Full text: Über den Liebesgott

©Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 204 
ber tRebotuttottnr feTjr nteitßSItcß, unb nl§ er fiel) fatt oegeffeu 
batte, fitßte er feine jwet SJtacßbrtrimieit, raußpevte ftcE) unb 
hielt feine Jungfernrebe in ber tpanptftabt. <Sie nervätt) mehr 
(Sitelfeit als tiefen politischen Sinn, ©er eljcmalkje ©ruben» 
Arbeiter jdjetnt fid) in feiner SSlonfe außerovbenilid) 
intereffant jn ftitbeit unb nimmt fid) Bor, betten, bie 
ihn in ber Kammer fragen werben: „Shvifton, warum ha ft 
®u ©eine 33lonfe an ?" gu antworten: „SSBarum habt 
Shr beim hier ©inen im üffieiberrod, ber fffreppel heißt? (Sr 
gieße feinen Sied aus», bann gieße idj meine Slonje au8!" 
Spanier will nicht als ein Slügeorbneter angefdjen werben, 
fonbent al» ein fddidjter Sßortfiihrer ber Slrbeiter. ©ein 916= 
georbneten=©ehalt ift gewiffermaßen nur eine Leibrente, welche 
ba§ SSaterlanb einem treuen SSertheibiger feiner Juterefjen 
fd)ulbig ift. 3« biefer 9lrt ging e§ weiter. SJian lächelte gu 
ber fRaiuctät be§ brauen fßianncS, Welcher in guleg ©ueSbe, ben 
9lpoftel ber SteBolulionSpartei, einen ©ott oerehrt unb Soafte 
über ©oafte auf feine lieben ©efinttungSgenoffen, ßanbSleute 
nnb ÜJtitftrebenben augbrachte. 
2Cu<§ S>em 9ictd) mtö Seit Sproimt^en. 
Karlsruhe, 11. Rooember. 3« ber aut 0iefermattonSfeg er 
hobenen Rüttelte füv bie Pefrieötguug ber ftvchlid)en PeMirfniffe 
ber gerfireuten ©ünngelijcbett itnjereS Laubes fmb au Vofpreötqer 
D. Velöutg auf Pefegl beS (Bro&hergogS 1000 9)7f. übermittelt 
worben. 
©paitbau, 12. Rooember. 25er am Vaoelitfer belegcne 
glügel ber ©tref owf aferne ift fi’trglid) Oon ben beiben Kom 
pagnien, weld)e in bemjelben einquartiert waren, geräumt worben. 
Die 9DRannfci)aften gaben in ber ©chlogfaferite mtb in ber Kafertte 
9h*. 1 an ber 9)7auer Ditartier erhalten. Sugwildjen ift mit bem 
tgeilweifeu Abbruch beS KafentenflügelS begonnen worben. 
(Ang. f. b. Vauell.) 
KoWcng, 11. Rooember. 4?eute, als am 3al)veStage ber (Sr* 
bffuung ber feften Rheinbrüde in Köln, faitb, wie alljährlich, bei 
ber Katfertn Attgitpa ein Riittageffcn patt, an welchem auger 
anberen höheren sperren oout Militär unb ©ioil unter neuer Dber* 
pväftbent b. Pcrlepjd), ber neue RegievmtgSprägbent für 2)iiffelborf 
bon ber Rede, ber ©ifnibabu-DiveftioitSprärtbent Rennen, Dbcv- 
bitrgermeifter Peder, (Beb. Rath Poigtel auS Köln theilnabmen. 
Die Kaiferiit, welche oerhäitnigniägtg wohl unb geiftig fegrfvifd) mar, 
begliidmünfchte gunädift ben prägbenten kennen wegen btefeS für 
Köln fo wichtigen SageS, fprad) bann bent Dberbürgermetper 
ihre befonbere greitbe über bie Pefettigung beS RaucbfdffoteS am 
Dom fowie ihr Bebauern auS, baß ihr (BefiuibhcitSguftanb nicht 
erlaubt habe, biefen Sommer ben beabgdpigten Pefuch in Köln git 
machen, um bie jchueUe (Entwidhing ber Stabt in Augenffhetit gu 
nehmen. 9)iit fühlbarem Sntereffe nahm bie Kaijertn bon einer 
Photographie ber erften neuen Domthür (Sinftd)t r weld)e ber 2)onr 
baumeifter überreichte, unb lieg {ich über bie am 2)ont geplanten 
weitere greilegung eingehenb Bericht erftatten, inbent fie fchlieglich 
ben Dberbitrgermeifter ihre§ lebhaften SlntheilS an allen für bie 
0tabt ^bln bebeutfamen Vorgängen berficherte unb ihren SScfud) 
für ba§ näd)fte Sahr in 9ht8ficht [teilte, Joweit ihr (BefuubheitS 
guftanb bie§ irgenb geftatte^ (&äln. 3tö-) 
^arlautentarifcge 
§§ 2)ie 33ubgettommiffion be§ $Reid)§tag§ berieth heute 
ben 93larineetat. gu ^Referenten ftnb bie 5lbgg. ^alle unb 
Dr. b. grege befteüt. 2)ie Einnahmen paffrte'n anftaub§lo§, 
ebenfo bie 2iu§gaben für ba§ 3ieich^93tarine*2lmt, bie 0ecwarte, 
bie 0tation§iutenbantuven, bie 9iecht§pflege unb bie 0eel{orge. 
