Full text: Über den Personenwechsel in der Rede

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 212 
C 
UJ 
ye 
15«! 
'ü 
c 
12 
ags. frea, ahd. frö herr, so wie von frouwä, unserm frau, welchen die göt- 
ternamen Freyr und Freyja entsprechen und wofür wiederum, wie ich 
glaube, eine Wurzel des glanzes und der leuchtenden Schönheit zu suchen 
U . ist.( 1 ) das skr. rasa, rägan lat. rex, soth. reiks leitet sich von der Wurzel 
Noch viel andere ausdrücke des lichts, Strahls, glanzes in allen spra 
chen werden auf die Vorstellung der erhabenheit und würde angewandt, 
dienen erst zur dichterischen edlen anrede, sinken aber misbraucht und un 
verstanden von stufe zu stufe herab und werden leere titel. niemand ge 
denkt bei durchlaucht, erlaucht, excellenz ihres eigentlichen sinnes und 
niemand fühlt, dasz herr, womit wir jetzt auch geringe leute anreden, ur- 
durcbtcuuUi jrrr 
[tö 
T'&AAJLejb, 
U£o. 
Vi UH 
f\ 
C 
C 
oy 
tyicuA&htj hl&onyx . . , j. 
ifi ßirlXMX chttlßtJk^Ojb'i Ifafr sprünglich dasselbe was durchlaucht aussagte. 
lTtKiyO« {e Ich habe (gramm. 4, 297 ff.) gewiesen, wie unsere deutsche anrede 
r <‘u> (JoW-vj a t(?a . allmälich immer gröszere Unnatur annahm, erst aus dem sg. in den pl., dann 
%AJWs<>rfe. ^ "dt (ilarrb* aus der zweiten person in die dritte des sg., endlich gar des pl. sich verstieg. 
nachäffung des ital. signore, sp. senor, franz. seigneur, sieur brachte unser 
herr nun wirklich mit der dritten person des sg., hernach des pl. in Verbin 
dung, woraus ein ständiges er für du, bald ein sie mit dem verbum in drit- 
ter pluralperson für den angeredeten einzelnen entsprang, statt du gibst 
Jcttno Vife*«* wfo* Veafo^*"'**** ^hiesz es anfangs ihr gebt, dann der herr gibt und er gibt, endlich freund sie 
geben für freund du gibst, vor dem letzten gipfel unfreier und pedanti- 
<W ül scher sprachverirrung haben sich alle romanischen Zungen bewahrt und min- 
'cfevAt, destens in ihrem vos, vous die zweite person festgehalten, in ihrer rede 
bildet die formel monsieur donne, wie im sanskrit jenes bhavat blosze aus- 
ötfo / nähme, ohne die zweite person sonst und im ganzen zu beeinträchtigen, 
faviK o^y\ während 
4\xi jWM. \Ak 
lyuütkf/T* ■ i<w 
r Vtt )a <WrwrmJl wmJT Noch andern neueren sprachen drückten sich spuren des gebrauchs 
iv uj . dritter person für die zweite ein, so dient z.b. das ungrische az ür, der 
herr zur anrede: hol völt az ür, wo war der herr = wo warst du? kerem 
=» c)cü v\^ 
*| C1$ “Strtv! 
unser sie fast herschend geworden ist, und weil es sich mit dem sg. 
fern, berührt, noch dazu der rede vielfache Undeutlichkeit bereitet. 
4, 
-tä'»' ^u. 
cnnPß't o u, 
■fl- 
WK. iii. Vo4 /w 
k 
AhrJ&Jl ver'tizrrW : 
i euitrrn 
' 4u-yK- d^LTlch w 
ciöiInnrt Vnfi()a. irr' iv 
O/aYvil - Tri'iAw 4 ouip . <,rri>CL , i<l» u<MCnT^e*T' 
AtuÄ f-drnlU 7*J^ Sm* ttx-I 
öfefUh ~lW2.Lv> -fäfrA^d. 
1 ktl/ t^rep. 4^^ ^4". 
( 1 ) wie noch für andere götternamen, z.b. Baldr = bäl feuer. selbst jenes bebr. adon, 
dessen rechter Ursprung unermittelt ist, ’ASwvie und 3 ASty^yi möchte ich zum ags. äd, abd. 
eit ignis, rogus, dann zu itis, ags. ides, der leuchtenden frau, zu eitel vanus und lucidus 
halten, das skr. edha, edhas lignum, brennstof gehören zu indh lucere, flagrare. gr. alSztv 
u. s. w. man erwäge auch das armor. aotrou herr, itroun frau, dame. 
t 
jAfrtiw-' - Ol t 0 TTh ^ nryyfjOp 
r-r
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.