Full text: Über das Verbrennen der Leichen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 203 
über das verbrennen der leichen. 
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Nicht allein witwen verbrennen sich mit dem gemahl, es kommt auch 
vor dafs eitern der leiche des geliebten sohns in die flamme folgen; so star 
ben in einer episode des Ramäjana der blinde vater und die mutter des ein- 
siedlers, den Dasaratha aus versehn erschlagen hatte. (*) Im Vetälapanca- 
vinsati verbrennt sich ein freier mit der gestorbnen geliebten. 
Unheilbare kranke veranstalten selbst ihre Verbrennung und bringen 
sich auf diese weise ums leben, was an Herakles und den herulischen wie 
thüringischen brand erinnert. 
Überall aber stand es im freien willen der witwen, ob sie sich mit 
verbrennen wollten und nicht zu bezweifeln ist, dafs es oft unterblieb, wie 
auch, wenigstens neuere reisende das mitverbrennen als ausnahme darstel- 
len, die jedesmal grofses aufsehn errege. ( 2 ) g^ 0 
Der scheiterhaufe heifst im skr. tschitä oder auch tschajana, beide 
von der wurzel tschi colligere (Bopp 119 L 123 a 124 a ), d.i. der geschichtete 
holz und reiserhaufe, ignis collectitius. Im Ramäjana 2,76 findet sich aber 
eir^; ausführliche, lehrreiche Schilderung des holzstofses, auf welchem Da- 
atha verbrannt wurde und auch seine gemahlin Kausalija mitsterben 
ollte, obgleich es nicht dazu kam. Der leichnam wird auf einer bahre aus 
getragen, gold und gewänder werden vor ihm gestreut, geschichtet aber 
wird der scheiterhaufe aus devadäruholz, götterbaumholz, pinus devadäru 
(Lassen 1,46. 252); in Bengalen verwendet man dazu die uvaria longifolia, 
im Dekhan erythroxylon sideroxyloides, welches ein wilder dornstrauch ist, 
prunus silvestris, so dafs unsre aufmerksamkeit hier wieder dahin gerich 
tet wird, wo wir schon die einstimmung des griechischen und altdeutschen 
brauchs wahrnahmen ( 3 ); auch in unserm alterthum müssen bestimmte 
holzarten heiliges feuerholz gewesen sein, duftende gerüche werden ge 
sprengt und unter priesterlichem weihgesang die Scheiter entzündet. 
(t) Holtzmanns Valmiki s. 137. 
( 2 ) man vergleiche die anziehenden beispiele, welche Arnkiel im cimbrischen heidenthum 
3. 104-110 und Klemm in seiner culturgeschichte 7, l43-l47 gesammelt haben. 
( 3 ) Colebrooke 1,151 sagt: the fuel used at sacrifices must be wood of the racemiferous 
figtree, the leafy butea, or the catechu mimosa. it should seem however, that the prickly ade- 
nanthera (samt, adenanthera aculeata, ein dornstrauch) or even the mango may be used. the 
wood is cut into small loges, a span long, and not thicker than a mans fist. anderwärts finde 
ich noch andre Sträuche und hölzer genannt. 
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