Full text: Von Vertretung männlicher durch weibliche Namensformen

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umgedreht, doch erst späterhin und einförmiger, aus örtlichen auch perso- 
nennamen gezeugt werden. 
Weit höher schlage ich den gewinn an, den die Betrachtung der eigen- 
namen für alle übrigen nomina haben kann. 
Ohne uns bei forschungen über den Ursprung der spräche, der unbe 
rechenbar über alle geschichte hinaus liegt, gefährlich zu yersteigen, mögen wir 
dem satz zustimmen^dasz alle und jede Wörter in der menschlichen einbildungs- 
kraft beruhend^aus lebendigem ruf oder zuruf heryorgegangen sind, sich dem 
gedächtnis eingeprägt, weiter getragen und im trieb der nachbildung entfaltet 
haben, die stimme des redenden setzt das ohr eines hörenden voraus und 
würde sonst gar nicht erschollen sein, in jenem sprühen innerster empfin- 
dung lag der erste beginn, in der gleich wunderbaren kraft des auffassens die 
analoge fortpflanzung der spräche, die ausdrücke loqui, yocare, imperare, 
appellare, oder wie sie lauten mögen, empfangen sinn und wahre Bedeutung 
durch den hergang des findens der worte. das verbum musz aus dem impe 
rativ erfolgt sein, das nomen aus dem vocativ und in beiden einander viel 
fach verwandten äuszerungen haftete die einfachste urform. alle nomina, das 
wort besagt es schon, waren namen, d. h. eigennamen, wie sie dem indivi- 
duum waren ertheilt worden, und erst als diese vermöge der nachahmung 
übergiengen auf jeden ähnlichen oder gleichen, entwickelten sich appellativa. 
appellativen lag immer noch ein sinnlicher gegenständ unter, zuletzt geschah 
die anwendung auf übersinnliche und in zauberhafter menge entsprangen ab- 
stracta. auf allen stufen der Spracherzeugung gewahren wir dieses fortgangs 
vom sinnlichen zur abstraction d. i. zur Vergeistigung des natürlichen, und 
wie schon das appellativ in seiner Verallgemeinerung den keim der abgezo- 
genheit in sich schlosz, erwuchs, erblühte dieser ohne widerstand in einer 
fülle von Wörtern und Wortbildungen, die über jene schranke der sinne hin 
austraten und deren die*menschliche seele nicht entbehren konnte, der kern 
des worts war lediglich in dem vom ersten gefühl des eindrucks ausgestosze- 
nen ruf enthalten. Deutlicher fingerzeig auf den behaupteten Ursprung des 
verbums aus leibhaftem imperativ erscheint aber in den imperativischen eigen 
namen, deren groszen unüberschauten Vorrat ich künftig einmal darzulegen 
willens bin, da ihm lange noch nicht gebührende erläuterung zu theil wurde. 
Diesmal greife ich nach anderen unspärlich zuströmenden ergebnissen, 
die bei Vertretung männlicher durch weibliche personennamen wahrnehmbar
	        

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