Full text: Rede auf Schiller

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Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 215 
galt es einem als könig im reich der gedanken waltenden, schon 1788 hatte 
Bürger gesungen: 
mit einem adelsbrief musz nie der echte sohn 
Mineryens und Apolls begnadigt heiszen sollen, 
denn edel sind der götter söhne schon, 
die musz kein fürst erst adeln wollen, 
was leicht besser und stärker ausgedrückt wäre, dem unerbittlichen Zeit 
geist scheinen solche erhebungen längst unedel, geschmacklos, ja ohne sinn, 
denn ist der bürgerliche stand so beschaffen, dasz aus ihm in den adel ge 
hoben werden mag, müste auch aus dem bauerstand in den des bürgers er- 
höhung gelten, jeder bauer kann aber bürger, jeder bürger besitzer eines 
adelichen guts werden, ohne dasz ihnen die persönliche würde gesteigert 
wäre, ein geschlecht soll auf seinen stamm, wie ein yolk auf sein alter und 
seine tugend stolz sein, das ist natürlich und recht; unrecht aber scheint, 
wenn ein yorragender freier mann zum edeln gemacht und mit der wurzel 
aus dem boden gezogen wird, der ihn erzeugte, dasz er gleichsam in andere 
erde übergehe, wodurch dem stand seines Ursprungs beeinträchtigung und 
schmach widerfährt; oder soll der freie bürgerstand, aus dem nun einmal 
Göthe oder Schiller entsprangen, auf hören sie zu besitzen? alle beförde- 
rungen in den adel werden ungeschehen bleiben, sobald dieser mittelstand 
seinerseits stolz und entschlossen sein wird jedesmal sie auszuschlagen, ein 
groszer dichter legt auch nothwendig seinen vornamen ab, dessen er nicht 
weiter bedarf, und es ist undeutscher Stil oder gar hohn Friedrich yon Schil 
ler, Wolfgang von Göthe (*) zu schreiben, über solchen dingen liegt eine 
zarte eihaut des yolkgefühls. in seine künftigen Standbilder mag nur ge 
graben werden SCHILLER. 
Man hat eine Schillerstiftung erdacht und schon durch ganz Deutsch 
land verbreitet, der gedanke ist matt und unbestimmt oder unbeholfen, 
wozu auf diesen glänzenden namen gegründet eine armenanstalt für mittel- 
mäszige Schriftsteller, für dichterlinge, denen von aller poesie abzurathen 
besser wäre als sie noch aufzumuntern? wol mühe haben sollen die yer- 
waltungsräthe öffentlich rechnung ablegend zu rechtfertigen, wer ihrer wol- 
(*) geschweige Johann Christoph Friedrich, Johann Wolfgang.
	        

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