Full text: Über das Verbrennen der Leichen

über das verbrennen der leichen. 
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von welchem zuletzt wieder abgewichen wurde, als die menschheit fähig ge 
worden war noch allgemeinere stufen ihrer Veredlung zu betreten. 
Unleugbar sagt es dem nächsten menschlichen gefühl zu, dafs die 
leiche unangetastet und sich selbst überlassen bleibe, deckt sie der lebende 
mit erde oder birgt er sie tiefer in der erde schofs, so geschieht seiner pflicht 
genüge und es tröstet ihn, dafs der geliebte todte noch unter dem nahen hügel 
weile, dem todten hat sich das äuge wie im schlaf geschlossen, er heifst ein 
entschlafner, es ist kindlichem glauben gemäfs, dafs er aus diesem Schlum 
mer wieder erwachen werde, wer wollte den schlummernden verletzen? ( j ) 
Sein gebein soll sanft ruhen und von der erde nicht gedrückt. ( 2 ) Einer 
mutter gleich hat die erde den aus ihr gebornen in sich zurück empfangen 
und lieblich nannten die Griechen einen todten den der mutter ge 
hörigen; in das element das ihn erzeugt hatte wird er aufgelöst und gleich 
dem fruchtkorn eingesenkt, at mihi quidem, sagt Cicero (de legib. 2. 22, 
26) antiquissimum sepulturae genus illud fuisse videtur, quo apud Xeno- 
phontem Cyrus utitur. redditur enim terrae corpus, et ita locatum ac situm insi. VIII.7/^5 
quasi operimento matris obducitur. Einem nackt liegenden erschlagnen wirft [(ußv ^ 
der vorübergehende und erbarmende eine handvoll erde auf die brust, gleich- ^ ^i 
sam um jenes recht der unterweit, dem er nicht entzogen werden soll, sym- ” * ^ < 
bolisch anzuerkennen. ( 3 ) Staub soll wieder zu staub werden. ( 4 ) 'fevtae co 
Allein auch dem verbrennen liegen sehr einfache und erhebende vor- 
Stellungen unter. Von anfang an war dem menschen das feuer heilig, dessen 
gebrauch ihn wesentlich von allen thieren abscheidet; im feuer bringt er 
( 1 ) Auch läfst der Volksglaube den begrabnen ein gewisses leben fortsetzen, d. h. unzer- 
stört bleiben, um ihn geweinte thränen lebender netzen dem todten das bemd; mitternachts 
tritt die mutter aus ihrer gruft und gebt beim den verwaisten Säugling zu stillen, die kinder 
zu kämmen, der sohn nabt sich des vaters grab, zwingt ihn zur rede und heifst sieb das 
schwert heraus reichen, andern begrabnen soll ein fenster im hügel offen stehn bleiben, durch 
welches ihnen die nachtigall den frühling ansingen könne, alle diese Vorstellungen müssen auf 
hören sobald man sich den leib in staub zerfallen denkt. 
( 2 ) Daher die schönen formein: sit tibi terra levis! ne gravis esse velis! tu levis ossa tegas! 
molliter ossa cubent! amica tellus ut des bospitium ossibus u. s. w. 
(3) Wo das rothkelchen einen erschlagnen im walde liegen siebt, läfst es der Volksglaube 
hinzu fliegen, einen zweig und blätter auf ihn tragen, dasselbe thun menschen, Parz. 159, 12: 
Iwänet üf in dö brach 
der liebten bluomen zeime dach. 
( 4 ) Daz ze^molten wurde diu molte. Servat. 1720. CQ.d\Jir TG^TO/ de. f-err(K bhfa 
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