Full text: Über das Verbrennen der Leichen

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tag und mittsommertag einen der geschnittnen und gebundnen zweige im 
hof zu schichten, immer nur alltäglich einen einzigen, nach ablauf des jahrs 
aber, sobald der letzte zweig geschichtet sei, den häufen (bälet) anzuzünden 
und was in der asche übrig bleibe zu bergen. Der jüngling that alles wie 
ihm geboten war, und als der grofse reiserhaufe stand, entzündet wurde, 
aufloderte und verglomm, erhob plötzlich aus der asche sich eine wunder 
schöne jungfrau, die der jüngling eilends der glut entrifs und die nunmehr 
seine braut ward. 
Hier scheint lange jahrhunderte hindurch in märchenhafter Verklei 
dung unter dem volk sich noch ein unverkennbares andenken an das 
heidnische bäl und die ganze art und weise vielleicht seines feierlichsten auf- 
schichtens fortgepflanzt zu haben, den dazu ausersehnen oder erforderlichen 
dornstrauch nennt die aufgezeichnete Überlieferung nicht, doch sie bezeich 
net ihn; das langsame schneiden und binden der zweige verkündet heiligen 
opferbrauch und gemahnt ans skythische dorngerüste oder ans aufhängen 
des sächsischen wergelds, das aus verglühender asche emporsteigende neue 
leben an die dem leichbrand nothwendig zum grund liegende Vorstellung, 
dafs aus den flammen die unsterbliche seele sich gen himmel erhebe. Diese 
unversehrte frische einer schwedischen bauersage, die keine phantasie so 
ersonnen hätte, gewährt uns einfachen aufschlufs über das verbrennen der 
leichen bei unsern Vorfahren insgemein: wie die erlöste königstochter in des 
jünglings arme, werden sie geglaubt haben, dafs auch Brunhild in Siegfrieds 
aus der glut gesprungen sei. 
Hier darf ich aber noch etwas geltend zu machen nicht säumen. Nils- 
son( 1 ), von ganz andern gesichtspuncten als ich ausgehend, hat 6, 4. 5 bei 
scharfer und sorgsamer Untersuchung der auf Schonen liegenden grabhügel 
wahrgenommen, dafs alle dem brenn oder erzalter angehörigen von ihm 
für keltisch gehaltnen gräber durch einen dorn (crataegus oxyacantha) ge 
kennzeichnet sind und dafs dieser dorn bei dem volk noch jetzt für heilig 
erachtet, von keinem beil angegriffen wird und ein hohes alter erreicht, 
mich dünkt vollkommen zulässig dergleichen dornhügel auch dem germa 
nischen und skandischen alterthum anzueignen, da die heiligkeit des dorn- 
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(') Skandinaviska nordens urinvänare. Lund 1838 
s. 19. 20. N/ito£«oiuA . 
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1843; man vgl. Dybecks runa 1847 
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