Full text: Über das Verbrennen der Leichen

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Jacob Grimm 
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 203 
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hellen und reinen flamme, statt der trägen erde zu überlassen; vom ver 
brennen der leiche bis zum einbalsamieren und verharzen ist aber der gröfste 
abstand den man sich denken kann, die brennenden Völker erkannten kla 
res auges, was für den leiblichen stof gar nicht ausbleibe ( 1 ); aegyptische i>u)t ?> ?, 
Schwermut und befangenheit wähnte ihn gerade festzuhalten, den blofs ein 
gewundenen, der erde übergebnen leichnam erreicht Verwesung ungehindert; 
des hölzernen kastens bretter, den die griechische spräche fleischfressend, 
unser schwäbischer landmann noch heute todtenbaum nennt ( 2 ), halten sie 
doch nur kurze zeit auf; schwere särge, wie sie bei Chinesen üblich sind, 
oder die doppelten, metallnen unserer fürstengrüfte, hemmen sie ein klein 
wenig länger und nähern die leiche dem zustand eingemachter mumie. 
Wie hat sich die oft gefühllose weichherzigkeit der neueren luft ge 
macht gegen den herben brauch des mitverbrennens der frauen im alter- 
thum, und doch billigen wir, dafs die ehe, wenn sie ihres (gesetz ausdrücken 
den) namens werth sei, ewig und unauflösbar heifse, und preisen als seltnes 
glück, dafs hochbejahrte ehleute auf denselben tag hingeraft werden, denn 
erhebend ist es wenn gesagt werden konnte 
bis sex lustra tori nox mitis et ultima clausit, 
arserunt uno funera bina rogo. TYiCLThia/. 10^1. 
Wer es versteht, dafs bürger für das Vaterland, freund für den freund, ge 
liebter für die geliebte, so lange die weit steht, starben und sterben, wird 
nicht zweifeln, dafs die meisten frauen freudig mit den männern gestorben 
sind ( 3 ); selbst die starke macht der sitte muste ihren freiwilligen und viele 
ausnahmen duldenden entschlufs bestimmen, und niemand schilt gewohn- 
heit oder gesetz, die ein kriegsheer zur schiacht entsenden, in welchem auch 
unentschlossene oder unfreiwillige mitstreiten und fallen. Barbarisch und 
grausam sollten also nicht die heidnischen Völker heifsen, deren ehefrauen 
mit den männern verbrannt werden durften, sondern die christlichen, unter 
denen haufenweis ketzer und hexen unmenschlich der flamme überliefert 
wurden; jenes beruhte auf einem geheiligten band der natur, dies auf der 
priester verblendetem eifer. 
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(*) Ttcii ti QsoSugw fJLzXsi, 7TOTSgov v7T£g yrfi Yj V7to yvjs (7Yj7reTcci; Plutarch II p. 499. 
( 2 ) auch in der Schweiz todtabomm sarg, bömmli kindersarg. jr»^b.7)off>hoUr ^ven/lrau^ - 
( 3 ) nach Caesarius von Heisterbach 5, 19 verbrannte sich eine jungfrau freiwillig mit dem 
ketzer Arnold, ihrem lehrer. - 
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