Full text: Über den Liebesgott

©Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 204 
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noch die dichter des mittelalters säumen nicht uns frau Minne alsein persön 
liches, der liebe vorstehendes, die liebe weckendes, die herzen bindendes 
wesen aufzuführen (*); wer den liebesgott als ihren sohn, wie Eros der Afro- 
dite fassen und dem sohn alle eigenschaften der mutter einräumen wollte, 
könnte nicht irren, auf diesem punct rinnen mutter und sohn ganz in einander. 
In einer schönen stelle des wolframischen Titurel 63 heifst es geradezu: ,AI£tT3k foä 
fliuget minne ungerne üf hant, ich kan minne locken, ^ 
d.h. sie erscheint als fliegender vogel, den man heran lockt (dafs er mit den 
Hügeln rauschend schlage), oder selbst als beflügelt, und nicht anders werden 
ihr sper, lanze, pfeil oder stral, mit welchen sie, mutter wie sohn, die men- 
sehen verwunde, zugeschrieben. Wenn aber ebenda auch die naive frage 
gestellt wird: minne ist daz ein er, ist daz ein sie? oder im gedieht von u^vuXK 
Mai 64, 26: ?! <f*e* ***'' 
ist minne wip oder man? l.c«p. 
so gemahnt mich das an des Sokrates frage (sympos. 199) 7totsqcv ecrn roiovrog 
oTog slvcci nvog o’'Egu)g squog, y\ cvbevcg; ei fJLYir^og nvog yj irargog lern; die fragenden 
wüsten nicht, wie sie das geisterhaft niedergeflogene wesen auffassen sollten* 
männlich oder weiblich? darum gilt Eros für einen zwitter. 
Nicht anders als frau Minne auf denken und sinnen ist auch ein gött 
liches wesen altnordischer mythologie, welcher sonst der frauenname Minne 
abgeht, einleuchtend auf dasselbe Seelenvermögen zu beziehen, denn aufser 
Freyja, der grofsen liebesgöttin und Frigg der göttermutter, deren benen- 
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^Juvi^NG. ^y' g (. / siöfn zugleich braut, siafni bräutigam, freier, bule, und diese Wörter hän- 
^ ^ ^ g en doch zusammen mit sefi, ags. sefa, alts. sebo mens, animus, insofern 
/mW. iQMruX ul/ aul sefan söf, goth. safjan sof=sapere, intelligere aus einem ältern sifan saf, 
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im\e ÜJji . slvcct. ganz wie ein dichter des mittelalters den bulern zu lügen er-» 
yrDuo*. mirvTv^ yi*K- \j \ £VII. 2ait*oJL • <XuiA Waitu (12 
IAA?*.. _ ü tor-Qi 848, allegorische gedichte schildern ihre bürg und ihr gefolge; aber Von* Jv 
nung zum goth. frijon amare, skr. pri, sl. prijati fällte zählt die edda unter den 
,£Öttinnen auch eine Siöfn her, die alle herzen zur liebe reize, nun heifst 
^^%iban saf abstammt, da siöfn und siafni nothwendig ein goth. sibna (wie goth. 
1 ibns ibna = altn. iafn iöfn) fordern, hierdurch würde zugleich ein Übergang 
gewonnen auf die dem wort und der sache nach verwandte, doch von Siöfn 
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j A ' j ö g m auch in der heimischen heldensage treten frau Minne und Sigeminne auf, im wald und i 
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im meer wohnen waltminnen und merminnen, DM. 404. 405. 455. 
bei Dronke n. 607 und Minne MS. 1,14 a . jb^' Y ' e ä)9Y)'iVne 
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