Volltext: Anhang zu der Abhandlung über eine Urkunde des zwölften Jahrhunderts

Alles ist hier von grossem werth, ich schränke mich diesmal ein auf 
die Marsacii, welche Plinius zuletzt nennt nach den Sturien, während Ta- 
Canninefates et Marsacos verbindet. 
Einfachem blick geht mit einem mal auf, dafs unsere rührigen Mor- 
seten schon den Römern als Marsacii entgegen standen; es wäre seltsam und 
unwahrscheinlich, dass gleiche namen in fast gleicher läge verschiednes be 
zeichnen sollten, weil lange Jahrhunderte dazwischen liegen, aber manche 
erwägungen drängen dabei. 
Marsacii, Marsaci ist so wenig als Triboci ein mit ac, oc abgeleiteter 
name, sondern wie dieses aus tri und boci zusammengesetzt aus mor und 
sati; mehrsilbige altdeutsche namen sind in der regel Zusammensetzungen. 
Marsatii, Marsati zu ändern wäre doch verwegen, wenn schon uncia- 
les C und T in den ersten Jahrhunderten schwankte (Iscaevones, Istaevones), 
zeigt uns Morsacii = Morsati nicht näheren weg? 
Noch liegt für uns im dunkel oder zwielicht, wann eigentlich die 
zischende aussprache des lateinischen ci, cio und tio entsprungen sei. be- 
kanntlich zischt ti nur, wenn ein zweiter vocaf darauf folgt, ci aber immer, 
wir sprechen Marti, Martis rein und erst Martins, Martio zischend, hinge- 
gen Marci zischend wie Marcianus, ci mufs also dem zischlaut leichter, frü- 
her, stärker heimgefallen sein als tio, tii, tium und feinere aussprache wie 
gehör wusten wahrscheinlich Marcianus von Marcus und Martianus von Mars 
abstammend zu scheiden. doch allmälich klangen beide, wie uns heute, 
Marzianus. 
Überall, wo nicht entlehnt wurde, vielmehr lateinische den deutschen 
Wörtern natürlich zur Seite stehn, entspricht, gleichviel ob harte oder wei- 
che vocale nachfolgen, lat. T dem goth. TH, ahd. D (ratio, goth. raþjô, 
ahd. redia) und lat. C dem goth. ahd. H für (celare goth. hilan, ahd. hëlan; 
decem, goth. taihun, ahd. zëhan). hier bleiben alle diese sprachen getreu 
ihrer naturanlage. Trat hingegen erborgung lat. Wörter ein, so suchte die 
deutsche den vernommenen laut des fremden ausdrucks thunlichst beizube- 
halten. zur zeit, wo goth. akeit, alts. ekid eindrang, lautete also lat. ace- 
tum sicher noch aketum, und das ahd. ezih beruht auf blofser Umsetzung 
der gutturalis und lingualis, ezih = echiz, wie schwed. ättika, dän. eddike. 
nicht anders setzen unser kirsche oder kiste ungetrübte aussprache des lat.
	        
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