Full text: Über den Personenwechsel in der Rede

48 
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 212 
cU)tv oMixn Cb 
VOY SoJ! 
Tul^- 4Ü>f» 
|)et<Y in» 
V(XT VvS 
CLujrfctivS )?£7 ) o 2* § ~' , 
nac^ Schotts rnM^öt^A ai&v 
-W-te 
an, die untereinander etwas abmachen, so mag bei uns der uralte streit 
zwischen sommer und winter nicht etwa so dargestellt worden sein, dasz 
erst der eine von beiden auftrat, redete und hernach den Zuschauern den 
rücken wandte, dann aber der andere yorgieng und ebenfalls seinen handel 
darlegte; vielmehr beide scheinen auf der stelle zusammen gegenwärtig ihren 
zank eröfnet zu haben, schon gröszere abstraction gehört dazu, dasz zu 
erst nur eine person auftrete und was geschehen soll vorher entfalte und 
deute, die ersten monologe ergaben sich gewis nicht vor der handlung, 
sondern mitten in ihr, und die besten monologe des ausgebildeten drama 
werden auch in dessen mitte oder mehr gegen den schlusz hin fallen, nach 
dem sich die volle wärme der handlung erzeugt hat und den innersten aus- 
brüchen der seele eines der haupthandelnden oder auch mehrerer von allen 
seiten her raum gemacht war. begreiflich gilt das nur von den längeren 
selbstreden, nicht von den kurzen, die als ein schnelles für sich oder bei 
seite verstolen alierwärts in die rede eingestreut werden. 
Es verriete grosze unkunde, wer den monolog herab setzen und gar 
unnatürlich nennen wollte, er ist, wie gesagt, nicht nur geboten, weil 
sonst alle personen zugleich abtreten müsten, keine Zurückbleiben könnte, 
oder das Schauspiel würde zu bloszer pantomime herabsinken; sondern ihm 
sind auch die sichersten einwirkungen auf den gang des drama beizumessen, 
dessen gründe und abgründe er gerade aufzudecken vermag, auf der bühne 
aber, wenn eine mächtige, ergreifende handlung über sie schreitet, scheint 
am allerwenigsten das wider die natur, was einen Schlüssel zu den herzen gibt. 
Wiederum fragt es sich nach dem ich oder du in dieser selbstrede, 
nach dem ichmonolog oder dumonolog, die man auch als einen monolog 
ersten und zweiten grades unterscheiden könnte, beide stufen stellen den 
im drama einsam redenden, also laut denkenden ganz in die läge des im epos 
nach einem verbum des denkens sprechenden; in der aufführung vor den 
Zuschauern braucht weder ein theilnehmer am dialog noch der inhaber des 
monologs eingeführt oder übergeschrieben zu werden, da er sich unsern 
äugen von selbst vorstellt, ein monolog des zweiten grades wird darum 
stärker sein, weil das du stärker ist als das ich. im innern eines jeden mo 
nologs ergeht aber ein Zwiespalt, wie ihn schon jener unterschied zwischen 
ich und dem obliquen casus erster person zeigte, den aber das du zweiter 
person noch mehr hervorhebt; was die erzählung dort als wechselrede
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.