Full text: Über den Personenwechsel in der Rede

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Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 212 
In rcpui konnte crv + ovrog, in it Gymir konnte du und Gymir gelegen, 
in wir ein ich und du gemischt sein; yor dem dein scheint hier ein du weg 
gefallen. man begreift, dasz in der anwendung die pronominalformen ein 
ander drängen, abnutzen, ersetzen und einbegreifen. 
VII. pronomen der lehre und des gesetzes. 
Sprüche, die eine lehre enthalten, werden am wärmsten in der zwei- 
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ten person vorgetragen, vor dem vater steht das kind, yor dem meister der * tLC ’J, c / l< *~ 4*^ 
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junger, die den spruch vernehmen und sich emprägen: mein kmd, wenn 
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dich die bösen buben locken, so folge nicht; mein kind, vergisz meines ge 
setzes nicht und dein herz behalte meine gebot, unsere meisten Sprüche sind 
in dies du eingekleidet: was du nicht weist, macht dir nicht heisz; schweigst 
du stille, so ists dein wille; schneidest du dir die nase ab, so schändest du 
dein gesicht; hast du kein pferd, so brauche den esel; und so unzähliche. 
Geht der spruch von mehrern aus oder zugleich an viele, so ist ein pl. recht: 
da? ir da sit, da? wäre wir, (ji^cW WoA ul vqv. • 
da? wir nu sin, da? werdet ir, ffauhtl* *> 0 ' > 
sagen die todten. Freidank 22, 18. natürlich mischen sich erste und zweite 
person, wenn der lehrende von sich zu sagen hat, was er dem jünger vor 
trägt, wie die possessiva mein bei gesetz und gebot oder das wir in Freidanks 
spruch zeigen. Es kann aber auch die ganze lehre nachdrücklich in der 
ersten person bleiben: was ich nicht weisz, macht mir nicht heisz (dem rei 
neren reim nach sogar die ursprüngliche fassung); 
an mir wehset durch da? jär 
sünde, nagel unde här. Freidank 39, 22, 
ist nicht minder eindringlich, als das du der ersten fassung. schwächer als eile, 
beide klingen würde in dritter person ausgedrückt: was einer nicht weisz, 
macht ihm nicht heisz, oder was man nicht weisz, macht einem nicht heisz, 
was der mann nicht weisz, macht ihm nicht heisz. doch ein eigenname 
kann der dritten person kraft geben, oder, nach I und II, die ersten ver- äutrY t'elvJL Uwtak/ 
treten: was Hänschen nicht lernte, das lernt Hans nimmermehr. Es ist aber 9fr«- > bu. ^8 - ? 
ein Zeichen der in der spräche, wie im leben, steigenden abstraction, all- 
mälich die dritte person der ersten und zweiten vorzuziehen, und in der 
Sammlung unserer Sprichwörter werden sich die mit wer anhebenden immer 
mehren, die mit du und ich beginnenden mindern. 
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Abhandlungen der philos .-hist. Kl. 1856. Nr. 1. 
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