S3ei bem Kapitel: 9)lilitärperional giebt §lbg. ^alle bem SÖunf^e 
2ln§brud, bag alle alten 0d)iffe, weld)e nicht gu 91ebengweden Per 
wenbung pnben fonnen, berfauft würben, ba fonft bie gagl be§ 
PerjonalS ftch ftetig berntehien utügte, weil alle 0d)iffe befegt fein 
mügten. 5lud) bie Äoftcn für Reparaturen fönuten auf bieje 2öei{e 
berminbert werben. Slbg. b. grege erbittet §lu8fnnft, ob noch 
Mangel an Perfoüal bertfänben fet. RegierungSjeitig wirb 
erwibert: 2)ie gegenwärtigen (Einrichtungen erforbern ein 
grögere§ perfoual al§ borher, aber ber Pebarf fei bollig gebeeft, ja 
wir wären fogar im 0tanbe ebent. noch mehr perfoual eingufteUen. 
®en Sßnnfch, bie alten 0chiffe au^gurangiren, theile bic Regierung, 
bod) wäre eine gu fd}ncHe Peräugerung unpraftifch# gumal bie alten 
0d)iffe häuftg nocl) gu anbereu Sieden, gu Permeffungen unb 
bergl. Perweubung gnben. Slbg. b. grandenftein (Zentrum) 
geigt e§ in ber fiomöbie „La Cortigiana“, unb „über bte 
Freiheit unb ©ienftbavfeit" bad)le er einen SEvaftat gu fdireiben. 
Rriofto nannte ihn im guvtofo bie „©eigel ber gitrften" unb 
biefen Stiel acceptirte er mit ©tolg, lieg il)it bou bcu Srutfern 
über feine 33üd)er fegen. 6r fpielte ben Pertheibigcr beö bc= 
bürftigen mtb noUjleibenbett Pevbienftel „SDRetne geber, be* 
waffnet mit ihrem ©chredett", fo fegrieb er au ©taunantonio 
ba goügtto, „hat bewirft, bag bie SWädjttgen in ftd) gingen 
unb bie fdjßnen ©elfter aufnahmen mit ergwungener §öfltd}« 
feit." ©o [teilte Pietro Slretino in einer 3^tt, in welcher e^ 
Weber Bettungen nod) parlautentartfdje Äörperfchaften ttt Statten 
gab, in gewiffem SJiage bte öffentliche Meinung bar. £)iefe^ 
Perbienft barf ihm audh tro§ allen SuSfdjrcitmtgett, bie er fich 
gu ©chulben fomuten lieg, uid)t gejehmälert werben. 
©. ©. 
befürwortet ebenfalls beit möglichft befchlennigtcn Perfanf ber' 
alten 0cl)iffe, auch um bie ^ufteuheoölferung nicht gu fel)r gmn 
2)ienft heraugugiehen nnb fo bereu Sntereffen gu fchäbigeit. Slbg. 
