Full text: Über Iornandes und die Geten

- 35 - 
©Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 199 
strichen aber andere, wie gewiesen worden ist, ihnen gleichnamige Gothen 
aufgetaucht sein, die vorher an solcher stelle gar nicht da gewesen wären? 
welche befangenheit, in ungetrennt sich folgenden ereignissen gerade den 
wahrhaften Zusammenhang zu verkennen, der ihnen gebührt. 
Tacitus redet uns von keinen Geten mehr (*), weil seine nachrichten 
insgemein aus deutschem bericht fliefsen, den Deutschen die namensform 
Geta fremd war. er nennt uns also Gothones, und setzt sie in seiner Ge- 
mania hinter die Ljgier, doch seine annalen melden von Catualda, einem 
edlen Gothen, der mit Maroboduus in Zwietracht und fehde gerathen war. 
diese händel fallen in unser j. 19, unmittelbar in die zeit, die eben Ovid 
unter Geten verlebt hatte, unmittelbar nach dem sieg der Römer über Co- 
tiso. Was für eine Vorstellung man sich wol von ausdehnung des marko- 
mannischen reichs, von Marbods gescheiterten entwürfen macht? ich meines- 
theils zweifle nicht, dafs er vielfach mit gothischen stammen verkehrt und 
einige derselben beherscht hat; sein name mochte wol schon zu Ovids ohr 
erschollen sein; welche Völkerschaften hätten damals im rücken der Marko 
mannen und Lygier gehaust, wenn nicht die weit ausgestreckten Gothen? 
und am Pontus, in Dacien sollte gleichzeitig die Stätte von Geten gewesen 
sein, die keine Gothen wären? es ist eine grofse ferne von der Donaumün 
dung aufwärts durch Moesien, Dacien, Pannonien; doch an solchem ströme 
auf und ab zu steigen, mufs einem gewaltigen stamme, wie dem gothischen, 
der sich nicht von den übrigen deutschen abschneiden liefs (wenn auch ein 
zelne Sarmaten südlich vorzudringen suchten) gleichsam in fleisch und blut 
gelegen haben, diese rührigen, kühnen Geten, die zu Domitians zeit aus 
drücklich mit Markomannen und Quaden in bezug stehn ( 2 ), sollten nicht 
lange vorher schon mit andern Germanen ununterbrochen in bund und ver 
kehr sein? in folgenden Jahrhunderten, als der name Getae allmälich aus- 
(*) hist. 2,72 (aus Nerons zeit Im j. 69) wird ein bestrafter betrüger 'condltione fu- 
gitivus, nomine Geta’ genannt, wobei er aber an die landläufigen knechte der comoedle, 
nicht an die Gothen dachte. 
( 2 ) Tacitus im Agrlcola 41 drückt sich von dem unglücklichen krieg der Römer In 
diesen gegenden so aus : tot exercltus in Moesla Daciaque et Germania et Pannonia te- 
meritate aut per Ignavlam ducum amlssl, tot mllitares ylri cum tot cohortibus expugnati 
et captl; und unter diesen Dakern und Germanen hätte kein Volkszusammenhang statt ge 
funden ? 
, Jul' . tr\ G 
)tr
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.