Full text: Über Iornandes und die Geten

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 199 
ja IV. 3,19 
all pudet! et getico scripsi sermone libellum, 
structaque sunt nostris barbara yerba modis> 
et placui, gratare mibi, coepique poetae 
inter inhumanos nomen habere Getas. 
Trist. IV. 1,94 an mea Sauromatae scripta Getaeque legent( 1 )? 
Trist. HI. 14,47 
threicio scythicoque fere circumsonor ore 
et videor geticis scribere posse modis, 
crede mihi, timeo ne sint immista latinis 
inque meis scriptis pontica verba legas. 
Ovids getische yerse wären aber gewis die allerältesten versuche römischer 
metra in unsrer zunge, noch um ein gutes theil früher gedichtet als die in 
Burmanns anthologie enthaltne zeile aus dem sechsten jh. ( 2 ), und freilich 
nur ein paar jener yerse würden uns hinreichen den klang deutscher spräche 
entgegenzunehmen ( 3 ), die hier, wenn auch lateinischem ohr barbarisch oder, 
wie er vorhin sagte, thierisch lautete, ihre uralte fügsamkeit bewährt hätte, 
was es Trist. III. 9,2 mit c inter inhumanae nomina barbariae 3 auf sich habe, 
zeigen auch viel spätere äufserungen der Römer und Italiener über deutschen 
mislaut. Dem wenigen, was Ovid sonst beiläufig über sitten und bräuche 
anmerkt, wird man dennoch höheren werth abgewinnen lernen, wenn diese 
Geten unsre Gothen sind und ihnen verglichen werden dürfen. So viel leuch 
tet ein, dafs der mit ganzer seele an seiner heimat hängende bannling die Ge 
ten als rohes wildes, aber zahlreiches, kriegerisches und damals schon von 
dem römischen boden, oder den Römer für ihr eigenthum ansahen, schwer 
abzuweisendes volk schildert, beiwörter wie ferus, dirus, durus, infestus, 
inhumanus, trux, truculentus, saevus, rigidus ( 4 ), stolidus sind ihm für sie (*) 
(*) schon Orpheus Argon. 1065 verbinden Xct'j^ofxdrccg ts TtTccg. 
( 2 ) Haupts Zeitschrift 1,379. 
( 3 ) dafs Adelung, seiner sinnesart gemäfs, die in der alten geschichte überall trug und 
Fälschung annimmt, Ovids getische sprachkenntnis für blofse dichterische prahlerei hält, 
wird nicht befremden, die Römer sind aber in solchen dingen ernst und wahrhaft. 
( 4 ) auch Horaz brauchte rigidus, und eine viel spätere inschrift vom j. 565 bei Gru- 
ter 161,2 ZqJI Mty 
‘'qui potuit rigidas Gothorum subdere mentes.
	        

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