Dr. § er ntcS (bf.) ftimmte biejer iuffaffung bei uttb eiflärt ftch 
gegen bie int ©tat geforberte ReuanfteUung einbritten 
PiccabmiralS. 2)iefe SluSgabe fomte fehr wohl ttod) htnauSge* 
fchoben werben. 2)er RegierungSoertreter führt auS: 4)ie 
alljährlich gu befonberen wichtigen Hebungen unter ber Pemamutng ber 
Rlanöoerflotte au§ einigen (Befchwabern gufammengegogeuen ©treit* 
fräfte würben bisher bon einem ^ontre-lUbmiral fommanbirt, unb 
gwar würben htergtt bie 0tatlou§*©hefS ober R?arine»Snfpefteure 
unter geitweiliger (Enthebung Oon ihrer 2)ienftfteüung »om’Sattbe 
heraitgegogen. 9DRit Rüdftcht auf ben Umfang unb bie 2)auer 
tiefer Ucbiutgen unb bie PMcbtigfeit ber gu löf^nben Slufgaben, 
fowie befonberS barauf, bag tiefe glotte im Kriegsfälle ber 4>aupt- 
beftanbtheil ber fchwimmenben ©treitfräfte fein wiro, ift eS geboten, 
einen Dfpgier für biefelbe bauerub gur Perfügung gu haben. 2)er 
Rang eines Pice=$lbmiralS tft für beitfelben auS militärifchcn 
03rünben erforberlich. 2)ie beiben als ©tationS*©hcfS fungirenben 
Pice*2lbmirale gu tiefem Kommanboberangitgiehen, fei ohne ©dfäbtgung 
ber bienftlichen Sntereffen für bie geige nicht angängig, ba biefe glagg* 
Dfpgiere fowohl int grieben als and) im v^riege in ihren ©teüungen 
unabfömmltch feien. 2)ie 5lbgg. Dr. Pürf’ltn unb äßör.maun 
(nat.dib.), (Braf ©albern (fonf.) befürworteten bie Pewiütgitng 
ber OrtatSforberungen, Söormann ift ber Rnpcht, tag in golge 
ber Perutehnutg beS 93tafd)inenperfonalS bie Reparaturfoften in 
p,nfuuft geringer fein würben. £ermeS will bie fRehrforberuitgen 
für Riafdjineningenieure bewilligen, wirb jebod) gegen ben neuen 
Piceabmtral ftimmen. Slbg. o. Duette (dentrttni): SDer gegen* 
wattige ©tat legt ttnS gaüg befonberS bie Pgicbt auf, fparfam gu 
fein unb bie gepellten gorberungeit eiitgebenb gu prüfen; 
uubebingt gebunbett fei übrigens ber Reichstag nicht bttvd) 
©enchmigttng ber früher Oorgelegten ©entfehrift, unb bie 
abfolute Rothwenbigteit für bie RRehrforberungeit fdjeine ihm 
nicht erbracht. 5lbg. grigeu (Sentvtun): Pollen ©chup beS ©igen* 
thumS gur ©ee tonne and) bie hefte Putrine nicht gewähren. 2)agu 
muffe baS prioateigeuthum unter bölferrechtlichen ©chug gepellt 
werben. 2lbg. Dr. Pan mb ach (i>freif.) theilt biefe Sluffaffung itnb 
hebt hevbor, bag bie öffentliche Meinung (EngTanbS in biefer 4bin* 
pdp ftch in legtet 3 e it etttgegenfpmuteuber gegeigt habe. Slbg. 
Sßormann hat bon einem folchen Umfchwuug nichts bemerft. 
3lbg. ©elbrrtd (Reich^partei) entppehUbie Zunahme ber RegtevüugS» 
borlage. Pet ber 2lbpimmung wirb bie Rtehrforberuug für einen 
neuen Piceabmiral, 13 200 Riarf, mit 13 gegen 11 (Stimmen 
bewilligt. Sn £ttcl 2 werben neu geforbert 50 760 RTf. fitt bret 
Korbettew&apitäne u. f. w. $ier Werben auf Antrag beS grhrn. 
b. grandenftein gegrüben 1 KoroettewKapitän (6300 9)7!.), 
1 KapitäU’Öientenant 1. Klaffe (4500 9M), 1 foldier 2. Klaffe 
(3120 9Jd.) unb 2 Lieutenants gur ©ee mit je 1500 9)7!. 2)ie 
Pcrmchnutg ber 25cdorpgiere wirb alSbaint nach ben Pcrfdgagen 
beS (StatS (7 ©edofpgiere mehr für bie 9)7atrofenbibipouen, unb 
33 ber Söerftbibiponeit, gufanunen 66 300 9)7!.) genehmigt, ebenfo 
bte Silage für einen als 9ftatinebeboHmäd)tigten nach Roin gu 
fommaubirenben ©eeofpgier im Petrage bon 10 000 9)7!. — 2)ie 
Perathungen werben morgen fovtgeje^t. 
