem Bezüge des Walzeisens ruht, eine entsprechende Ausnutzung nach dem Westen 
gegeben war. Die Privatkundschaft, im Osten stets von untergeordneter Bedeutung, 
fiel jetzt beim völligen Daniederliegen der Wirtschaft ganz aus. So war cs natürlich, 
daß die Firma unter diesen Umständen gleich anderen an Umstellung und Aufnahme 
neuer Fabrikationszweige denken mußte, um dadurch Arbeit für die Belegschaft zu 
schaffen. Alle diese Versuche waren aber ohne Erfolg, oder sogar mit Verlusten 
verbunden, die auf die Dauer nicht tragbar waren. Wohl gelang es, in der neuen 
Abteilung Autobau einen sehr ansprechenden, leistungsfähigen 6/50 PS Gebrauchs 
wagen herauszubringen, der in seinen technischen Einzelheiten allen modernen An 
forderungen entsprach; doch der infolge der allgemeinen Wirtschaftslage damals ge 
sunkene Absatz in Automobilen, die Konkurrenz gleichartiger Auslandswagen und die 
der älteren deutschen Automobilfabriken, die bereits auf eine größere Fabrikation 
eingerichtet waren, vcranlaßtcn, den Autobau in diesem Umfange wieder einzustellcn. 
Trotz Aufgabe des Baues vollständiger Kraftfahrzeuge wurde jedoch die Herstellung 
von Karosserien für Autobusse mit Erfolg beibehalten, und verschiedene Aufträge von 
Stadtverwaltungen, der Rcichspost usw. verhelfen zu ergänzender Beschäftigung der 
Abteilung Wagenbau. 
So blieb die Firma lediglich auf ihren alten Hauptabnehmer, die Reichsbahn, 
angewiesen, und wenn auch deren fördernde und wohlwollende Unterstübung dank 
bar anerkannt wird, so reichten die zugewiesenen Bestellungen leider nicht aus, um 
die Belegschaft in voller Höhe weiterzubeschäftigen. Sehr scharfer Abbau wurde
	        

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