Full text: Über eine Urkunde des XII. Jahrhunderts

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thun vermöchte. Sind denkmäler der spräche und der gesetze eines volks 
auf die nachweit gebracht, so hat es auch eine geschichte, welche zwar aus 
den historischen quellen vielfach beleuchtet werden kann, während in den 
uns vollständig von der geschichte überlieferten thaten eines andern volks, 
dessen rechte uns unbekannt sind, manche dunkelheit Zurückbleiben mufs. 
Seitdem Karl der grofse die Friesen mit dem schwert bekehrte, ver 
streicht keins der folgenden Jahrhunderte, in dem sie nicht ihren widerstand 
und ihr beharren bei selbständiger herschaft kämpfend dargethan hätten, wie 
wäre es einem häufen westfälischer ritter möglich gewesen gegen diese stol 
zen vaterlandliebenden bauern etw r as auszurichten, deren streiche im Jahr 
754 des ihnen eine neue lehre aufdringenden Bonifacius nicht geschont hatten. 
Es sei nur an einzelne, der zeit unsrer urkunde vorausgehende oder 
bald nachgefolgte, von den annalisten hervor gehobne ereignisse erinnert, 
deren thalbestand sich weit anders darstellen würde, wenn nicht ihre gegner, 
sondern Friesen selbst uns davon berichtet hätten. Kein andres deutsches 
volk hat wiederholte angriffe auf seine freiheit so mutig und lange erfolg 
reich von sich abgewehrt. 
Thietmar 6, 14 im Jahr 1005 von Heinrich dem andern: Fresones rex 
navali exercitu adiens ab ceptis contumacibus desistere et magnum Liudgar- 
dae sororis reginae zelum placare coegit, w*as auch beim annalista Saxo (Pertz 
8, 656) fast mit denselben Worten wiederholt wird. Liudgard war Arnulphs, 
oder wie ihn Melis Stoke 1,891 nennt, Aernouds, des grafen von Holland 
witwe, welchen die Westfriesen noch unter Otto des dritten zeit bei dem 
orte Winkelmet angegriffen und geschlagen hatten, auf dieses Schadens er- 
satz drang Liudgard, und es scheint, dafs der könig die Friesen mit gewalt 
ihn zu leisten anhielt. 
Einen neuen handel, der bald darauf ins J. 1018 fällt, meldet aus 
führlicher und lebhafter Alpertus de diversitate temporum 2,20.21 (Pertz 
6,718.719.) Friesen, ihren sitz verlassend, hatten im wald Meriwddo (*) 
Wohnungen aufgeschlagen, andere, vom annalist räuber genannte männer 
( ! ) in silva Merlwido d. i. meerwald, oder Meriwido moorwald, später Merwede, beute 
Merwe, worunter man jetzt einen arm der Maas, zwischen Dordrecht und Rotterdam ver 
steht; doch frühe schon traf die benennung des waldes und waldstroms hier zusammen, da 
Alpertus 1, 8 per Humen Meriwido vecti sagt. 
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