(N. L. €.) Sn einer gufammenfaffeitben Pcfprechung ber 
Paufgefe^bebatte fdn’eibeu bie „9)7edlcnburgifchcn 91ad)richten", 
baS Drgan ber mcdlenburgifchen Konfcroatiben: „2)aS reine Pan!* 
intereffe bertrat ber Slbg. Püfiug. (Er pellte grantreich, wo bie 
Pörfe ben ©taat beherrfcht, alä 9)7ufter hüt unb wehrte jebe 
anbere Sttfammenfehung beS 2luSfd)upeS, jebe (Ergättgung beffelben 
burd) Subuftrielle unb Lanbwirthe ab. 2)ie Herren bon 
ber ginaitg wollen lieber „unter ftdj" bleiben unb baS 
bisherige ©tillleben geh ungern gören laffett." ©o bie „9)7edlen* 
burgifd)en Rachri^teu". 9)?an ift in berartigen Peleudjtuugen 
parlamentarifcher Reben ein reiches 9)7ag bon (Sutgelluug unb 
Unterpeilung gewohnt; bie rein auS ber Lnft gegriffene ©rfhtbung 
aber, wie pe hier auftritt, gehört bemt bod) gu beit ©eltenheiten. 
$erru Püftng ift eS mit feinem Sorte eingefallen, graidreich als 
9)7uper hittgugelletL- - 
3« ben ttäcgjlctt aBci^Xett. 
— Die „Rat.*Lib. Korr/' fchveibt: lieber bie fogial* 
bemofvatifche Parole ber Sahleitthaltung bei allen 
©tid)wählen, wo nid)t fogialbemofvatifche- Kanbibaten betheiligt 
ftnb, beobachten bie beutfdffrciffunigen Plätter noch ein berlegeneS 
©tiUfchweigen. Sie empffublich aber btefe Partei bon einem 
folchen Pejchluffe, wenn erpveng biU’chgefül)rt wirb, betroffen würbe, 
2Da§ ttene Stefhtcv^aJittfcum in fpannonev. 
Slnt 9. 97obember ift in ^aititober ein ftäbtifdjeS Shifeunt 
eröffnet worben, baS matt nach ben Pegrünbern unb bem 
©tifter ber ^auptfammlung Keftners9)7ufeum genannt hat uub 
baS feines SßertheS unb feiner (Sntftehitng wegen bte Peacfftung 
auswärtiger Äunftfreuitbe wohl berbient. 2bte ©aumilungen 
ftnb gwar Weber neu ttod) unbclattnt, aber hoch erft jegt r nach- 
bem ein ftaltlicheS ®ebäube fie aufgenontmett hat, aUgemettt 
gugättgltdj geworben. 5)er erfte ©d)ritt gur (Srrid)* 
tung biefe» ©ebäubeS würbe im gvühjahre 1884 ge= 
ntad)t, als Hermann Keftner, ein Gitfel bon „SBertherS 
Lotte", bem SJlagiftrate ber ©labt ^annober mittheilte, bag er 
feine Kunftfamntlmtg nebft einer Saufumme bon 100 000 SÄarl 
feiner Paterftabt übergeben würbe, wenn bte legiere ein wür- 
bigeS ©ebäube gur äluffteümtg feiner Kmtftjchäge errichten 
wolle. 9)7an ging auf biefcS Sluerbieteit ein mtb nad) einem 
bon bem 3lvd)iteften ®7and)ot in SÄannhetm h^i'iühvenben 6nt- 
Wurfe ift in ben Sahren 1886 uttb 1887 ein Pau erridpet 
worben, ber, in ebiern Renaiffanceftil gehalten, \)zi\z unb ge* 
räumige ©äle bietet, welche bte Sammlungen im güitgtgfien 
ßidpe geigen. 
