Full text: Über Schule, Universität, Academie

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 218 
34 Jacob Grimm 
grofsen mann und einen grofsen könig zu feiern, deren werke und thaten 
unversiegenden grund des preises darbieten. 
Mit recht sind diese festtage öffentlich, denn aufserdem soll und kann 
die academie nicht populär werden in dem sinn, dafs sie die feinsten spitzen 
ihrer Untersuchung abzubrechen hätte einem gemischten und mittleren Ver 
ständnis zu gefallen, das ohne innern beruf vorlaut sich gern heran drängt. 
Die Wissenschaft hat kein geheimnis und doch ihre heimlichkeit, sie mag 
nicht oft auf der grofsen heerstrafse weilen, sondern lieber sich in alle wege, 
pfade und steige ausdehnen, die ihr neue aussichten öfnen, wo ihr jedes 
geleit zur last wird, in der ebene treibt sich das gewühl der menge, anhöhen 
und berge werden immer nur von wenigen erklommen. Erfolglos haben 
wir darum, wie mich bedünkt, einem unbefugten verlangen statt gegeben 
und stüle gestellt, auf welche der staub sich nieder setzen kann, weil sie von 
niemanden eingenommen werden. In die hörsäle der Universität mag jeder 
gast unangemeldet eintreten, der academischen beschäftigung sollten nur die 
jedesmal eingeführten dürfen beiwohnen. Dagegen unterscheidet von der 
Universität die academie sich auch darin, dafs sie mit dem entlegensten aus- 
land fördernden verkehr und austausch unterhält, zumal sind es astronomie 
und naturforschung die so weit in die ferne reichen müssen, dafs sie das 
Vaterland ganz aus dem äuge verlieren, geschichte und philologie, obschon 
auch ausholend, versäumen die heimat am wenigsten. 
Hiermit ist die eigentliche und innere thätigkeit der academie an sich 
selbst umschrieben; es pflegen aber noch zwei andre Wirksamkeiten vorzugs 
weise von ihr auszugehn, denen ein ausgezeichneter werth nicht abgesprochen 
werden kann. Einmal werden wissenschaftliche reisen oder kostspielige 
gröfsere werke einzelner gelehrten durch ihre geldmittel unterstützt und her 
ausgegeben, dann aber über schwierige fragen der Wissenschaft preise gestellt 
und den siegreichen bewerbern zuerkannt. Es scheint an sich angemessen 
und ist auch althergebracht durch solche preise die aufmerksamkeit auf un- 
erhellte und mühsam erforschbare puncte der einzelnen Wissenschaften zu 
leiten und deren beseitigung zu veranlassen, man wird gleichwol academische 
strengwissenschaftliche preisaufgaben unterscheiden müssen von den auch 
auf der Universität dem Wetteifer der jünglinge ausgesetzten, bei welchen es 
noch mehr auf deren Übung als auf den gegenständ selbst abgesehen ist, wenn 
schon diesem dadurch oft ein unerwarteter dienst geleistet wird. Preisfragen
	        

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