Volltext: Über den Ursprung der Sprache

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Ja.cob Grimm 
©Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 205 
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jedem vollkommneren warmblütigen thier, vögeln wie säugenden, ist immer 
ein ganz besonderer laut eigen, mit welchem es seine empfindungen wech* 
selsweise des behagens, der lust und des Schmerzes, lockend oder scheu 
chend kund thun kann; einigen unter ihnen und zwar nicht den uns sonst 
verwandteren vierfüfsigen thieren, sondern voraus dem gevögel wurde ein 
klangvoller, meistens anmutiger und herzerfreuender gesang zugetheilt. 
stehn alle thierlaute nicht der menschensprache zur seite? hat man doch hei 
sere, rauhe, harte menschensprache dem gekrächze der raben, quaken der 
frösche, bellen der hunde und wiehern der rosse verglichen. 
Diese thierische in ihrer äufserung gleich der thiergestalt selbst ma- 
nigfalteste stimme ist aber sichtbar von natur in jedes thier geprägt und wird 
von ihm hervorgebracht ohne sie erlernt zu haben. Lafst ein eben ausge 
schloffenes vöglein dem nest entnommen von menschenhand aufgefüttert 
werden, es wird aller laute mächtig sein, die seinesgleichen, unter welchen 
es sich noch nie befand, eigen sind, darum bleibt die jeder thierart ange 
wiesene stimme immer einförmig und unveränderlich: ein hund bellt noch 
heute wie er zu anfang der Schöpfung boll, und mit demselben tirelieren 
schwingt die lerche sich auf wie sie vor vielen tausend jahren that. das an 
geschaffene hat weil es angeschaffen ist unvertilgbaren charakter. 
Alle thiere leben und handeln also nach einem in sie gelegten dunkeln 
trieb, der an sich gar keiner Steigerung fähig von anfang schon seine natür 
liche, dem menschen manchmal unerreichbare Vollkommenheit mit sich trug, 
das Spinngewebe ist so zart und regelrecht vom thierlein aus seinem leib ge 
zogen und ausgespannt wie im laubblatt die selbstgewachsnen rippen, die 
biene wirkt ihre kunstmäfsige sechseckenzelle ein wie das andere mal, ohne 
haarbreit je von dem ihr vorgeordneten muster und bauplan abzuweichen. 
Dennoch wohnt den thieren mehr oder minder aufser dem in ihnen her- 
schenden instinct der nothwendigkeit ein analogon von freiheit bei, die sie 
leise anfliegt, aus der sie unmittelbar wieder in ihre natur zurück treten, 
wenn bienen ausgeflogen sind um honigstof einzuholen und sich auf eine 
heide niederlassen, von welcher sie immer zu rechter zeit und sicher den 
heimweg nach ihrem stock nicht verfehlen; mag es einzelne unter dem 
schwärm geben, die sich ein paar hundert schritte abwärts verfliegen und 
in der irre zu gründe gehn: ihnen ist die kleine freiheit verderblich gewor 
den. Es gibt gelehrige thiere, die der mensch für seine zwecke abrichtet 
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