£)er Pegvüitber ber ©tammfantmlung, Wenn wir uns fo 
ctuSbrüden büvfett, war ©eorg Keftner, ber ältefte ©ohtt boit 
Sohann ßhriftian Keftner unb ßotte Puff. 8lm 1. SRat 1774 
in £annober geboren, war er 3lrd)ibratl) unb ftarb bafelbft hod)* 
bejahrt am 22. Dftober 1867. Rach feiner Peftimmuitg ging 
feine Sammlung auf feinen jüngften ©ohn ^ermann über, 
währenb ber ältere ©o!)n bie wcrth^oKen Slutograph^n 
erbte. Ptergehit Sahre früher h^tte bie Sammlung eine erfte 
grogarttge Pereid)erung erfahren, inbent nach bem $obe bon 
Ruguft Keftner bie Sammlung beS Segteren mit ihr bereinigt 
würbe. 2luguft Keftner, ber fogeitannte römi)d)e Keftner, war 
als bierter ©ohn SottenS am 28. Robentber 1777 geboren 
worben, unb fdjeutt ber bebeuteitbfte ihrer ©ohne geWefen §u 
fein. 3)en grögten SEl)eiI feines ßebenS befrachte er in 
rühvtgfter 2l)ätigfeit in Rout, wo er hannober'fdjcr SRinifter® 
refibcut am päpftltchen Stuhle uitb Picepräpbeut beS 
avd)äologifd)en SnfiituteS War. ®oethe erwähnt il)tt 
in feinem Priefwedhfel; er war eS, ber Sluguft ®oethe 
ia feiner fd)Weren Kvaidfjeit bciftaitb, feine ßeiäje 
geht barauS hetbor, bag bon ben gegenwärtigen 35 beutphfreiffmugeft 
Reid)StagSabgeorbneten nicht weniger als 11 beim erften SöahD 
gang weniger Stimmen als ihr nationalliberater ober jEoufer* 
batioer ©egeidvtnbibat erhalten hatten, erft in ber Stichwahl 
burd) birefte 4M’tlfe ber ©ogtalbemolraten gewählt ffttb nnb 
biefen leütern alfo eingtg unb allein ihre 9)7anbate berbaitfen. (SS 
pnb bies" 1. Pird)ow*Perlin, 2. Diidert*Pranbeubitrg, 3. Prömel* 
Stettin, 4. LitberS*(Börlig, 5. Dr. 937et)er*§aae, 6. Ridel*^anau, 
7. ©chntibt *97emfd)eib, 8. Puböeberg *3ittau, 9. Ridert, uad)her 
£rägcr*3cber, 10. ©iemenS^olutrg, 11. Puüe»Premen. OTe bieje 
Slbgeorbueten würben bet SBahlentljaltmtg ber ©ogialbemofratea 
in ber Stichwahl unterlegen fein. (Sine Reihe anberer gegen 
wärtiger beutfehfreipnniger Reicl)StagSabgeorbiteter hätte gwar 
fdjon im erften SBahiflattg eine geringe 9)7ehrheit über beit 
KarteHfanbibaten, ber SUtSfaü ber ©tid)wa!)l gu ihren ©ungeit 
wäre aber hoch fehr gweifelhaft gewefen, wenn hierbei nicht 
bie ©ogialbeuto!ratcn ihnen beigefpntngen wären, bon beujettigen 
9öahl!reifen, wo bte fogialbemorrattfd)en ©tintmen gleich tut erften 
Söahlgang auf ben beutfeh-freiftnnigen Kanbibaten geleit, gattg gu 
fd)wei*gen. 9)7an geht, weldje Lebensfrage für bie beutfd)*freignnige 
Partei bie fogialbemo!ratifd)e Untevftü^ung ift unb wie empgnblid) 
eS ge treffen würbe, wenn wirflid) biefe Krüde gerbredjen füllte. 
Slber bie 2)eutfd)*greignnigen werben geh wohl mit ber Hoffnung 
trögen, bag trog aller Pßählparolett in ber ©tunbe ber 9totl) bie 
©ogialbemofrateit hoch uod) jebeSutal hulfretch beigefpruttgett futb. 
Köuigltd) ^veugifdjeS ßanbeSsDefommticsKoUegittun 
Perltn, 13. 97obember. 
Sn ber heutigen ©igung erfchien gleid) bet Peginit int Sluftrage 
beS Reid)S'3ufiigantteS 'UuVcrftaatS^Sefretär Dr. o. Del)lfd)lägcv. 
