Full text: Irmenstraße und Irmensäule

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 221 
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goldene Milchtrank, von der erhabenen indischen Vor 
stellung bis auf den heutigen Aberglauben von den im 
Paradis fließenden Milch und Honig und dem M i l ch- 
und Lebermeer zusammen. Merkwürdig ist auch, daß alle 
Milch enthaltende Pflanzen unter dem Einfluß der Milch 
straße wachsen sollen. 22) 
Im Christenthum nahm die Idee wieder eine neue 
Wendung. Wie bey den Orientalen der Begriff von 
Spreue, bey den Griechen der von Milch, so herrschte 
nunmehr der von einer himmlischen Wanderstraße 
vor. Eigentlich ist die Vorstellung schon den Alten nicht 
fremd, es war die Straße, worauf die seligen Göt 
ter zur Wohnung des Zeus geleitet wurden, worauf ta 
pfere Helden und Männer in das Haus der Seligen ge 
hen. 23) Also Straße der Seelen. Denn die aus 
der sterblichen Hülle entbundenen Geister werden nothwen 
dig als ausschwebende, in die Höhe fliegende, wan 
dernde dargestellt, eben darum kommt ihnen eine 
Straße'zu. Aber auch die weiße Farbe liegt hier 
ganz nah. Die Seligen tragen ein weißes, reines Ge 
wand, sie schweben auf der weißen Insel (Leuke), wie 
im Paradise einher, 24) sie fliegen auf in der Gestalt 
22) Oermanie. cap« 4«. 
23) So Plato. Auch Cicero sonnn. Scip. und Övid* met* 
1. 168. 
est via sublimis cöelo manifesta sereno 
läctea nomen habet, candore notabilis ipso, 
bac iter est superis ad rrtagni tecta tonantis 
regalemque domum. 
24) Kanne Panth. 141. 149. Nach einer anderen astro 
nomischen Deutung ließ man die Seelen bey einer 
Thüre am Zeichen des Krebses aus- und durch eine 
VovJ&ff 4ö fuu) 44-
	        

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