Full text: Über Frauennamen aus Blumen

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 208 
auf wölken, (hau oder regen, doch kommt unter ihnen eine klasse vor, welche 
mudas, die erfreuenden heifsen und osadhajas sind, d. i. pflanzen, otadhi 
besagt nach Bopp herba annua, post maturitatem evanescens, von osa ardor 
und dem vieldeutigen dhä gebildet, so dafs sich auslegen liefse lebenswärme 
haltend oder ablegend, vielleicht auch waltet ein mythischer bezug auf das 
feuer, jedenfalls bleibt die anwendung auf pflanzenwesen sicher und wir wer 
den dafür gleich noch andere beweise an anderer stelle schöpfen dürfen, 
der schnell vergehenden osadhi gegenüber steht virud, nach Bopp planta 
repens, als perennierend, ohne zweifei gibt es viele indische frauennamen 
mehr, die von blumen entnommen werden, und mir noch unbekannt geblie 
ben sind. 
Die griechische literatur, darum überhaupt so grofs und anziehend, 
weil fast für alles was das menschliche gemüt von jeher bewegt und einge 
nommen hat, sie immer die klarsten und treffendsten beispiele darreicht, wird, 
wie sie allenthalben eine menge der fruchtbarsten forschungen fortträgt und 
nährt, auch dieser meiner kleinen und engen Untersuchung zur belebenden 
stütze dienen. 
Aus der fülle griechischer eigennamen, die an zahl dennoch, nicht an 
gehaltund Schönheit, von unsern altdeutschen übertroffen werden, ragen auch 
nicht wenige den pflanzen und blumen entlehnte vor. nach dem was vorhin 
über den bezug des hirtenlebens zu solchen namen und eben über die indi 
schen apsarasen gesagt wurde, kann nicht befremden, dafs beinahe alle solche 
griechischen frauennamen, und sie sind von grofser anmut wie Schönheit, 
hirtinnen oder hetären angehören. 
Es wäre ein misgrif, die hetären nach der sittlichen erniedrigung und 
Verworfenheit feiler dirnen neuer zeit zu messen, der Umgang mit ihnen war 
männern allgemein verstattet und auf keine weise beschimpfend, ausgezeich 
nete, edle geister ergaben sich ihm ohne sorge, die tiefere Stellung der frauen 
des alterthums insgemein machte möglich, dafs neben dem heilig gehaltenen 
band der ehe auch noch Verhältnisse zu kebsen und freundinnen auf ver 
schiedener stufe geduldet waren, die darum nicht für unsittlich angesehen 
werden durften, die hetären bilden ohne zweifei einen naturgemäfsen Über 
gang von der bei allen ältesten Völkern herschenden polygamie zur durch- 
führung strenger ehen. 
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