Full text: Irmenstraße und Irmensäule

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plata« Das Silber ist die weiße Erde, 
ärgeatum und *pyos weiß. Staub und Erde werden in 
der Poesie sowohl weiß, leuchtend, als im Gegensatz schwarz 
und dunkel genannt. 
Diese bloßen Beyspiele aus der unendlichen Sprache, in 
der nur e i n unablaßlich in einander greifendes Leben wohnt, 
so, daß jedes Wörtchen kettenweise zu dem höchsten führen 
Muß, 45) schließen sich theils an die vorhergehende Un 
tersuchung über die himmlische Straße an, theils aber 
müssen sie bey der folgenden über die irdische leiten. Wir 
haben also den Grund der Fabel von der Stroh und 
Milchstraße schon in der Einfachheit des Worts wieder ge 
funden. Die Straße ist eine weiße und lichte; der reinste 
und höchste Ausdruck des Weißen, denn die Dichtung 
wählt immer solche, mußte sich in der Milch offenba 
ren , die an sich eine ausgesprühte und gesogene war, in der 
Spreu oder dem Stroh, welchem gleichfalls der Glanz 
zukommt und das durch die wörtliche Berührung zwischen 
8tramen, Striem, stratum, Streue und Straße die Idee 
bestätigt. Unser Wort S t r aß e ist daher nicht einmal noth 
wendig aus dem verwandten via stratä der Römer ent 
sprungen ; Gaße, Gate scheinet theils zu gehen, gangen 
behörig, theils zu gießen, gieten, fließen, wie rue (Rennweg) 
vermuthlich zu ruere, rinnen. Das nord. leid ist gleich 
falls nahverwandt mit lid a (leiten) in der anfangs neu 
tralen Bedeutung von gehen und reisen. Der Name der 
Vergleichungen wie Blatt und7rX«rvr, platt, oder 
folium und solid (Feld, Erde) scheinen kühner als 
sie sind. In beyden sind die Ideen: grün und breit. 
45) An sich sind alle und jede Wörter nur eins; es 
kommt darauf an, die Kette nachzuweisen.
	        

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