Full text: Über Iornandes und die Geten

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namen und ihre kraft verkündet unwidersprechlich, dafs sie nichts anders 
waren als Geten oder Gothen, und dafs ihre besondere Benennung dem Pto- 
lemaeus eben die allgemeine verschwinden liefs. 
Laut also fordert, so weit ihr gebiet sich erstreckt, die geschickte nicht 
Scheidung sondern einigung der Geten und Gothen, und das gewonnene ge- 
fühl dieser einheit im hintergrunde darf auch für die ältere dunkle zeit, wo 
mythische und historische Stoffe sich verlaufen, Vorschub leisten. Niemand 
wird verkennen, dafs auf diesem schlüpfrigen boden lornandes und bereits 
sein Vorgänger Dio gestrauchelt haben müssen; und doch scheint selbst lor 
nandes nicht entblöfst von allem zweifelnden, critischen gefühl. cap. 9 als 
er dem Dio folgend des Geten königs Telephus meldung thut, befällt ihn 
der gedanke, dafs dieser name gar nicht gothisch, vielmehr ganz griechisch 
klinge; da lenkt er ein: ne vero quis dicat hoc nomen a lingua gothica om- 
nino peregrinum esse, nemo est qui nesciat animadverti, usu pleraque nomina 
gentes amplecti, ut Romani Macedonum, Graeci Romanorum, Sarmatae Ger- 
manorum, Gothi plerumque mutuantur Hunnorum. dafs hunische namen 
unter Gothen gäng und gäbe wurden mag sein, von dem umgekehrten Über 
gang gothischer namen auf Hünen liefert uns Attila das berühmteste beispiel. 
an Telephus (T>(Ascpog) und Eurypilus (EvgvirvXog) seinem sohn wird auch aufser 
den namen alles oder das meiste ungetisch erscheinen, und Verwechslung 
des asiatischen Mysiens mit dem Moesien oder Mysien der Donaugegend 
könnte im spiel sein. Telephos, sohn des Herakles, dem Achilles die be 
rühmte wunde schlug, von der geweissagt war 6 rgurag nai. ictrerai, liegt tief 
im hellenischen mythus; doch Dio mag ihn in Thrakien lebendig vernommen 
haben, und aus seinem werk hätten wir erst zu lernen, auf welchen puncten 
dennoch uralte griechische und getische sage aneinander rühren, denn die 
pfade des mythus sind wundersam verschlungen. Liefs sich doch Ovid aus 
eines getischen greises munde, den er diesmal keiner roheit beschuldigt, von 
Iphigenia in Tauris, Orestes und Pylades, was die Skythen erzählten, be 
richten (exPontoIII. 2,41 ff)( 1 ) und wenn deutsche, griechische, lateini 
sche spräche geheimnisreich zusammen grenzen, darf es auch die mythologie 
dieser Völker. 
(*) Diana taurica, Böckh inscr. 2,90*. Luclans Toxaris 1. 2. 6 bezeugt, dafs die Sky 
then dem Orestes und Pylades opferten und Iphigenia göttlich verehrten.
	        

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