Full text: Über das Verbrennen der Leichen

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Jacob Grimm 
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oder wie man die endung bilden wolle, drückt also dorngezweig, dornge- 
flecht, dornschicbte aus, womit man ursprünglich den Scheiterhaufen, dann 
aber, wie bustum und rcccpog in den begrif des grabs Übergiengen, den grab- 
hügel bezeichnete. man dürfte bei challus auch ans goth. hallus petra, altn. 
hallr lapis und höll aula, ags. heal, ahd. halla steinsal denken und thur- 
nichallis auffassen als dornhalle, dornstein; seit das verbrennen mit dem 
begraben tauschte, konnte es natürlich sein, dafs der bisher geheiligte dorn- 
strauch auch auf das unverbrannte leichen umschliefsende grab gepflanzt 
wurde, es geschah vielleicht aus ähnlichem grund auch bei den hügeln ver 
brannter leichen. hierzu stimmt sogar die ahd. glosse thornhüs ram (gl. 
Ker. 236. Hattemer 203b.) dornhtis rar (Diut. 1,270), wo ich statt des 
sinnlosen rar und ram vorschlage zu lesen ramnus, rhamnus oder ein roma 
nisches ramale, ramata, in beiden fällen scheint damit ein bedornter grab- 
hügel gemeint, ferner dürfte man tit. XLI c de ramis aut hallis cooperuerit 3 
durch ein bedecken mit ästen und steinen deuten; dadurch wird nun auch 
in einer urkunde des j. 786 bei Wenk im dritten band der ausdruck c tumuli 
qui vocantur hagenhougi 3 vollkommen erläutert, es sind dornhügel, von ha- 
gan paliurus und houc tumulus. Diese einzige glosse thurnichallis versichert 
uns also, wenn man meinen erörterungen folgen mag, dafs die Franken, 
gleich den übrigen Deutschen, ihre todten auf dörnern verbrannten und 
zugleich einen dorn über der grabstätte pflanzten. 
Noch unsern Volksliedern ist es unvergessen, dafs auf oder vielmehr 
aus gräbern dorn und weifsdorn spriefsen. in der sageberühmten schiacht 
Carls des grofsen mit den Heiden, als der gefallnen leichen unerkennbar 
untereinander lagen, geschah ein wunder: man fand bei anbrechendem tag 
durch jeden Heiden einen hagedorn, bei jedes Christen haupt eine weifse 
blume gewachsen, ich will Strickers worte selbst ausheben, 118 b.: 
zwei ungelichiu wunder ßo-rtati 
sach man an in beiden: 
durch iegelichen heiden, 
der da ze tode was erslagen, U 
gewahsen was ein süre hagen; ( 2 ) 
( 1 ) Aus hagan, mhd. hagen paliurus entsprang das nhd. hain, eigentlich dumus, dumetum, 
zuletzt lucus, silva überhaupt. 
( 2 ) Bei Schilter: was gewahsen ein hagen; ich bessere nach Trist. 449, 12 und schalte in der 
folgenden zeile 'heiden 3 ein, da das sechsjährige aussehn, in verschrumpfter zwerggestalt, auf 
die hagendörner selbst nicht zu beziehen ist. 
AaQ,Ö)öY7' ifü'vn^ejnA.'Mfc .
	        

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