Full text: Über Schule, Universität, Academie

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 218 
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fühle ich noch mit jugendlicher heftigkeit. diese jugend wird in allmälichem 
erwerb sich eine fülle von kenntnissen erringen und nachholen, an sich 
aber ist sie schon zu allen entschlüssen des willens, zu allen Schlüssen der 
Vernunft ausgestattet. Ich weifs, dafs die Spartaner erst mit dem dreifsigsten 
jahr auserzogen, und dafs nach einem volksscherz die Schwaben gar im vier 
zigsten volle klugheit erlangten. 
Mistrauische Vorsicht in dingen, die von natur freien lauf haben sol 
len, erreicht selten ihren zweck, ein grundübel unsrer zeit scheint mir das 
anhäufen wiederholter endloser prüfungen, wodurch sich der Staat gegen den 
andrang der Unwissenheit zu sichern und überall des besten habhaft zu wer 
den glaubt, das erschwerte spiel macht er sich damit doch zu leicht. 
Auf der schule mag man in bestimmten fristen die kraft der schüler 
öffentlich versuchen, weil daraus edler Wetteifer entspringt und der knabe 
gewöhnt wird hervor zu treten und gewandtheit der rede sich anzueignen, 
sein talent zu wägen ist der lehrer fortwährend im stand und man kann sa 
gen, dafs dieser beständig die ungezwungensten messungen mit ihm anstelle. 
Verwerflicher scheint das den eingang der Universität bedingende und 
erschwerende abiturientenexamen. Der gjmnasiast mufs befugt sein end 
lich die schule zu verlassen, von seinem abgang an lösen sich zwischen 
ihr und ihm die bande und welchen weg er nun einschlagen will steht in sei 
ner wähl. Wie kirche und Schauspiel dem eintretenden offen gehalten sind, 
sollte jedem jüngling das thor der Universität aufgethan und ihm selbst über 
lassen sein, allen nachtheil zu empfinden und zu tragen, wenn er unausge 
rüstet in diese hallen getreten ist. denn die befähigung der menschen hat 
ihre eignen, stillen gänge und thut unerwartet Sprünge; wie sollten alle glei 
chen schritt halten, den der prüfung zwängendes mafs fordert? den schlum 
mernden funken kann die erste gehörte Vorlesung oder eine der folgenden 
plötzlich wecken, und der bisher scheu und verschlossen gewesene thut es 
nun auf einmal denen weit zuvor, die ihn anfangs übertroffen hatten. 
Vorausgesetzt werden mufs aber, wenn alles so beschaffen ist, wie es 
sein sollte, dafs jeder aus innerm trieb und für seine eigne ausbildung stu 
diere, nicht um dadurch ein amt zu erwerben. Dringt einmal diese würdigere 
ansicht der Studien und des lebens durch, so wird der Staat selbst zuletzt 
seine ungebührlich vielen dienste verringern dürfen und der Wissenschaft 
ihre ganze uneigennützigkeit zurück gegeben werden. Bei der anmeldung
	        
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