Full text: Über das Verbrennen der Leichen

über das verbrennen der leichen. 
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Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 203 
Strauchs ebensowol in deutscher sage vorbricht und in dem altfränkischen r 
thornichallis gerade ihre sicherste gefähr findet. Schonische grabhügel führen uü ccU. k^cu-Jiou^ j * 
nicht blofs den namen Bälhögen (brandhügel) sondern auch Tornhögen 
(dornhügel) (*), die Zeugnisse dafür haben im fortgang der Untersuchung sich 
so ansehnlich gemehrt, dafs sie nun wechselsweise einander unterstützen. 
Noch aber bin ich mit dem deutschen gebrauch hier nicht zu ende, 
falls ich grund hatte, gleich den alten Aestiern auch spätere ESTEN für 
Germanen zu erklären ( 2 ), deren name zuletzt an einem benachbarten und 
nachrückenden finnischen stamm haftete ; auf solche weise war der keltischen 
Bojen name mit dem besitz des landes erst auf die deutschen Baiern, zuletzt 
auf die slavischen Böhmen übergegangen, an jener nordöstlichen seeküste 
hatte bereits Pytheas Ostiaeer neben Guttonen gekannt, Tacitus hernach 
die ihm noch unzweifelhaft germanischen Aestier am suevischen meer den 
Sueven, wenn auch in bezug auf ihre spräche nicht ganz verglichen; viel 
später unterhielt mit ihnen Verbindung der gothische Theodorich. Finnen 
standen bereits im ersten jahrhundert und warum nicht weit früher in oder 
an diesem landstrich neben Germanen; wer könnte sagen, wann der ger 
manische stamm ausgezogen, der finnische an dessen stelle getreten, wann 
vielleicht eine mischung zwischen beiden entsprungen sei? war was im 
neunten jahrhundert Esten heifst entschieden ungermanisch und schon fin 
nisch oder waltete damals noch das deutsche element vor? auch wenn man 
letzteres für möglich hält, konnte spräche und sitte durch manchen einflufs 
von aufsen her gestört und verändert worden sein. 
Vulfstän hat uns in einer Alfreds Orosius eingeschalteten nachricht 
folgendes über die estische leichbestattung, wie sie, w r ir wollen annehmen, 
zur zeit des neunten jahrhunderts galt, mitgetheilt. 
Stirbt unter den Esten ein mann, so bleibt er bei seinen verwandten 
einen monat, bisweilen zwei unverbrannt, ja reichere und könige noch län 
gere zeit, in dem haus, wo der todte liegt, ist trinkgelag und spiel bis dafs 
er verbrannt wird, am tage aber, wo sie ihn zum Scheiterhaufen tragen, 
theilen sie seine habe, so viel von dem trinken und spielen noch übrig ist, 
in fünf, sechs oder mehr theile. diese legen sie dann auf einer mindestens 
(*) Sjöborgs nomenklatur för nordiska fornlemningar. Stockh. 1845 s. 73, 74. 
( 2 ) Geschichte der deutschen spräche s. 719.
	        

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