Full text: Von Vertretung männlicher durch weibliche Namensformen

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 214 
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künden aufzunehmen, und fast zur selben zeit, wo auch unsere lateinische 
spräche den diplomatischen gebrauch des lateins abzustreifen begann, er 
scheinen vielfältige deutsche beinamen, weil sie jetzt erst frei auftreten 
konnten, aber noch heute findet in feierlicher aufzeichnung ein bloszer bei- 
name, so lange er ein solcher bleibt, ungern seine stelle; im leben selbst 
wird man ihn weder gescheut noch gespart haben, bis er allmälich auch in 
der schrift unvermeidlich und bedeutungsloser angewandt werden konnte. 
Soviel erhellt, dasz in grammatik und Sprachgeschichte heinamen es sind, 
die vorzugsweise den blick auf sich ziehen, mag weltliche geschichte sich an 
geschlechtsnamen erbauen. 
Nach allen diesen hier unumgänglichen bemerkungen kann ich nun zu 
dem schreiten, was ich vor die hand genommen habe, es ist eine merkwür- 
würdige, noch nicht hinreichend beobachtete erscheinung, dasz zu männlichen 
namen auch weibliche beinamen gestellt werden und neben meistentheils voller 
weiblicher flexion dennoch männliche pronomina und adjectiva sich zur seite 
haben, das nämliche ereignet sich sodann auch an einer beträchtlichen zahl 
von männlichen, weiblich gebognen appellativen, die jene^a beinamen ver 
wandt, folglich aus ihnen entsprungen scheinen, die ganze anomalie tritt 
aber nicht nur in lateinischer und griechischer zunge, sondern eben wol in 
deutscher, slavischer, litauischer vor, ein so weit erstreckter zug kann un 
möglich ohne festesten anhalt sein. 
Regelrecht wäre eintracht zwischen dem genus und der flexion, die 
es ja mit bestimmt, auch weisz ich im sanskrit hiervon keine ausnahme, we 
der finden sich darin masculina, die weiblich, noch feminina, die männlich 
flectiert werden, bei den Stämmen auf a, welche hier vorzüglich ins äuge zu ^ 
fassen sind, zeigt der skr. männliche nom. sg. as, der weibliche ä, der männ 
liche acc. sg. am, der weibliche am. bei Stämmen auf i und u so wie den 
consonantischen fallen die flexionen beider geschlechter zusammen, den instr. 
sg. und acc. pl. abgerechnet, die sich bei den i und u Stämmen noch unter 
scheiden. dieser Zusammenfall verkündet ein erkalten des geschlechtigen aus- 
drucks, der früher einmal vollkommen gesondert gewesen sein wird, wie er 
es bei den Stämmen auf a blieb, doch die Unerkennbarkeit des geschlechts 
aus der flexion ist keine Verwirrung des geschlechts. 
Auch im griechischen und latein sondern nur die dem skr. a stamm 
entsprechenden erste und zweite declination beide geschlechter, welche sie 
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