Full text: Über Frauennamen aus Blumen

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 208 
Überreste dieser wunderbaren im alterthum wahrscheinlich viel weiter 
verbreiteten sitte finden sich auch aufserhalb Indien, zwar nicht, wo man sie 
am ersten suchen sollte, bei den Griechen, wol aber bei den Römern und in 
unverkennbarem bezug auf den landbau selbst, was der vorhin ausgespro 
chenen ansicht bestätigung gewährt. Horaz, epodon 2, 9 den alten ehrsamen 
ackersmann schildernd, sagt deutlich: 
ergo aut adulta vitium propagine 
altps maritat populos, 
Plinius lehren überflüssig, dafs hauptsächlich CcUuJl .£#,£4 * afr' -Vi (4rfa 
vermählt werden , wobei auch beständig der - 
und stellen bei Columella und 
pappel und ulme mit der rebe ruuioun r»uucu, «utu x/toiauuig 
ausdruck maritare gebraucht ist. CaAo 't.t. ar^oY^ 
Plinius hist. nat. 17, 23, 35 : populus nigra palmiti pluribus indurata annis 
maritabatur. 
Columella 4, 1. in maritandis arboribus. 3 r U o&uß^unrn 
4, 2. duos palos unius seminis flagellis maritari. 
4, 22. caules, qui possint vel sua maritare statumina vel si qua sunt vidua 
in propinquo propaginibus vestire. UiW Qmm. \,% ufnuA<y* üiUf ■ 
5, 6. si teneram ulmum maritaveris. Hoy»*. &j>05t. I.l^f 
f i 11, 6. ulmi vilibus maritantur. strolu>S~^unrwA v'-ido/LV' 
oTjrototY Tt^cir^y^ Offenbar beabsichtigte man bei dieser Vermählung die rebe und ihre ranken 
töö2 aU ^ stäl ^ ere bäume zu stützen und ihr dadurch eine günstige läge gegen die 
rrÄaWv^ <f. sonne zu sichern, die Vermählung ist sonst in diesen stellen ungenau genom- 
^en, da mit der weiblichen rebe ein männlicher bäum vermählt sein sollte, 
CuAttv^i* £ populus und ulmus aber gleichfalls weiblich gedacht werden.* palmes für 
^ ^ •* /)« vitis gesetzt würde dem, wiewol ungeschickt abhelfen, denn ohne zweifei 
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liegt es in der natur der dinge, dafs die schlanke, anhalts und Schutzes be- Qj* ■ avotWvo^o^ 
dürftige rebe, gleich der indischen mädhavi, pipala und tamarinde als weib- cu>l• 
liches wesen einem männlichen stamm angetraut werde, für welchen sich wiV.ut* itw zhJb c)j* 
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populus oder ulmus wie der amra eignen, der brauch aber scheint desto 
alterthümlicher, da die ihm zu gründe liegende Vorstellung längst in verwir 
^aIW^tö «V** run g oerathen, also auf eine frühe zeit zurück zu leiten ist, in welcher an die f* V<VM ^ 
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konnte. * 
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stelle der pappel oder ulme ein anderer männlicher bäum treten konnte 
Dafs der römische landmann das verschlingen der beiden bäume feierlich 
veranstaltete, davon erscheint nicht die mindeste spur, die practische ergi- 
bigkeit der sitte bewährt sich bis auf den heutigen tag wenigstens im untern 
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