Full text: Über den Personenwechsel in der Rede

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bald ein lebhafter dialog drängt, völlig weglassen, woraus denn eine drama 
tisch ausgebildete darstellung entspringt, der ungemeinen raschheit dieser 
wechselreden, namentlich in den gedichten Hartmanns wüste ich kaum etwas 
anderes an die seite zu setzen, man vergleiche sein erstes büchlein, auch 
manche gespräche im Flore, z. b. s. 38, im graf Rudolf s. 9, stellen, in 
welchen, um sich nicht zu verirren, der leser durch häckchen gegängelt 
werden musz( 1 ). in Veldecks Eneitund dem Iwein steht zwischen den reden 
meistens noch ein dürres sprach, der dialog griechischer dramen, da wo 
zeile auf zeile schlagend erwiedert, ergeht weit gemessener, doch nicht so 
schnell als in jenen deutschen dichtungen. 
Die edda, ihres hohen alters, wie ihrer naturwahrheit halber, ver 
dient hier auch rücksicht. man kann zwei reihen von liedern in ihr unter 
scheiden, die eine ist epischer, die andere dramatischer gehalten, in epi 
schen liedern wie Thrymsqvida, Hymisqvida, Vegtamsqvida, Völundarqvida 
u. a. überwiegt der erzählende ton und die eingefügten reden werden durch 
qvad eingeführt, andere gesänge hingegen wie Grimnismäl, Harbarzlied, 
Vaff)rudnismäl, Skirnisför, Oegisdrecka u. s. w. bestehen beinahe durch- 
gehends aus wechselreden, haben auch zu eingang, bisweilen noch mitten 
im lied prosastellen, soviel es noth thut, die zuhörer zu weisen und auf die 
fährte zu bringen, die gespräche selbst können, wie im drama, des qvad 
entraten und es genügte die namen der redenden beizuschreiben, was jedoch 
mancher Vermischung ausgesetzt blieb. Ebenso tritt im Ossian ohne des re 
denden namen und ohne thuirt oder thubhairt (dixit) der redewechsel ein, 
z. b. Fionnghal 2, 188. 202, wogegen 2, 197 thuirt Morlamh gesetzt ist. 
Wir gelangen endlich zu den personenverhältnissen, wenn in der rede 
ein verbum des denkens vorausgeht. 
Der mensch wurde oben als denkendes und redendes wesen, in un 
trennbarem Zusammenhang beider eigenschaften dargestellt, sein im worte 
verlautendes ich bezieht sich auf ein inneres mein mir mich seiner gedanken. 
von einem, dessen munde ein wort entschlüpfte, das er noch zurückhalten 
wollte oder sollte, sagen wir er hat laut gedacht. 
Wenn also sprechen heiszt seine gedanken öfnen, kann damit sowol 
ein hergeben aus dem innern der brust als ein aufthun des mundes gemeint 
( f ) genauere Sammlung solcher wechselreden aus mhd. und altfranz. dichtem s. in meines 
bruders Athis s. 29—32, vgl. Holland in Pfeifers Germania 1, 241. K'f. ~ 8löS* 
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