Full text: Über Frauennamen aus Blumen

Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 208 
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die sage von Tristan und lsalde, den gefeierten liebenden, wenn auch wel 
sches oder britisches Ursprungs, bald ein gemeingut aller Völker des mittel- 
alters geworden. Aber auch hier irren uns wieder die schon beim römischen 
maritare aufgestiegnen bedenken. Nach dem Volksbuch und Eilharts gedieht 
läfst könig Mark auf Tristans leichnam eine Weinrebe, auf Isaldens einen 
rosenstock setzen, deren beider ranken so zusammenwachsen, dafs man sie 
nicht von einander bringen konnte, richtiger scheint umgedreht in Ulrichs 
und Heinrichs dichtungen (denn wie Gotfried selbst gemeint haben würde 
wissen wir nicht) die rebe auf Isotens, der rosenstock auf Tristans grab ge 
pflanzt, so dafs man sich eine Vermählung der weiblichen rebe mit dem männ 
lichen rosendorn oder hagedorn vorzustellen hätte, das ist weit bezeichnen 
der und dem heidnischen alterthum vollkommen gerecht, ich habe neulich 
bei anderm anlafs gewiesen, dafs die heiden auf ihre gräber einen hagedorn 
setzten, mit dem auch die leichen verbrannt wurden, der hagedorn, um den 
sich die rebe schlingt, scheint also beiden Vorstellungen, der des begrabens 
und vermählens höchst angemessen und es ist völlig eins, ob sie aus den lei 
chen selbst gesprossen oder auf die grabhügel gesetzt sein sollen. In den 
schwedischen liedern flechten sich lindenblätter oder rosen und lilien, im 
englischen rose und dorn, briar, ags. brer, der männliche Strauch. Aber ein 
serbisches lied (Yuk 1 no. 341) ist ganz genau, wie sich die hände liebender 
durch die erde in einander schlingen, wächst aus des jünglings grab ein kie- 
fer (bor m.), aus des mädchens eine rose, und um den kiefer windet sich die 
rose, wie um den straufs die seide: 
BHine $paror 3e.ieH 6op H3pa3me 
a bhih $pare pyMeHa py^Kiuja 
na ce Biiie ppna oko 6opa 
Kao cBinia oko Kinne CMHJi’a. 
Aus den dargestellten Verhältnissen allen, aus dem eindruck, den die 
betrachtung der blumen und pflanzen in vielen lagen des bewegtesten lebens 
auf das menschliche gemüt hinterliefs, darf nun schon im voraus geschlossen 
werden, wohin meine Untersuchung hauptsächlich zielt, dafs sie auch für die 
namengebung sehr oft bestimmend werden muste. wandte man auf die pflan 
zen gebräuche des menschen an, so konnte nicht ausbleiben, dafs umgekehrt 
die eigenschaften und bilder der pflanzen auch auf die menschen übertragen 
wurden. 
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