Full text: Über den Ursprung der Sprache

über den Ursprung der spräche. 
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konnten, nirgends steigt eine lehre so gewaltsam auf die menschen herab, 
dafs ihr nicht ein inneres lernen entgegenkommen müste. 
Noch mehr, sollen und dürfen wir uns gott redend denken? redete, 
d. h. spräche er menschliche worte, so müsten wir ihm auch menschlichen 
leib, zumal alle jene leiblichen Organe beilegen, von welchen gegliederte 
rede abhängt, es scheint mir aber gleich widersinnig einen vollkommnen 
menschenleib ohne eins seiner gliedmafse, z. b. ohne zähne, als die gottheit 
mit zähnen, folglich essend sich vorzustellen, da die zähne nach unsrer wei 
sen natur zwar mit beholfen sind zum sprechen, hauptsächlich aber zum 
zermalmen der speise dienen, auf solche weise würde es ganz unmöglich 
sein, eins der andern glieder des leibs, deren innerer und äufserer einklang 
unsre höchste bewunderung rege macht, irgend der schaffenden gottheit 
abzusprechen oder beizulegen. ( 1 ) 
Wenn aber überhaupt ein leib, mindestens ein menschlicher der gott 
heit gar nicht anstände, wie könnte rede oder bedürfnis der rede ihr bei 
gemessen werden? was sie nur denkt, das will sie auch, was sie will hat sie 
ohne aufenthalt und zweifei mit mehr als blitzesschnelle vollführt, wozu 
hätte sie sich eines boten bedient um langsamer auszurichten, was sie mit 
einem wink, wenn es ihrer Weisheit gefällig gewesen wäre, vollbringt? rin 
nen in dem göttlichen sein alle jene von uns gesondert betrachteten eigen- 
schaften, allmacht, urplan und ausführung nicht zusammen? ohne ihres 
gleichen, doch uneinsam waltet die gottheit allenthalben in der unendlichen 
natur fülle, des behelfs einer der menschlichen auch nur von ferne vergleich 
baren spräche bedarf sie nicht, wie ihre gedanken nicht den weg des men- 
schendenkens gehn. 
Dafs an eines menschen ohr jemals, so lange die weit steht, ein un- . ätvVuW dv\ ÖchM^o^aK 
mittelbares wort gottes gedrungen sei, kann alle menschliche geschichte mit ^ Ctorou* taV*. 
nichts erweisen, seine Verlautbarung würde keiner menschensprache nahe \Joee£ 
kommen, eine harmonie der Sphären sein, wo, dafs gott redete, aufgezeich- sooA .4- 
net ist, hat der geschichtschreiber einer sage gefolgt, die für die dunkelheit cuA’\b v<>Uy+ h. cmIjo 
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der vorzeit eines gangbaren bildes sich bediente; wer wollte buchstäblich ^ ^ ^ 
nehmen, wenn gesagt ist, dafs gott das gesetz mit seinem finger in die her- )J^^ ßmfoU- vW 
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(*) mit recht Wolfram im Parz. 119,20 von gott: der antlitzes sich bewac (nicht ge- , 
bildet war) nach menschen antlitze. tfnuaiuvy V4 !^0YnM idi ^(jßj't 
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