(5‘S würbe heute guttächp bie Debatte über bie Punfte 2 bis 8 beS 
geftern bereits mitgetheilten, oon Pvofeffor Dr. 2)iec!erhoff befür 
worteten Eintrages, betreffenb bie (Bewäbrleigitng beim 
Piehhanbcl fortgefegt. Pei bem Punft .7 eutfpann ftch 
eine längere Debatte, wobei gang befonberS Ritterguts- 
befiüer Defottontie * Rath Knauer für Einnahme feines 
geftern mitgetheilten SlntrageS eintrat. 2)er Punft, ber ba laute: 
„2)er (Erwerber hat oon bein Rcangel tbunlicbft halb nach erlangter 
Kenntuig beut Peräügerer Riitthetlung gu machen" fei gu wenig 
prägiS uttb nur gu geeignet, bie Lattbwirihe unter Uinftänben auffS 
(Emppttblichpe gu fdjäbigen. 25er Pegrtff „thuuUchP halb" fei allgtt 
behubat. (Er erfnehe bäher, feinem ßlittrage, ber eilte grift oott 24 
©tuitbcn oerlaitge, guguftintmen. — RtttergutSbept3er 0. 97abec!e 
(Rebben) beantragte, in bem pun!t 7 gu fagen: „binnen 
3 Sagen." — (Bebeinter RegierungSratl) Dr. ^ernteS (Perltn) mtb 
RittergutSbegger SßolterS (JDüffelborf) beantragten, ben Punft 7 
wie folgt gu faffett: „2)er (Erwerber hat Oott bem 9Jiaitgel thmtlid)g 
halb nad) erlangter Kenntuig bem Peräugerer Slngeige gu machen, 
er haftet beut Peräitgerer für ben (Erfag beS bitrch baS Hnterlaffen 
ber Sittgeige entftanbenen ©djabenS. SP bte Slttgeige binnen bei 
gcfetjlichcn PerjährungSfrift erfolgt, jo bleibt bie (Einrebe beS 
(Erwerbers begehen." — Rad) noch längerer 25ebatte würbe 
ber erfte ©ag beS ^pcrmeS-SföolterS’fihen Antrages ange 
nommen. 2>er legte ©ag bagegen, fowie bie Anträge Knauei 
itnb oott Rabede abgelehnt. — Snt PLeiteren gelangten 
alle anberen punfte nach bem Porfd)lage ber Komntifpott, begw. 
beS Prof. Dr. ©iederhoff gur Mitnahme. — Den folgeitben ©egeit- 
pattb hütete bie ^rage: „SP mit bem (Entwürfe bent 937iether unb 
bem Pächter itnbefdn-anft gu gepatten, beit oertragSmägigeit ©e- 
braud) ber gemietheten ober gepad)teten Sache einem ßtnberen gu 
überlaffeit, inSbefoitbere bitrch Abtretung beS 9)7ieth§» ober Pad)t- 
rechteS, ober burd) Slftcroermiethnng ober 2lfterOerpad)tung?" Pott 
berKommifgon liegt folgenber Slntrag oor: „2)aS LattbeS-Defonomie- 
Kollegium wollebefchliegen: bem9Riether(Päd)ter)ift ohtteSupimnuutg 
beS PermietherS (PeipächterS) nicht gegattet, ben oertragSmägigen 
©ebraud) ber gemietheten ober qepadtteten ©ad)e einem aitbern gu 
überlaffeit, ittSbefonbcre burch Abtretung beS 9)7ieth* ober Pacht* 
red)teS, ober burch §lfteroevmiett)uug ober 5Ifteroerpad)tung. 
DiefeS Pringip bebarf jebod) gewiffer, burd) bie Piüigfeiä 
gegen ben 9Jiiether unb ben Pädper, fowie bitrd) bie 
Rüdffcht auf baS Sntereffe ber ©läubiger beS 9)tietherS 
unb Pächters gebotenen 9Jioöifffattouen, weld)e ber ©efeg* 
geber bei SluSgeftaltung jenes PrittgipS im (Eingeluen bemeffen 
wirb. — Sn ber Kommifgon würbe nod) beantragt: ben § 538 
burch folgeitbe Peffimumng gu erfegen: „Stirbt ber Pächter, fo ftnb 
gur Ruheftätte leitete mtb bem Pater ttt fdwnenbfter 2Bet)e bie 
Radnicgt oon bent £obe fetueS ©ohneS nttüheilte. Sn einer 
1818 evfd)ieueneit Schrift: „Heber bie 97ad)abmititg in ber 
Rialerei" war er ©oetge’S äfthettfdjen Rnftdpctt entgegeitgctreten, 
ohne beffen SBohlwolleit ciitgubügeit. giftig fammelnb, liebettS* 
würbig im Kretfe ber bebeutenbften beiitfchen unb fuemben 
Künftier, bie ttt Rom lebten, Oerfehmtb, hat er geh um bie 
beittfdye Literatur burch bie Verausgabe ber Prtefe ©oetge’S an 
Kepiter uub ßotte oerbient gemgdtt. ©ie erfd)ienen, nacl)bem 
er bie Vinberniffe, Weld)e bie fJÄmilie ber Peröffenüid)iutg c\\U 
gegeufegte, überwunbett hatte, furg oor feinem £obe am 5. 
