Full text: Über Schule, Universität, Academie

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Jacob Grimm 
academie im voraus langsam den tag nahen, an welchem ihm einmal, höch 
stens zweimal jährlich auferlegt ist eine umfassendere abhandlung vorzutra- 
gen, während ihm unbenommen bleibt mit minder ausgearbeiteten, kleineren 
in jeder wöchentlichen Zusammenkunft aufzutreten. Allen abhandlungen 
aber, da sie gar nicht lehrhaft und populär sein sollen, gebührt streng wis 
senschaftliche form, wobei nicht einmal auf verständlichmachung der gegen 
stände für die verschiedenen classen der academie selbst bedacht zu nehmen 
ist. Zu ihrem nicht geringen nutzen erfahren nemlich die mitglieder, dafs 
auch an fremdliegenden stoffen mindestens durch das beispiel der behand- 
lung zu lernen sei und allenthalben früher nicht geahnte analogien sich er 
geben können. Vorträge, die unter den gefrierpunct der aufmerksamkeit 
fielen, sind darum fast nicht denkbar, oder es wäre ein Zeichen, dafs sie 
völlig fehlgegriffen hätten. Keinen bestimmten academischen Stil gibt es, 
nur einen solchen der in die sache dringt, und alles rhetorische wird eben 
dadurch ferngehalten, dafs ein ruhiges vorlesen beinahe druckfertiger ab 
handlungen wenigstens die regel bildet. 
Als die gelungensten erscheinen solche Vorlesungen, welche nicht in ein 
bereits ausgedachtes werk sich fügen, oder ein schon bekannt gemachtes blofs 
ergänzen, vielmehr keime neuer, künftiger werke in sich tragen oder reiches 
material zu wissenschaftlichem gebrauch fruchtbar darlegen. Unacademisch 
hingegen würde es sein als beitrag zu entrichten was ohnehin in fertigen bü- 
chern bald heraus zu kommen bestimmt ist, es sei denn dafs durch dessen 
Vorlage einzelne erhebliche betrachtungen auf die wage gelegt oder geschärft 
werden sollen. 
Sich wenigstens wöchentlich zu versammeln hat sich als nothwendig 
bewährt, damit die theilnahme in längeren fristen nicht erkalte und raum für 
die manigfaltigkeit der vorträge gewonnen werde, die bei seltneren Zusam 
menkünften zurückstehn oder allzulangen aufschub erfahren müsten. 
Aus derselben Ursache und um mit dem publicum in regere berührung 
zu treten oder die schon eingetretne für die academie selbst nicht veralten 
zu lassen scheint auch eine unausgesetzte schnelle herausgabe der academi 
schen abhandlungen wünschenswerth; dafs sie in dem jahr, wo sie gelesen 
werden, erfolgen kann, zeigt uns England, unabhängig von der bleibenden 
güte solcher abhandlungen steigt in ihnen, wie bei eingegossenem getränk 
ein augenblicklicher schäum ihrer geistigsten bestandtheile auf, den es zu
	        

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