Full text: Über Schule, Universität, Academie

über schule Universität academie. 
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chemie; allein der sie ausübende arzt unterscheidet sich von dem wissen 
schaftlichen naturforscher, wie das Studium der anatomie weit über den 
bedarf des Chirurgen hinaus zu hohen ergebnissen führt. Die ergründung 
der gestörten gesundheit und die kunst sie herzustellen ist durch jene Wis 
senschaften bedingt, ungefähr wie die kriegskunst in mathematik, geographie 
und geschickte, die politik in philosophie und geschickte schöpfen. Hieraus 
folgt, dafs die drei ersten facultäten keine neuen wissenschaftlichen gesetze 
entfalten, nur die geltenden anwenden. 
Das forschen nannte ich ein unendliches, es mufs so endlos sein wie 
der sich über uns dehnende raum, in dessen unermessene fernen wir immer 
weiter Vordringen. Jede Wissenschaft ist ein sich wölbender tempel, am 
giebel aber bleibt eine öfnung, die nicht kann zugemauert werden, gleichsam 
ein anblick des menschlichen äugen undurchdringbaren himmels. man könnte 
der philosophie, die kühne bauten aufführt, Vorhalten, dafs sie der theolo- 
gie nachgebend jenes giebelloch öfter als es ihr frommte zu schliefsen unter 
nommen hat. In keiner einzigen Wissenschaft stimmen theorie und praxis so 
edel und sicher zusammen wie in der astronomie und mathematik; die phi- 
lologie ist fast nur theorie, ohne lebendige praxis, womit blofs eine wis 
senschaftliche, nicht eine solche gemeint sein kann, die beim lehren und 
lernen alter oder neuer sprachen gewöhnlich stattfindet, und sich oft eine 
grofse fertigkeit zu eigen gemacht haben mag. 
Gehe ich nun auf die academischen Obliegenheiten und leistungen 
näher ein, so kann wesentliche aufgabe und zweck der academie kein andrer 
sein, als, wie ein mächtiges schif die hohe see, die höhe der Wissenschaft 
zu halten, und in tonangebenden, schöpferischen vorträgen und mittheilungen 
alle auftauchenden spitzen der forschung neu und frisch hervor zu heben 
und weiter zu verbreiten. Da keine Wissenschaft erschöpft oder erschöpflich 
ist, so wird an jeder stelle, wo man in sie eindringe, gewinn aus ihr erbeu 
tet werden, wie aus dem boden, wo man in ihn senke, quellendes wasser 
zu ziehen ist. Bei jedem wissenschaftlich arbeitenden soll sich aber ein 
untrügliches gefühl einfinden für die Unterscheidung dessen was abgethan 
und erledigt sei von dem was sich vorbereitet habe und in raschen angrif ge 
nommen werden müsse: hier und nicht dort ist die kraft anzusetzen. 
Nach einer w r olthätig zwingenden reihe, die doch nie so feststeht, 
dafs nicht änderungen verabredet werden könnten, sieht jedes mitglied der
	        

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