9)7ärg 1853. 
kluger ben ©ammlungen tiefer 9)7ämtet enthält baS neue 
9Jiitfeunt bie grogartige beS Senators ßulentann, welche nach 
bem &obe beS PeftgerS oor einigen fahren burch ben Staat 
mtb bie ©tabt angefauft worben ift. Die Kaufjtimnte, gu ber 
bie Regierung bie Välfte beifteuerte, betrug 600 000 9)7arf. 
(Sine geringere Permehnmg erfuhr bte ©amutluitg 1886 burd) 
ein Permädjtnig beS oergorbeneit DberbaurathS 9)7ithoff in 
Vannooer, beS 3Sefd)reibcrS ber Kunftbeufmäler ber Prooiug 
Vaitnooer. 
SBähreitb bie unteren Räume gur Slufnahme beS ftäbtifchen 
5lvd)ioS unb ein Slttbau für bie ©tabtbibliothef beftimmt ftnb, 
bienen bie Räume beS erften unb gweiten ©tocfeS, mit StuS* 
nähme eines geräumigen PortragfaaleS, auSid)lieglid) bcnKunfts 
fd)ägett. Diefe begehen aus cigi)pttfd)en unb röntifdjen RIter* 
thümern, mittelalterlichen Kunftgegenftänbeit, Vättbfd)rijten, 
SBiegeitbrucfeit unb ©emälben. 
Der ägpptifche ©aal enthält ntaitd)en werthOoKen ©egett^ 
ftaub, oor allem ©rabftele uttb eine reid)l)altige, überpchtlich 
georbitete ©carabäenfanmtluitg. Darunter bepnbet fid) ein 
©carabäuS, ben ßepftitS währenb feitteS Aufenthaltes in 
Aegppteit altfertigen unb mit ber folgeitben Unterfdjrift oerfehen 
lieg: „3m ad)ten %ofyxt unter ber 9Rajeftät beS ©ogneS ber 
©omte, griebrid) SSBillielm beS V^iid)erS tu Pieugen, beS'mit 
ewigem ßeben befchenften." Die ältefte ©rabftele ; ftannnt auS 
ber RegierungSgeit ber fünften Dgitaftie. Audh eilt PappritS 
mit einem Fragmente beS SobtenbudjeS ift oorhanben, fowie 
eine Reihe oon prächtigen Ptongeit aus altägi)ptifd)er £eit, 
Urnen unb Statuetten oon ©öttern unb ^eiligen Dhteren. 
3m vomifchen ©aale gieljen befonberS gwei f^höne, gu Athen 
gearbeitete Amphoren auS bem 5. unb 6. Säh^unbert an, bie 
eine ift mit einer Darftelluitg beS UrtfjeilS beS Paris gef^müdt, 
bie anbere geigt SgefeuS im Kampfe mit bent 9JlinotauruS. 
Alte etrurifche Pafen, fd)öite Prongeit, Leuchter in gorm ooit 
Kletterbäumen, fowie eine 3J7üitgfamutimtg, bie eine Oollftänbige 
3ufammeitftellung ber römifdjen gamilteitmüttjen btlbett, ragen 
hier oor Allem heroor. 
3n einem biefe beiben Abtheilungen oerbiitbenbeit ©aale 
Bepnben ftch Väubfchriften, Urfuubeit unb feltene Drude. Die 
ältefte Vänbfd)rift fdjeint aus ! bem achten Sähihnnbert gu 
ftammen; fie enthält bie Prtefe beS Apoftei Paulus. 3 u nächft 
folgen Alfuin’S Abhanbluitg über bie Rebefuuft auS bem gehnteit 
3al)rf)unbert unb eine lateiit(f<he Pibel auS bem breigehnten 
3al)rl)unbert. (Ein Platt aus einer SitureLVanbfdmft mtb 
eine ©eite auS einer Vanbfchrift beS Parlaant unb S^fubhät, 
fowie eine Le&euSbefchrei&ung beS heiligen Autor, aus einer 
ftorifegitng im erpett Peiblatt. 
brauttfd)Wetgi](hen (Shronif herrüfirenb, btlbett Proben oon bem 
©dhriftwefeit beS oieigehittett 3äl)rl)unbertS. (Sin mit 9Rittiatitren 
gegiertes ©ebetbud) oertntt baS füufgchnte 3 a h^httubert. (Eilt 
Kapen enthält Priefe ©chiüer’S uub feiner grau, fowie bte 
Originalausgaben ber Sbalta, beS „©etperfehcrS", ber $or.en-, 
beS „Seil" uub ber „9)7aria Stuart." (Eilt anberer Kapen 
enthält Priefe unb Unterjchriften oon SBallettgeiit, Silit), 
Pappenheim, Karl V., SruttbSberg, SRaria ©tuart unb (Elija* 
bell), ©er intereffantefie mag ber fraitgöftfd)e Prtef ber 937ana 
©tuavt feinem Suhälte nach fein; er begeugt baS Pertrauen, 
baS fie trog ihrer fdjlimmeit- Lage hatte. 3 n einem britten 
Kaften bepnben ftd) neben einem ©ebidjte oon Völtt) „©er 
rechte ©ebraud) beS ßebettS", Priefe oott Klopgod, Statuier, 
Ricolai, SRettbelSfoljn, ©eume, SRogart, Väubel, Poltaire unb 
Rouffeau. 
gut gweiten ©todwerf gieht I)auptfäd)lich bte ooit bem 
©enator ©ulemamt angelegte ©antntluitg mittelalterlicher Kunfi* 
gegenftänbe an. $iev befiitben ftd) in äBanbfdjränfeit reid) ge* 
ftidte SReggewättber aus bem breigehnten mtb Reliquienbeutelchen 
aus bem achten uub neunten Snhihunbert, fowte eine Reliquien* 
büpe mit bem ©cbäbel eines Veüigen. 3tt anberen ©chränfen 
gehen Reliquieufäftd)en mit gvaoirten V^Higettpguren, bereit 
Kopie plaftifd) gebilbet ftnb, in (Silber getriebene ©tatuetten 
ber Apoftel Petrus mtb Paulus mtb ein felteneS Sibortunt, baS 
eine Saube bilbet. Anbere ©laSfchreitte entgalten (Elfenbein* 
mtb VoIgjd)nigereien, oon betten ein VauSaltärchen auS ben 
Anfängen beS fed)Sgehnten unb eine ®7abomta mit (EhnftuS auS 
bem oiergehuten 3 a hthttnbert aeitamtt feien, ©in Kitriojunt 
ift baS hier beftnblid)e gtttteral ber fd)Webifd)eit KöntgSfroite, 
baS, wie man hört, oon (Sulentann in einem Pauernhaufe gu 
SBalfcnvieb entbedt worben ift, wo man eS als Kaffeebüdffe 
benug’te. ©ulentann hat eS fpäter nach Schweben gefaubt, wo 
ntatr ben SBerth beS gttnbeS erfannte uitb fdjägte. ©aS runbe 
Futteral begeht auS ftarfem Leber mit Pergtevungen unb 3tt fl 
fegriften fowie ber Säh^Jäbl 1250. 
SEßaS baS 9)7ufeum an Pilbern enthält, tft oon geringerer 
Pebeutung. @ie ftammen gumeift auS ber Keftner’fdjen ©amnt* 
Iung unb ftttb in einem fd)öiten, burd) Dberlidg erhellten Raunt 
bereinigt. Reben einem Raphael beigelegten ^^nenbilbntg 
bürfte eilt Aquarell „©hnflnS unter bem Kreug" oott ©ürer f 
baS leibet fchledg erhalten ift, baS bebeuteitbfte ©tüd ber ©amm* 
Imtg fein, ©aneben ftnb gu nennen: ein Pilb oon ©araoaggio. 
eine ßueregia oon ©obbonta, fowie bie Katharina (Sontaro oon 
Porborte. ©ine V^ubgeichnung oon ©oetge, mehrere oon 
Preller mtb Rtcolai’S Pilbttig oon ©gobowiedi gaben 
einen eigenen Reig. Reicggnltiger unb bebcuteitber ftnb bie 
gumeift in ©d)iebefäftd)en bewahrten Kupferfticge, Welcge int 
97ebenraume untergebraht ftnb. Rur wenige bieten fiel) bem 
Pefd)auer unter ©laS nnb Ragnten. ©S bepnben ftch in bie* 
fern Kabinet, attger oielen ©tichen oon ©ürer, fold)e oon 
LucaS ©rattach, Purgfmair, 237artin ©egongauer unb Pteifter 
©iUeS. 
AlteS in allem baff bte ©tabt Vamtöoer pd) beS neuert 
PefigeS freuen unb froh barüber fein, bag baS ProOingmt* 
Plujeum eine fo oovtrefffiege ©rgängttng erhalten gat. ©ie 
Leitung beS PlitfeumS l)ät Verr Dr. @d)ud)arbt übernommen*, 
Robert PhilippStgal.
	        

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